Bei der Siegerehrung musste  sich Kira Weidle die Silbermedaille coronabedingt selbst umhängen.
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Bei der Siegerehrung musste sich Kira Weidle die Silbermedaille coronabedingt selbst umhängen.

Interview mit der Vizeweltmeisterin

Ski-WM: Kira Weidle hat ihren Silber-Lauf noch gar nicht gesehen - „Handy ist völlig explodiert“

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
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Was für ein Rennen! Kira Weidle hat bei der Ski-WM Abfahrts-Silber gewonnen. Die 24-Jährige spricht im Interview über ihren Triumph.

Starnberg - Kira Weidle ist am Samstag bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo in die sportlichen Geschichtsbücher gefahren. Die Starnbergerin gewann Silber und ist nach Katja Seizinger (1996) und Maria Höfl-Riesch (2013) die erste Rennläuferin, die eine Abfahrtsmedaille für den Deutschen Ski-Verband holte, seitdem es eigene WM-Rennen gibt. Entsprechend groß ist seit dem Wochenende der Medienrummel um die 24-Jährige. Wir sprachen mit ihr am Montagnachmittag.

Glückwunsch zu Ihrer Silbermedaille. Haben Sie das jetzt, zwei Tage nach dem Rennen, schon realisiert?

Ich glaube, noch nicht ganz. Das wird wohl noch ein, zwei Tage dauern. Aber so langsam kommt das schon. Der Trubel seit Samstag ist schon enorm, ein Termin jagt den nächsten. Als ich am Sonntagnachmittag heimgekommen bin, habe ich nur meine Tasche in die Ecke geworfen und sie noch gar nicht ausgepackt. Ich hatte bislang auch noch nicht einmal Zeit, mir meinen Lauf anzuschauen.

Der Medienrummel ist so groß nach Ihrem Erfolg?

Ja, das ist schon Wahnsinn. Aber zum Glück verteilt sich das ja ganz gut, weil die Jungs auch mitgemacht haben (Anm. d. Red.: Romed Baumann holte am Freitag Silber für Deutschland im Super-G, und Andreas Sander am Sonntag ebenfalls Silber in der Abfahrt).

Schon im Ziel war Kira Weidle klar, dass ihr eine starke Abfahrt gelungen war. Dass es für eine Medaille reichen würde, wollte sie erst wahrhaben, als die letzte Läuferin ihr Rennen beendet hatte.

Wie viele Interviews mussten Sie denn seit Ihrer Silberfahrt geben?

Oh, keine Ahnung, aber so um die 50 waren es bis jetzt wahrscheinlich. Und dann wurde ich am Sonntagabend zu Blickpunkt Sport (Anm. d. Red.: Kult-Sportsendung im Bayerischen Rundfunk) eingeladen. Davor war ich beim Südwestrundfunk, und jetzt habe ich gleich einen Zoom-Call mit München TV.

Apropos SWR. Seit dem Wochenende wird heiß diskutiert, ob Sie Stuttgarterin oder Starnbergerin sind, weil im Fernsehen häufig nur von der gebürtigen Stuttgarterin gesprochen wurde, die jetzt für den Ski-Club Starnberg startet. Stört Sie das?

Ach mein Gott, ich bin nun mal in Stuttgart geboren. Jeder will halt etwas von dem Kuchen abhaben. Aber das habe ich auch bei Blickpunkt Sport gesagt: Ich bin in Starnberg aufgewachsen, und mein Herz ist zu hundert Prozent in Starnberg.

Ihr Smartphone stand vermutlich auch nicht still. Wie viele SMS und Whatsapp-Nachrichten haben Sie denn erhalten?

Mein Handy ist völlig explodiert. Das konnte ich gar nicht zählen, wie viele Leute mir gratuliert haben. Auf meinem Instagram-Account ging es gleich nach dem Rennen voll ab. Da habe ich dann noch ganz schnell einen Post rausgehauen, damit die Leute in den Kommentaren gratulieren können. Auf Whatsapp dagegen hielt sich das noch einigermaßen in Grenzen, denn meine Nummer gebe ich nur ganz sparsam raus. Trotzdem habe ich es erst heute morgen geschafft, mich bei jedem kurz zu bedanken.

Ich bin in Starnberg aufgewachsen, und mein Herz ist zu hundert Prozent in Starnberg.

Kira Weidle zur Tatsache, dass viele Medien sie als Stuttgarterin bezeichnen

Als Sie am Samstag mit Startnummer elf über die Ziellinie fuhren, haben Sie sofort die Faust gereckt. War Ihnen da schon bewusst, dass es zu einer Medaille reichen könnte?

Das nicht, aber ich habe gleich gemerkt, dass das ein guter Lauf von mir war, ich war einfach mit meiner Fahrt zufrieden. Und meine Betreuer hatten mir oben am Start gesagt, dass Corinne (Anm. d. Red.: Goldmedaillengewinnerin Corinne Suter aus der Schweiz) ein Traumlauf gelungen war. Als ich dann sah, dass ich nur zwei Zehntel hinter ihr war, wusste ich, meine Fahrt war okay. Aber ich habe bis zum Schluss gezittert.

Bei der Siegerehrung mussten Sie sich Ihre Medaille coronabedingt selbst umhängen, und Fans waren auch keine da. Wie hat sich das angefühlt?

Das war schon etwas komisch. Normalerweise sind ja auch immer meine Eltern live dabei. Und wenn man seine erste Medaille bei einem Großereignis gewinnt und dann keine Zuschauer dabei sind, ist das schon schade. Aber es waren zumindest viele Betreuerteams bei der Siegerehrung, die haben gut Stimmung gemacht.

Sie haben im Fernsehen gesagt, nächstes Jahr bei den Olympischen Winterspielen in Peking könnte es noch ein Treppchen weiter hochgehen. Ihr Selbstbewusstsein scheint nach Ihrer WM-Silbermedaille noch weiter gewachsen zu sein.

Ja klar, ich habe schon nach meinen dritten Plätzen im Weltcup gesagt, dass es mein Ziel ist, einmal ganz oben zu stehen. Man hat ja jetzt in Cortina gesehen, wie schnell das bei einem Großereignis gehen kann.

Machen Sie sich damit nicht zu viel Druck?

Nein, das ist eher Vorfreude. Der Druck ist durch den Gewinn der Silbermedaille erst einmal abgefallen.

Und wann ist mit Ihrem ersten Weltcupsieg zu rechnen?

Dieses Ziel steht noch aus. Ich denke, mein Selbstvertrauen ist gut, ich bin auf dem richtigen Weg.

Vielleicht klappt es ja noch in dieser Saison, zwei Speedwochenenden finden in diesem Winter noch statt.

Ja, Ende Februar noch zwei Abfahrten und ein Super-G in Val di Fassa. Und Italien liegt mir offenbar sehr gut (lacht). Und dann noch das Weltcup-Finale Mitte März in Lenzerheide in der Schweiz.

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