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Zählung im Verborgenen: Die Mitarbeiter der Technischen Hochschule Nürnberg blieben unsichtbar, nur bunte Messpunkte auf der Etterschlager Straße wiesen gestern in Steinebach auf die Untersuchungen hin.

Radverkehr

Schutzstreifen, Schilder, Piktogramme

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Der Landkreis beteiligt sich an einem bayernweiten Modellprojekt zum Radverkehr an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen. In drei Gemeinden werden bis September 2019 verschiedene Maßnahmen getestet.

Landkreis – Die Andechser Straße in Erling, die Hauptstraße in Weßling und die Etterschlager Straße in Steinebach haben zwei Gemeinsamkeiten: Sie sind viel befahrene innerörtliche Hauptverkehrsstraßen – und sie sind die drei Teststrecken, mit denen sich der Landkreis Starnberg an einem bayernweiten Modellprojekt zum Radverkehr beteiligt.

Dabei geht es um den ewig gleichen Konflikt, der sich Tag für Tag auch im Landkreis abspielt: Wie finden Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zu einem friedlichen und fairen Miteinander? Die Oberste Baubehörde im bayerischen Verkehrsministerium hat nun zusammen mit der Technischen Hochschule Nürnberg (TH) und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) den Modellversuch gestartet.

In den vergangenen zwei Tagen haben Mitarbeiter der TH – ausgerüstet mit Videokameras – an den drei Teststrecken bereits das aktuelle Verhalten der Verkehrsteilnehmer dokumentiert. Neben einer bloßen Zählung von Radverkehr, Kfz-Verkehr und ÖPNV lag das Augenmerk vor allem auf den Radlern. Bei ihnen wurde zusätzlich das Geschlecht, die Altersklasse (unter 18 Jahre, 18 bis 65 Jahre, über 65 Jahre alt) und die Fläche erhoben, auf der sie unterwegs waren, also Radweg, Gehweg oder Fahrbahn. Anhand der Videoaufnahmen werten die Experten die Geschwindigkeiten und Fahrlinien der Verkehrsteilnehmer aus – dafür hatten sie auf einer Länge von etwa 30 Metern mit wasserlöslichem Kreidespray vier Punktelinien auf die Fahrbahn gemalt. „Dieses Untersuchungsmethode ist mit dem Datenschutzbeauftragten im Verkehrsministerium abgestimmt“, betont Landkreissprecher Stefan Diebl. Spätestens im nächsten Frühjahr sollen dann die Tests mit dem Anbringen von Schildern und/oder Markierungen starten. Diese dauern bis September 2019, im Mai 2020 soll ein Abschlussbericht vorliegen.

Auf jeder Teststrecke wird eine andere Maßnahme ausprobiert.

-Weil die Andechser Straße in Erling zu eng ist, um einen Fahrradschutzstreifen zu markieren oder gar einen Radweg anzulegen, sollen dort Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn markiert werden. Bis September 2019 wollen die Experten dann ermitteln, ob und welche Auswirkungen das auf den Radverkehr hat. „Schaun wir mal, was da rauskommt“, sagt Bürgermeisterin Anna Neppel gegenüber dem Starnberger Merkur.

-An der Hauptstraße in Weßling gibt es bislang einen Radweg in beide Fahrtrichtungen. Die Benutzungspflicht wird während der Testphase aufgehoben. Die Radler dürfen ihn dann zwar weiter befahren, dürfen aber auch die Straße nutzen. Neu entwickelte Hinweisschilder sollen die Autofahrer darauf aufmerksam machen. Zudem wird der bisherige Radweg mit passenden Piktogrammen versehen.

-An der Etterschlager Straße in Steinebach wird schließlich die Markierung von einseitigen Fahrradschutzstreifen getestet. Der gemeinsame Geh- und Radweg auf der Seeseite soll dafür aufgelöst werden. Zweirichtungsradwege wie diese seien innerorts oft problematisch, hatte Bürgermeisterin Christel Muggenthal in der jüngsten Gemeinderatssitzung gesagt (wir berichteten). „Da besteht die Gefahr, dass Radfahrer auf dem Geh- und Radweg von abbiegenden oder aus einer Grundstücksausfahrt ausfahrenden Autofahrern übersehen werden. Außerdem kommt es zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern.“ Fahrradschutzstreifen gibt es bereits an einigen Stellen im Landkreis, unter anderem auf der Perchastraße in Berg, auf dem Starnberger Weg und dem nördlichen Teil der Römerstraße in Gilching oder auch auf Teilen der Mühlfelder Straße und der Rieder Straße in Herrsching.

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