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Willkommen im Ruhestand: Den alkoholfreien Sekt von Schulamtsdirektorin Elisabeth Hirschnagl-Pöllmann (r.) und Personalratschefin Nicole Bannert (2.v.r.) hatten sich die scheidenden Lehrer Helga Kiauka (v.l., Grundschule Gauting), Brigitte Eberhard (Grundschule Söcking), Ursula Sämmer (Grundschule Weßling), Rosemarie Hoffmann (Mittelschule Gilching) und Udo Wiese (Mittelschule Gauting) redlich verdient.

Grund- und Mittelschulen

Lehrer pensioniert: Wehmut? Vorfreude!

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Sieben Lehrer von Grund- und Mittelschulen des Landkreises wurden in den Ruhestand verabschiedet.

Landkreis – Als alle sieben Lehrer ihr Sektglas zum Abschied in der Hand halten, unternimmt Schulamtsdirektorin Elisabeth Hirschnagl-Pöllmann einen letzten Versuch. „Sie sind begehrt – wenn jemand an einer Verlängerung interessiert ist?“ Das synchrone Kopfschütteln der Lehrer kam schneller, als wohl jemals einer ihrer Schüler eine Antwort gegeben hat.

Sieben Lehrer wurden am Montag in der Söckinger Grundschule offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Egal ob aus Gilching, Inning oder Söcking: Jeder von ihnen ist in großer Vorfreude auf seine Pensionierung. Rosemarie Hoffmann von der Gilchinger Mittelschule hätte eigentlich noch bis Februar arbeiten müssen, hat aber den vorzeitigen Ruhestand zum Schuljahresende beantragt. „Als im Frühjahr der positive Bescheid kam, habe ich mich riesig gefreut.“ Dann wusste sie: Nach 40 Jahren ist am kommenden Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien, endgültig Schluss. „Seitdem ich das weiß, bin ich viel gelassener“, sagt Hoffmann und lacht. Sie wird es aber vermissen, den Weg ihrer Schüler bis zur Abschlussklasse zu begleiten. „Und dann zu sehen, dass sich die Arbeit gelohnt hat.“ Definitiv nicht vermissen wird Hoffmann die Verwaltungsarbeit. „Für eine Klassenleitung ist die enorm.“

Das moniert nach 23 Jahren als Schulleiter auch Udo Wiese von der Paul-Hey-Mittelschule Gauting. „Alles muss verschriftlicht und evaluiert werden – zum eigentlichen Erziehen kommst du nicht mehr“, sagt er. „Dieser Aktionismus bringt die pädagogische Arbeit in den Hintergrund.“ Wehmütig wird Wiese angesichts des bevorstehenden Abschiedes nur, wenn er an die vielen Projekte denkt, die er initiiert hat und an die Kollegen, die er nun nicht mehr täglich sieht. Ansonsten betont er: „Ich habe es bis zum Schluss gerne gemacht – aber ehrlich gesagt, genieße ich meinen Ruhestand.“ Seit einem Jahr bereits ist Wiese in Altersteilzeit. „Da habe ich die Belastung erst gemerkt. Die Anforderungen sind enorm gestiegen.“ Dazu zählt er etwa die Integration von Flüchtlingen, die primär in Grund- und Mittelschulen stattfinde. Auch sei die Inklusion von Kindern mit Förderbedarf in Regelklassen eine große Herausforderung für die Lehrer. „Ich würde den Beruf wieder wählen“, sagt Wiese, „aber der Staat muss aufpassen, dass er die Schulleitungen nicht überfordert.“

39 Jahre lang war Wiese Lehrer. Seitdem hat sich viel getan – auch, was die Schüler angeht. „Ich selbst hatte noch Lehrer, die geschlagen und damit die Schülerrechte verletzt haben.“ Früher habe man auf autoritäre Erziehung gesetzt und die Meinung einzelner Schüler nicht so sehr beachtet. „Positiv, dass das heute anders ist.“ Dafür gebe es heute andere Extreme, etwa Helikopter-Eltern oder Schüler, die ihr Wohl über das der Klasse stellten.

Nun aber Ruhestand. Hoffmann bleibt weiter Leiterin des Medienzentrums, das Medien für den Unterricht aufbereitet. Damit hält sie den Kontakt zu ihren Kollegen. Wiese sagt: „Ich hatte so viele Ämter – da brauche ich erst mal nichts mehr.“ Ihn erreichen Zuschriften von Schülern, die ihn vermissen werden. „Das berührt mich sehr. Eine schönere Bestätigung könnte es nach 40 Jahren als Lehrer kaum geben.“   ser

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