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Neuerliche Mehrkosten: der Anbau ans Landratsamt. 

Mindestens 22,5 Millionen Euro

Schon wieder: Landratsamt-Anbau kostet Millionen mehr

Die Kosten des Anbaus ans Starnberger Landratsamt steigen immer weiter. Inzwischen sind es mindestens 22,5 Millionen Euro. Der Bau ist auch drei Monate im Verzug. Bei einigen Kreisräten steigt mit den Kosten der Ärger über das Vorhaben.

Landkreis– Der Anbau ans Starnberger Landratsamt entwickelt sich zum finanziellen Abenteuer. Nach neusten, bisher nur nichtöffentlich genannten Zahlen kostet der Anbau 22,5 Millionen Euro – mindestens. Das sind rund 55 Prozent mehr als die erste, halbwegs seriöse Kostenschätzung von 14,6 Millionen Euro. Bei Kreisräten und Bürgermeistern liegen die Nerven blank – auch wegen der anderen Großprojekte.

Die erste Kostenangabe von 6,5 Millionen Euro für den Anbau aus dem Jahr 2014 hatte sich recht schnell als ziemlicher Unsinn herausgestellt. Im Frühjahr 2016 gab es mit 14,6 Millionen die erste vernünftige Angabe; im Juli 2018 war man beim zuletzt bekannten Stand von 18,5 Millionen angelangt. Schon bei der Grundsteinlegung im Juli 2019 war klar, dass auch das nicht reichen würde. Kreiskämmerer Stefan Pilgram hatte seinerzeit nur auf Ausschüsse im Herbst verwiesen. Die tagten auch, nur erfuhr die Öffentlichkeit von der neuerlichen Kostensteigerung nichts. Im Kreistag vorige Woche nannte die Verwaltung im nichtöffentlichen Teil den Stand: 22,5 Millionen Euro als Kostenrahmen.

Die Kostensteigerung hat verschiedene Gründe

Drei Faktoren seien für die Steigerung verantwortlich, wie die amtierende Kreissprecherin Barbara Beck auf Anfrage erklärte. Rund 1,5 Millionen Euro gehen auf das Konto der Baukonjunktur – die ist gut, die Firmen können sich vor Aufträgen nicht retten. Für Bauherren sei das aber eine „ganz schlechte Situation“, sagte Beck: Bei den 35 Gewerken habe man auf manche Ausschreibung kein Angebot bekommen oder nur wenige, und die sind dann hoch. Heißt: Die Firmen können die Preise beinahe diktieren. Nachteilig wirkte sich die lange Genehmigungsphase des Anbaus, unter anderem wegen Klärungsbedarf mit der Stadt, aus.

Rund 1,4 Millionen Euro mehr muss der Kreis für die Gründung ausgeben. Der Anbau steht auf dem ehemaligen Festplatz unweit des Sees, schwieriger Baugrund war erwartet worden. Der Boden erwies sich aber Beck zufolge als noch schlechter als gedacht, Pfähle müssen bis zu 60 Meter tief gerammt werden. Dass das Baugrundgutachten das nicht ergeben habe, sei ein „Restrisiko“ solcher Untersuchungen.

Kontaminierte Böden machen Probleme

Etwa 545 000 Euro mehr kostet die Deponierung des Aushub der Baugrube. Dass der Boden belastet ist, war bekannt – der Kreis musste mehr als 500 000 Euro für Parkplätze an der Strandbadstraße ausgeben, weil der Boden saniert werden musste. Auch die Stadt hatte beim Umbau des Wasserparks mit kontaminiertem Boden zu kämpfen. Die Belastung auf der Anbaubaustelle erwies sich als höher als erwartet – und deswegen ist die Deponierung teurer. In den Mehrkosten sind aber auch Wünsche des Kreistages einhalten, etwa die erweiterte Fotovoltaikanlage (150 000 Euro). Den derzeitigen Bauverzug von rund drei Monaten glaubt der Kreis, aufholen zu können. Geplante Fertigstellung: Frühjahr 2021.

Unter den Kreisräten und Bürgermeistern wächst die Sorge, dass die Kostenexplosionen beim Anbau nur ein Vorgeschmack auf andere Projekte wie Gymnasium Herrsching oder Fachoberschule (FOS) Starnberg sein könnten. Bürgermeistersprecher Rupert Monn zeigt deutliche Anzeichen tiefer Frustration: „Ich befürchte, dass bei den zahlreichen Großprojekten dasselbe passiert. Das würde in einem Finanzdebakel für die Kommunen enden.“ Denn: Sie zahlen die Projekte bzw. den Kostenanteil des Landkreises über die Kreisumlage. Freie-Wähler-Kreisrat und Bürgermeister Bernhard Sontheim ist entsetzt: Es sei fahrlässig und unverantwortlich, was der Landkreis mit den geplanten Investitionen Gemeinden und Bürgern zumute. Sontheims Rechnung nach plant der Kreis in den kommenden Jahren Vorhaben für 180 bis 200 Millionen Euro. 

Oswald Gasser übt Kritik an den zunehmenden Schulden aus

Derzeit könnten sich die Kommunen noch etwas leisten, ein Abschwung und damit sinkende Steuereinnahmen seien jedoch absehbar. Dr. Oswald Gasser (FDP) kritisiert die zunehmenden Schulden, zu denen der Anbau seinen Beitrag leistet. Die FDP habe immer einen einfachen Verwaltungsbau gewollt, sei damit aber gescheitert. Er frage sich, woher die Einnahmen für die ganzen Vorhaben kommen sollen. Und: Dass die neuerliche Kostensteigerung nur nichtöffentlich genannt worden sei, sei „ein starkes Stück“. Das Landratsamt begründet das damit, dass der Kreistag (und zuvor einige Ausschüsse) über die Ergebnisse der Ausschreibungen informiert worden seien – und das passiert immer nichtöffentlich.

In anderen Fraktionen herrscht stellenweise Resignation. CSU-Fraktionschef Harald Schwab: „Wir können nicht zurück, aber die Baupreise sind der Wahnsinn.“ Grünen-Fraktionschefin Martina Neubauer warnt davor, eventuell abzuwarten: „Es wird nicht billiger.“ Beide sehen in Anbau, aber auch den Schulen wichtige Zukunftsinvestitionen für den Kreis, die er sich leisten könne, da sie über Jahre finanziert werden.

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