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Patenschaft: Ulrike Kleewein hilft einer Starnberger Seniorin seit August. Vor allem geht es darum, den Briefwechsel mit Behörden zu organisieren.

Hilfe im Alter

Senioren-Patenschaften: Glücksfälle gesucht

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Senioren helfen Senioren – das ist das Prinzip neuer Patenschaften des Starnberger Caritasverbands. Dafür werden sowohl Bedürftige als auch Helfer gesucht. Ein eingespieltes Team berichtet von seinen Erfahrungen.

Starnberg – Ein Ausflug zur Jubiläumsfeier der Evangelischen Akademie nach Tutzing wäre für eine 84-jährige Frau aus Starnberg beinahe zur Katastrophe geworden: Der Aufzug an der Haltestelle fiel aus. Die Rollstuhlfahrerin berichtet: „Ich hätte nicht gewusst, wie es weitergehen soll.“ Dann übernahm Begleiterin Ulrike Kleewein (68) das Zepter. Sie fand mit dem Zugführer die Lösung: Die beiden Seniorinnen fuhren weiter nach Possenhofen, mit dem Gegenzug dann zurück nach Tutzing, auf der ebenerdigen Seite. Als die beiden erzählen, auf der Rückfahrt spontan mit dem Schiff gefahren zu sein, wirken sie wie zwei alte Freundinnen. Sie haben sich im August über ein Projekt im Starnberger Seniorentreff gefunden.

„Dessen Ziel ist es, die gesetzliche Betreuung so weit wie möglich rauszuschieben“, erklärt Leiter Helmut Kilian. Betreuungspaten helfen Senioren beim Umgang mit Behörden, Arztbesuchen oder beim Schriftverkehr. Die Leitung des Projekts „Selbstbestimmt im Alter“ übernimmt der Caritasverband Starnberg und ist damit eine von 15 Einrichtungen bundesweit. „Damit kann man manche Leute aus der Isolation holen, zurück ins gesellschaftliche Leben“, sagt Kilian.

Teilhabe am öffentlichen Leben

„Daran kann ich jetzt wieder teilnehmen“, sagt die 84-jährige Rollstuhlfahrerin. „Für mich ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn ich nicht alleine irgendwo hingehe.“ Und dennoch sagt die Seniorin: „Ich versuche, mich nicht auf die Hilfe zu verlassen und so viel wie möglich selbst zu machen.“ Aber nach ihrer Einstufung in die Pflegestufe 2 habe sie Hilfe gesucht. „Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Davon haben auch junge Menschen keine Ahnung.“

Umso mehr Wissen brachte Kleewein mit. Die Pöckingerin war früher als Bürokauffrau im Klinik- und im Pflegebereich tätig. Zwei Stunden pro Woche reichen ihr, um für die anfallenden Verwaltungsaufgaben für die Starnberger Seniorin zu erledigen. Nach einem Spaziergang nimmt Kleewein noch die Post mit, um der Rollstuhlfahrerin den Weg zu ersparen.

Warum sie hilft, habe mit dem Tod ihrer Tochter zu tun, sagt Kleewein. „Sie hatte mir früher gesagt: Wenn ich dich nicht hätte, hätte ich das nicht geschafft.“ Dann habe sie von dem Projekt im Seniorentreff gehört. „Ich wusste: Das ist etwas, wo ich mich einbringen möchte.“

Fünf Schulungstage vor dem Start der Vermittlung

Nach fünf Schulungstagen – unter anderem ging es um Gesprächsführung und Alterskrankheiten – war Kleewein bereit für eine Vermittlung. Über die Projektverantwortlichen kamen die beiden Seniorinnen zusammen. „Nach fünf, zehn Minuten haben wir gemerkt: Das passt.“ Die Starnberger Seniorin bestätigt: „Irgendwie schwimmen wir auf der gleichen Wellenlänge.“

Die Projektverantwortlichen bezeichnen das mittlerweile eingespielte Team als Glücksfall. Sie betonen: Interessierte jeden Alters können sich als Helfer melden, natürlich auch Bedürftige. Bislang gibt es sechs Ausgebildete und drei laufende Patenschaften. Tätig sind etwa ehemalige Juristen oder Marketing-Mitarbeiter. „Durch ihre Lebenserfahrung und die Schulungen sind alle Helfer kompetent“, betont Petra Scheucher vom Starnberger Seniorentreff.

Im besten Fall profitieren beide Seiten. Kleewein berichtet nochmal von der Fahrt zur Evangelischen Akademie: „Ich war noch nie dort – und sie wollte mal S-Bahn fahren.“ Und da war noch etwas: „Es gab tolle Kürbissuppe.“ Manchmal kann es mit den Glücksfällen ganz einfach sein.

Paten gesucht

Wer sich für ein ehrenamtliches Engagement interessiert, kann jederzeit das Gespräch mit Verantwortlichen vom Koordinierungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement (KoBe) aufnehmen: z (0 81 51) 9 13 70. Ein Infoabend dazu findet am Freitag, 3. November, ab 14 Uhr in der Cafeteria des Seniorentreffs, Hanfelder Straße 10, statt.

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