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Erst reden, dann essen: Prof. Sigmund Gottlieb (4.v.l.) bewertete bei der CSU erst die politische Lage und konnte sich danach dem Fisch widmen. Für Charlotte Meyer-Bülow, Harald Schwab, Stefan Frey, Stefanie von Winning und Maurice Hilbig (v.l.) war es genau umgekehrt.

Sigmund Gottlieb bei CSU

„Koalition der Ausgelaugten“

Die CSU wird sich in Bayern bei 40 Prozent einpendeln, die SPD auf Bundesebene bei 20: Prof. Sigmund Gottlieb hat für die Parteien keine guten Nachrichten. Dieser Tage war er Gast bei der CSU Starnberg.

Starnberg – Die Betrachtung der gegenwärtig ziemlich erschütterten Parteienlandschaft hatte sich die Starnberger CSU für ihren Ascherdonnerstag vorgenommen. Als Gastreferent musste dann vor allem der langjährige Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, Prof. Sigmund Gottlieb, Standfestigkeit beweisen: Während die zahlreichen Gäste sich ihre Fastenspeisen schmecken ließen, blieb Gottlieb erst mal hungrig. Gut anderthalb Stunden lang trug er seine Erkenntnisse im Stehen vor und beantwortete noch geduldig Fragen, als die Fragesteller schon beim Nachtisch angekommen waren. Gottliebs buchstäblich nüchterne Bestandsaufnahme gliederte sich in „Wir“, „Die Politiker“ und „Die Medien“ – und so fasste der gebürtige Nürnberger („Söder ist momentan der Stärkste“) zusammen: „Wir spüren, dass sich etwas dramatisch verändert in diesem Land, bedingt auch durch die Digitalisierung; wir ahnen oder beobachten die Überforderung der Politik, und wir nehmen manchmal wahr, dass uns etwas verschwiegen wird.“

Die Erosion der einstmals „großen“ Volksparteien bereitete Gottlieb größere Sorgen, wenngleich er zur Gelassenheit riet. „Die Zeit der Alleinregierung ist vorbei, das werden auch die Bayerischen Landtagswahlen im Herbst 2018 zeigen“, so der als „einer der profundesten Kenner der politischen Landschaft in Deutschland wie in Bayern“ vorgestellte Ex-Chefredakteur, der seine journalistische Laufbahn einst beim Münchner Merkur begonnen hatte.

CSU bei im Schnitt 40 Prozent?

Gottlieb prophezeite, dass sich die CSU langfristig bei etwa 40 Prozent Zustimmung einpendeln werde, die CDU im Bund bei plus/minus 30 Prozent und die aktuell dramatisch abstürzende SPD bei gerade mal 20 Prozent. Die politische Mitte vereine noch immer „drei Viertel der Wählerschaft“ auf sich, die Ränder links und rechts nur etwas mehr als 20 Prozent. Das sei also noch kein Grund zur Hysterie, suchte er die Gemüter zu beruhigen. „Wenn die regierenden Parteien ihre Hausaufgaben vor allem in der Flüchtlingsthematik“ machten, sei ihm nicht bange, so Gottlieb, der die anstehende Große Koalition gleichwohl als eine „Koalition der Ausgelaugten“ bezeichnete. Stichwort „ausgelaugt“: Am Ende gab es auch für Gottlieb den wohlverdienten Fisch. (ty)

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