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Bauen für Millionen: Auf dem früheren Grill-Areal am Hauptplatz in Gauting entstehen derzeit nicht nur ein Bio-Vollsortimenter und Praxisrä ume, sondern auch 16 Wohnungen.

Immobilienmarkt

So viele Wohnungen fehlen im Landkreis

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Das Institut der deutschen Wirtschaft hat gestern eine Studie veröffentlicht, die Bautätigkeit und Baubedarf gegenüberstellt. Das Ergebnis für den Landkreis Starnberg ist zum Teil verheerend.

Landkreis – „Es kann so nicht weitergehen, dass wir keine Lehrlinge und junge Gesellen mehr bekommen, weil bezahlbare Wohnungen fehlen.“ Sagt Kreishandwerksmeister Anton Lidl.

„Zwei- bis Dreizimmerwohnungen fehlen komplett. Es ist unverzichtbar, dass der Landkreis und die Gemeinden in dem Bereich mehr ausweisen und genehmigen.“ Sagt Christoph Winkelkötter, der Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg.

„Kleine Einheiten gibt es viel zu wenig. Was wir offerieren können, ist relativ schnell weg.“ Sagt Florian Raffelt, Geschäftsführender Gesellschafter von Starnberger See Immobilien.

Drei Aussagen, drei Blickwinkel, ein (bekanntes) Problem – und für das gibt es jetzt Schwarz auf Weiß den Beleg: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat gestern eine Studie zu Bautätigkeit und Baubedarf vorgelegt. Demnach gab es im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 im Landkreis Starnberg einen Bedarf an 550 neuen Wohnungen – erstellt wurden in den vier Jahren aber nur 422 Einheiten. Konnte der Wunsch nach Einzimmerapartments und großen Wohnungen mit fünf Zimmern noch deutlich übererfüllt werden, so ist die Bilanz bei Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen verheerend.

Einem Bedarf von 358 zusätzlichen Wohnungen stehen in diesem Segment lediglich 148 neue Einheiten gegenüber. Der Baubedarf ist in dem Bereich gerade mal zu rund 40 Prozent gedeckt. Ein Mangel, der sich im zurückliegenden Jahr, das nicht mehr ausgewertet wurde, weiter vergrößert haben dürfte.

Problem bekannt, Lösung gesucht

„Das sind die Wohnungen, die am meisten gesucht werden“, sagt Wirtschaftsförderer Winkelkötter. Immerhin: Die meisten Kommunen im Landkreis hätten das Problem erkannt. So will die Stadt Starnberg beispielsweise einen Teil ihres Einheimischenmodells am Wiesengrund im Geschosswohnungsbau errichten. Auch in Gilching sind weitere Wohnungen geplant. Der Verband Wohnen überlegt sogar, bei drei Projekten in Gauting, Inning und Pöcking die Standards zu senken, um Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge und einkommensschwache Landkreis-Bürger zu schaffen.

Allerdings ist nicht nur Winkelkötter klar: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Umso mehr appelliert er an die Politik und die Bauverwaltungen, auch über innerörtliche Verdichtungen nachzudenken – wohl wissend, dass es im Landkreis keine großen Wohnsiedlungen geben wird. „Wir werden den Bedarf vermutlich nie decken können“, sagt er. Umso wichtiger sei es, Arbeitnehmern andere Möglichkeiten zu bieten, um an Arbeitsplätze im Fünfseenland zu kommen. Expressbuslinien wie die X900, die Gilching mit Starnberg verbindet, oder die geplante X910 von Großhadern nach Weßling nennt Winkelkötter als Beispiele für diesen „Plan B“.

Der enorme Wohnungsmangel in den Ballungszentren hat eine logische Folge: „Eine scharfe Preiskorrektur ist unwahrscheinlich“, schreiben die IW-Forscher. „Selbst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, die Zinsen wieder leicht steigen und die Wanderung in die Städte nachlässt, bleibt Wohnraum knapp.“ Schon der jüngste Marktbericht von Starnberger See Immobilien hatte gezeigt, dass Neuvermietungen im Landkreis unter zehn Euro pro Quadratmeter kaum mehr vorkommen (wir berichteten). Von einem „Leerstand auf dem Land“, den das IW in weiten Teilen Deutschlands ausgemacht hat, ist das Fünfseenland weit entfernt.

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