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Wildschwein gelten als Verbreiter der Afrikanischen Schweinepest - ob die Vorbereitungen auf die Seuche ausreichen oder nicht, darüber ist man sich im Landkreis Starnberg noch nicht einig.

Furcht vor der ASP

Schweinepest: Jäger drängen auf bessere Vorbereitung

Was passiert, sollte die Afrikanische Schweinepest im Fünfseenland ausbrechen? Der Landkreis treibt seine Vorbereitungen vor - nicht genug, finden die Jäger.

Landkreis – Die Kreisjägerschaft ist mit den Notfallplanungen für einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der Region und bei der Wildschwein-Bekämpfung äußerst unzufrieden. Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, macht dafür die Führung des Starnberger Landratsamts verantwortlich. Die Kreisbehörde widerspricht vehement. Auch die Landwirte sehen Nachholbedarf – bei Jägern und Landratsamt.

Derzeit ist die für den Menschen ungefährliche ASP noch weit vom Landkreis entfernt, doch kann sie jederzeit in Bayern auftreten. Der Bauernverband fordert seit Monaten rigorose Maßnahmen gegen Wildschweine, um die Gefahr einer Verbreitung zu mindern. Würde die ASP im Landkreis auftreten, wären die Folgen weitreichend. 

Der Bauernverband plädiert für eine verstärkte Bejagung, während die Kreisjägerschaft erst einmal herausfinden will, wo es wirklich Probleme gibt. Dazu haben Görtler und seine Kollegen ein Berechnungsmodell auf Basis der Jagdreviere entwickelt, das Abschusszahlen und Schäden sowie eine Reihe anderer Faktoren berücksichtigt. Allerdings brauchen die Jäger die nötigen Daten – und die bekommen sie nicht.

Seitens der Landwirte habe er kaum Daten erhalten, sagt Görtler. Vom Landratsamt bzw. deren Unterer Jagdbehörde bekommen die Jäger gleich gar keine Angaben – aus Datenschutzgründen. „Wir machen seit zwei Jahren Vorschläge, und passiert ist nichts“, erklärt der Vorsitzende. Dabei geht es auch um Fragen wie Kühlanlagen für Kadaver im Seuchenfall und einiges mehr. „Wir sind bei Weitem nicht ausreichend auf die ASP vorbereitet“, erklärt Görtler. „Das finde ich ziemlich gefährlich.“

So forderten die Jäger seit Jahren einen Runden Tisch Schwarzwild unter Regie des Landrates, damit das Gremium auch Gewicht habe. Görtler will eine institutionalisierte Runde, die mindestens einmal im Quartal tagt und mit Befugnissen ausgestattet wird. Eine Lösung wäre auch ein Kreisjägermeister, wie es ihn in anderen Bundesländern gibt. Er würde als Jagdberater fungieren, wäre vom Kreistag gewählt und hätte damit die nötigen Befugnisse. Bei den Jägern macht sich Frust breit, weil die Führung der Jägerschaft um Görtler rund 750 Stunden ehrenamtliche Arbeit investiert und das Gefühl hat, über den Datenschutz ausgebremst zu werden.

Das Berechnungsmodell ergibt, so es mit allen Daten gefüttert wurde, eine Art Karte der auffälligen Teile des Landkreises. Stehen Schäden und Abschuss in einem groben Missverhältnis, müssten die Gründe genauer untersucht werden. Es kann sowohl an Landwirten liegen als auch an Jägern. Etwa, wenn Felder bis an den Waldrand reichen und damit Jäger die Wildschweine gar nicht zu Gesicht bekommen – Schneisen erlauben erst den Abschuss. Umgekehrt kann es aber auch an Jägern und Pächtern liegen, weil sie die Jagd nicht mit ausreichendem Nachdruck betreiben oder ungeeignete Methoden nutzen. Görtler: „Leistung ist Können plus Wollen.“ Im vorigen Jahr wurden im Kreis mehr als 1000 Wildschweine geschossen, ein Rekord. Zahlen für 2018 gibt es noch nicht.

Das Landratsamt kann die Kritik der Jäger nicht nachvollziehen. Zutreffend sei, dass die Behörde Abschusszahlen aus Datenschutzgründen nicht weitergebe, erklärt der für Jagdrecht zuständige Fachbereichsleiter Markus Reichart. Denn: Abschusszahlen und Revier ergeben zusammen persönliche Daten, weil sie mit einem Namen verknüpft sind. Einige Revierinhaber hätten dem sogar ausdrücklich widersprochen. Einen Runden Tisch habe es zuletzt Ende 2017 gegeben, sagt Reichart, wobei Vorschläge auch zur ASP abgefragt worden seien. Die Jäger hätten welche unterbreitet, sonst war die Resonanz eher mau. Einen Kreisjägermeister sehe das bayerische Recht nicht vor.

Die Landwirte erkennen Fortschritte, wie Bauernverbandsobmann Georg Zankl sagt. Etwa, dass es bald so genannte Aufbruchsammelstellen geben wird. Den Wildschweinbestand hält er weiter für zu hoch, die Jagd für nicht ausreichend. „Das geht mir nach wie vor ab, es wird wohl unterschätzt.“ 

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