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Schadstoffe innerhalb der Grenzwerte: An Haupt- (Bild) und Hanfelder Straße werden beim Feinstaub tageweise Überschreitungen gemessen, alllerdings innerhalb des Zulässigen.

Luftschadstoff-Messung

So dick ist die Luft in Starnberg wirklich

Die Luft in Starnberg ist sauberer als viele denken: Bei den Messungen an Haupt- und Hanfelder Straße gab es zwar Überschreitungen der Tagesgrenzwerte, jedoch innerhalb der pro Jahr erlaubten Menge. Aussagekräftig sind die Messwerte aber erst im Herbst.

Starnberg – Die Grenzwerte für Luftschadstoffe werden in Starnberg nur punktuell überschritten. Das hat die erste genauere Auswertung nach acht Monaten Messung an Haupt- und Hanfelder Straße ergeben. Die Werte sind besser als bei einer Messung vor elf Jahren, allerdings nach Einschätzung von Experten noch nicht sehr aussagekräftig – der Sommer fehlt noch. Bei der Interpretation gehen die Ansichten auseinander.

Dr. Wolfgang Henry vom Greifenberger Unternehmen Accon legte dem Umweltausschuss des Stadtrates den Zwischenbericht am Dienstagabend vor. Gemessen werden die Stickoxid-Arten NO und Stickstoffdioxid (NO2), die landläufig zusammen als NOX bezeichnet werden, die Feinstaubarten PM10 und die feinere PM2,5 sowie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Letztere beiden Werte sind durchaus relevant, denn: „Die Meteorologie hat ganz starken Einfluss“, erklärte Henry. Die beiden Stationen stehen direkt neben den viel befahrenen Straßen, weswegen die Ergebnisse stark vom Verkehr geprägt seien – das war auch Ziel der Messungen, nämlich die Belastungen vor allem durch den Verkehr zu ermitteln. Der Standort an der Hauptstraße sei für die Messungen nicht ideal, aber nicht anders möglich gewesen.

Henry hatte die Werte für acht Monate ausgewertet, von Oktober 2017 bis Mai 2018. Bei Stickstoffdioxid werden die Grenzwerte nicht erreicht, die es sowohl für eine Stunde gibt als auch für den Jahresdurchschnitt. Pro Stunde dürfen es 200 Mikrogramm je Kubikmeter Luft sein, im Jahresmittel nicht mehr als 40. An der Hauptstraße liegen die Stundenwerte bei um die 80 Mikrogramm, also deutlich unter dem Grenzwert von 200. Die Werte an der Hanfelder Straße sind ganz ähnlich. Als Acht-Monate-Mittelwert ergaben sich 26 bzw 21 Mikrogramm – die Grenze liegt bei 40.

Etwas anders sieht es beim Feinstaub aus. Für PM10 gibt es einen Tagesgrenzwert von 50 und einen Jahresmittelwert von 40 als Grenze. An beiden Messstationen, erklärte Henry, seien die Tagesgrenzwerte „erreicht und überschritten“ worden. An der Hauptstraße war dies an 13 Tagen der Fall gewesen, der höchste Tageswert lag bei 90,7 Mikrogramm. Der Durchschnitt für acht Monate liegt bei 16. An der Hanfelder Straße gab es an sechs Tagen eine Überschreitung bis maximal 68,2, der Mittelwert liegt bei 21. Beide Ergebnisse bewegen sich innerhalb der erlaubten Grenzen, denn nach den gesetzlichen Vorgaben darf an 35 Tagen im Jahr der Tagesgrenzwert überschritten werden. „Die Kurzzeitwerte werden bisher eingehalten“, stellte Henry daher fest. Beim Feinstaub PM2,5 gibt es nur einen Jahresmittel-Grenzwert von 25; an der Hauptstraße sind es bisher 13, an der Hanfelder Straße 11 Mikrogramm.

Acht Monate sind zu wenig für sichere Aussagen

Henry betonte, dass die Daten für belastbare Aussagen noch nicht ausreichten – ein Jahr müsse man schon messen. Das Wetter spielt nämlich eine entscheidende Rolle, wie sich auch während der Sitzung zeigte: Es regnete wie aus Eimern, was die Feinstaubwerte auf extrem niedrige Werte drückte – sie wurden aus der Luft gewaschen. Anders im Februar, als es lange Minusgrade hatte und trocken war, zudem die Straßen gesalzt wurden. Die Feinstaubwerte in dieser Zeit lagen deutlich höher.

Die Schadstoffbelastung werde auch durch Gebäude beeinflusst, erklärte der Experte. Eine dichte Bebauung an Straßen bremse den Luftaustausch, eine lockere Bebauung erleichtere die Durchlüftung. Die Stadt habe zudem vor der Haustür eine 48 Quadratkilometer große freie Fläche, die die Durchlüftung verbessere – den See.

Dr. Klaus Rieskamp (Parteifreie) las aus den Zahlen heraus, dass der Autoverkehr nicht das Hauptproblem sei. Die Werte seien besser als bei Messungen im Jahr 2007, als die Grenzwerte deutlich überschritten worden seien. Heute seien die Messwerte so niedrig, dass „man sich vom Feindbild Auto etwas verabschieden muss“ und offenbar Heizungen eine wichtige Rolle spielten. Henry teilt diese Einschätzung nicht: Die Positionierung der Messstationen wenige Meter von den Straßen ergeben Werte, die „kfz-indiziert“ seien. Und: Nachts gingen die Werte rapide zurück, weil kaum Verkehr herrsche. Dass die Belastung gesunken sei, stimme – Grund seien vor allem schärfere Abgasnormen für Pkw, wie etwa Euro 6.

Straßen künftig nass reinigen?

Franz Heidinger (BLS) kommentierte die Ergebnisse nicht, will aber die auf zwei Jahre angelegte Messung auf ein Jahr verkürzen, weil das zweite Jahr kaum andere Ergebnisse bringen werde. Iris Ziebart (FDP) hingegen stellte gleich einen praktischen Antrag: Im Sommer solle man ab und an die Straßen nass reinigen, um in Trockenphasen die Staubbelastung zu senken. Abgestimmt wurde über beide Vorstöße noch nicht.

Im Herbst, wenn ein Messjahr voll ist, soll dem Ausschuss wieder Bericht erstattet werden. Dass sich in den nächsten vier Monaten die Gesamtlage dramatisch verschlechtert, ist weniger zu erwarten. Die Grundbelastung der Luft ist in den Sommermonaten geringer, weil nicht geheizt wird.

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