Unterschriften für den Erhalt des Bayerischen Hofs (v.l.): Nina Kampmann, Barbara Zillich, Anne Kirchbach, Barbara Müller-Funk, Dorothee Koss-Gehlen und Dr. Ildiko Hajto gestern Mittag im Schneetreiben.
+
Unterschriften für den Erhalt des Bayerischen Hofs (v.l.): Nina Kampmann, Barbara Zillich, Anne Kirchbach, Barbara Müller-Funk, Dorothee Koss-Gehlen und Dr. Ildiko Hajto gestern Mittag im Schneetreiben.

Sechs Frauen kämpfen für den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes

Gegen Abriss des Bayerischen Hofs: Unterschriftenlisten liegen jetzt aus

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
    schließen

Eine Gruppe engagierter Starnbergerinnen setzt sich für den Erhalt des Bayerischen Hofs ein. Die Damen, alle zwischen 70 und 80 Jahre alt, haben am Dienstag erste Listen mit insgesamt 98 Unterschriften im Rathaus-Briefkasten eingeworfen. Ihre Befürchtung: Bei einem Abriss verliert Starnberg weiter sein Gesicht.

Sonntag, 18. April 2021, 20.21 Uhr: Nachdem sie bislang nur im Bekanntenkreis Unterschriften für den Erhalt des Bayerischen Hofs gesammelt hatten, haben die Initiatorinnen nun auch öffentlich Listen ausgelegt. Wie Anne Kirchbach am Sonntag gegenüber dem Starnberger Merkur sagte, können sich Interessierte in der Poststelle von Ralf Wahl (Andechser Straße 42), in der Söckinger Apotheke (Andechser Straße 43) und in der Stadt-Apotheke (Wittelsbachestraße 2c) in die Listen eintragen. Wie berichtet, setzt sich die „Interessengemeinschaft Erhalt des Hotels Bayerischer Hof Starnberg“ dafür ein, das etwa 150 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude von Grund auf zu sanieren. Mitte vergangener Woche hatten die Verantwortlichen einen ersten Schwung Listen mit 98 Unterschriften unter der Forderung im Rathaus abgegeben. Wie viele Menschen mittlerweile unterschrieben haben, konnte Anne Kirchbach gestern nicht sagen, aber: „Uns werden die Türen eingerannt“, betonte sie.

Artikel vom 15. April 2021, 13 Uhr: Selbst das dickste Schneetreiben gestern Mittag konnte die Damen nicht abhalten. Zu wichtig ist ihnen ihr Anliegen: der Erhalt des Bayerischen Hofs. Und so präsentierten Dr. Ildiko Hajto, Nina Kampmann, Anne Kirchbach, Dorothee Koss-Gehlen, Barbara Müller-Funk und Barbara Zillich in Wintermänteln und unter Schirmen eine Kopie der Unterschriftenlisten, die sie am Tag zuvor im Rathaus abgegeben hatten.

Ihre Adressaten sind die Stadtspitze und alle 30 Stadträte. Ihr Appell: „Wir möchten Sie dringend bitten und auffordern, einen weiteren tiefen und zerstörerischen Eingriff in das Stadtbild zu verhindern, zumal Ihnen bereits eine ganze Reihe von guten, konstruktiven Vorschlägen für den Erhalt des Bayerischen Hofes und der Volkshochschule vorliegen. Bitte verhindern Sie, dass Starnberg weiter sein Gesicht verliert“, wie es im Anschreiben heißt.

„Das Thema beschäftigt uns alle“, sagt Ildiko Hajto

Zum Zeitpunkt der Abgabe hatten bereits 98 Starnberger die Forderung der „Interessengemeinschaft Erhalt des Hotels Bayerischer Hof Starnberg“ unterstützt, gestern Nachmittag waren es schon 126. „Das Thema beschäftigt uns alle“, sagt Ildiko Hajto. die Präsidentin des Starnberger Bridge-Clubs. Seit sechs Jahren hätten die 76 Mitglieder ihre Spielnachmittage regelmäßig im Bayerischen Hof veranstaltet und sich dort immer wohlgefühlt. Nicht nur das Ambiente, auch die verkehrsgünstige Lage sei perfekt. Spielkarten und andere Utensilien des Vereins lagern nach Angaben Hajtos übrigens noch in dem Gebäude, dessen Nutzung wegen Einsturzgefahr seit vergangenem Dezember eingestellt ist.

Es habe in den zurückliegenden Jahren bereits viele negative Entwicklungen im Starnberger Stadtbild gegeben, sagt Anne Kirchbach und nennt als Beispiel den Neubau der Deutschen Bank an der Wittelsbacherstraße. Sie spricht sich „möglichst für eine Vollsanierung“ des rund 150 Jahre alten, denkmalgeschützten Bayerischen Hofs aus. Überlegungen, nur die Fassade stehen zu lassen, das Haus an sich aber neu zu bauen, begegnet sie mit gemischten Gefühlen.

„Es kommt darauf an, das Gesicht der Stadt zu wahren“

„Es kommt darauf an, das Gesicht der Stadt zu wahren“, betont Barbara Müller-Funk. Aber leider spiele das Geld eine zu große Rolle, weswegen der historische Bestand in Gefahr sei. „Man geniert sich ja mittlerweile, wenn man sagt, man kommt aus Starnberg“, sagt Müller-Funk, die wie die anderen fünf Damen in Starnberg aufgewachsen ist oder zumindest seit Jahrzehnten in der Stadt lebt. Einige von ihnen wie Dorothee Koss-Gehlen haben sogar noch in der Villa Bayerlein, der „Alten Oberschule“, die Schulbank gedrückt. Zwischen 70 und 80 Jahre sind sie alt – tatenlos zusehen wollen sie nicht.

„Der Reiz von Starnberg hat bereits durch die Entfernung vieler alter Häuser, zum Beispiel in der Maximilianstraße und der Wittelsbacherstraße sehr gelitten“, schreiben sie an die Stadträte. Dadurch verliere die Stadt immer mehr ihre charakteristischen Züge „und damit die Anziehung als Lebensraum von individueller Qualität“, heißt es weiter. „Vergleicht man die Stadt Starnberg mit anderen Orten wie zum Beispiel Tutzing oder Weilheim, so schneidet ihr Erscheinungsbild bedeutend schlechter ab.“

Aktion noch nicht am Schluss

Mit der Abgabe der Unterschriftenlisten nach rund zwei Wochen Sammeln sind die sechs Damen übrigens noch nicht am Schluss. „Wir machen weiter“, sagt Anne Kirchbach, die für ihr ehrenamtliches Engagement vor Jahren mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet wurde. Und Birgit Zillich betont: „Wir geben nicht auf.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare