Der Weltladen an der Kaiser-Wilhelm-Straße in Starnberg bekam eine E-Mail mit einer Bombendrohung.
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Der Weltladen an der Kaiser-Wilhelm-Straße in Starnberg bekam eine E-Mail mit einer Bombendrohung.

Bombendrohung gegen Weltladen: „Sie haben 80 Stunden Zeit“

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Die per E-Mail eingegangene Bombendrohung gegen den Starnberger Weltladen hat die Betreiber noch am Dienstag beschäftigt. Auch der evangelische Pfarrer Dr. Stefan Koch äußert sich nachdenklich.

Starnberg – Sie hatte den Finger schon auf der „Löschen“-Taste ihres Laptops. Dann aber überflog die 68 Jahre alte Starnbergerin doch noch mal den Text der E-Mail: „Du hörst jetzt besser zu“, stand da geschrieben. „20 000 Dollar in Bitcoins.“ Und das Wort „Bombe“. Nun wurde es der Frau doch zu heiß. Sie ließ die E-Mail im Postfach und informierte am Sonntagnachmittag sicherheitshalber die Starnberger Polizei. Was dann geschah, ist bekannt: Die Beamten durchsuchten mit einem Sprengstoffhund den Weltladen an der Kaiser-Wilhelm-Straße, fanden aber nichts Verdächtiges.

Die Einrichtung des Vereins für Partnerschaft mit der Dritten Welt Starnberg e.V. war eine von mehreren Empfängern in Oberbayern, die in den vergangenen Tagen diese Drohmails bekommen haben, darunter auch eine Arztpraxis aus der Josef-Jägerhuber-Straße. Der Absender ist unbekannt, das Kommissariat für Cyberkriminalität der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck hat die Ermittlungen übernommen.

Bombendrohung gegen Weltladen und Arztpraxis in Starnberg

„Wir bekommen öfters E-Mails, die skurril oder aggressiv sind. Da ist auch mal von Erpressungen und Hackern die Rede“, schildert die 68-Jährige aus dem Vorstand des Vereins. Sie ist nicht besonders ängstlich, will in der aktuellen Situation dennoch ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen.

Spätestens nach dem Wort „Bombe“ sei sie diesmal aber sehr aufmerksam geworden, sagt sie. Unmittelbare Gefahr hat sie nicht gesehen, weil die Erpresser dem Laden 80 Stunden Zeit gegeben haben, die Summe per Internetwährung zu überweisen. Eingegangen war die Mail am frühen Samstagmorgen um Punkt 4.32 Uhr. Wie der Weltladen überhaupt auf die Liste der Erpresserbande gekommen ist, ist ihr ein Rätsel. „Wir sind doch alle ehrenamtlich tätig und helfen den Ärmsten der Armen“, sagt sie. Und da sollten sie 20 000 Dollar zahlen können? „Das kann ja nur ein Wahnsinniger sein“, sagt die Frau.

Seit über 30 Jahren gibt es den Weltladen in Starnberg, seit 22 Jahren ist das kleine Eck vorne rechts auf dem Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde dessen Heimat. Der evangelische Pfarrer Dr. Stefan Koch hat am Sonntagabend vom Vorstand des Vereins von den Vorgängen erfahren. Zuvor hatte die Polizei die 68-Jährige zur Verschwiegenheit verpflichtet, bei ihr zu Hause den Ladenschlüssel abgeholt und das Geschäft nach verdächtigen Gegenständen abgesucht.

Starnberg: Erpresser wollten 20.000 Dollar in Bitcoins

„Es sieht ja so aus, dass es keine zielgerichtete Drohung gegen den Weltladen war“, sagt Koch. „Damit ist es einfacher geworden, damit umzugehen.“ Dennoch stimmt ihn die ganze Sache sehr nachdenklich. Was, wenn er früher davon gewusst hätte? Hätte er es dann noch verantworten können, die Menschen zum Sonntagsgottesdienst in die nur wenige Meter entfernte Friedenskirche einzuladen?

Die Drohung mit einer Bombenexplosion hat für Koch etwas mit Terror zu tun, der auf Menschen ausgeübt werde. „Dadurch dürfen wir unser Verhalten aber nicht ändern“, sagt er. Vielmehr gehe es darum, „so besonnen und verantwortungsbewusst wie möglich“ mit solchen Situationen umzugehen.

Die 68-jährige Starnbergerin beschäftigt die ganze Sache gestern noch sehr. „Ich mache eine halbe Stunde früher Schluss“, sagt sie am Vormittag zum Starnberger Merkur. Dann sei genügend Zeit, bis die 80 Stunden abgelaufen seien.

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