+
Wunderschön ist der Bahnhof in Feldafing – barrierefreiheit und Takt lassen aber zu wünschen übrig.

ÖPNV

Sind wir S-Bahn-Kunden zweiter Klasse?

  • schließen

Derzeit wird gerade über eine Reform der MVV-Tarife beraten. In diesem Zusammenhang wurde aber auch Kritik laut. Sind die Bewohner der Gemeinden am Ende der S-Bahn-Linien Kunden zweiter Klasse?

Landkreis Starnberg – Irgendwann platzte Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim der Kragen: „Wenn wir ohnehin über eine Tarifreform im MVV reden, wie wäre es dann, wenn wir da gleich einen Landtarif einarbeiten?“ fragte er im Kreisausschuss.

Warum? „Wir Feldafinger bezahlen die teuersten Tarife, wenn wir nach München wollen. Und bekommen dafür die schlechtesten Leistungen“, so Sontheim. Bis heute gebe es keinen verlässlichen 20-Minuten-Takt bei der S 6 in Feldafing. Auch ein behindertengerechter Zugang zu den Bahnsteigen sei nicht möglich. Daher: „Es wäre nur gerecht, dass die Feldafinger nur die Hälfte von dem bezahlen, was Münchner berappen müssen, bei denen alle fünf Minuten eine Bahn fährt.“

Sein Vorstoß wurde natürlich umgehend abgebügelt. Die Kreisverwaltung verwies auf das „Positionspapier der Verbundlandkreise im MVV“, das vor einigen Wochen auch von Landrat Karl Roth unterzeichnet worden war. Im Kern geht es in dem Papier darum, dass der mittlerweile beschlossene Ausbau der zweiten Stammstrecke in München natürlich von großer Bedeutung ist, darüber aber nicht die vielen kleinen Vorhaben im Umland vergessen werden dürfen.

Was sind die Ziele?

Konkret sehen die Landkreise folgende Handlungsfelder, in denen sich schnell etwas tun sollte:

-Die Pünktlichkeit und Kommunikation im Regel- und vor allem im Störfall.

-Die Fahrzeugverfügbarkeit und der so genannte Behängungsgrad der Bahnen.

-Die Ausstattung der S-Bahn-Stationen mit besonderem Blick auf die Modernisierung und Barrierefreiheit der Bahnhöfe und Bahnsteige entlang der Strecke.

-Die Schienen-Infrastruktur. Hier soll vor allem Wert auf die durchgehende Zweigleisigkeit, die Beseitigung von Mischbetrieb und ein Gesamtkonzept für die Weiterentwicklung gelegt werden.

-Die Tarife und der Fahrkartenvertrieb sollen verständlicher gestaltet und erleichtert werden.

-Die Koordination und Kommunikation zwischen den beteiligten Verkehrsunternehmen und den Aufgabenträgerorganisationen soll verbessert werden.

Was soll sich konkret verändern?

Ein Lastenheft, das es in sich hat. Und die Landkreise legen in ihrem Positionspapier, das im Prinzip ein großer Wunschzettel ist, noch nach. In den Anlagen des Papiers findet sich eine genaue Aufstellung, was sich ändern muss. Bei den erforderlichen Baumaßnahmen taucht auch der vollständig barrierefreie Ausbau der S6-Stationen Starnberg See und Feldafing auf. Mehr zu tun gibt es laut dem Papier an der S 8 im Landkreis. Hier wird die Streckenertüchtigung und der Bau weiterer S-Bahn-Gleise von Steinebach nach Hechendorf gefordert. Des Weiteren soll ein niveaufreier Abzweig des Westkreuzes sowie der Bau eines Wendegleises in Weßling zur Verbesserung der Betriebsqualität beitragen. Die Stationen Gilching-Argelsried, Weßling, Neugilching, Hechendorf, Steinebach und Geisenbrunn sollen barrierefrei ausgebaut werden. Mittel- bis langfristig soll zudem die Einrichung eines neuen Haltepunktes Weichselbaum geprüft werden und der höhengleiche Bahnübergang auf der Rieder Straße in Herrsching soll beseitigt werden.

S8 soll endlich zuverlässiger werden

An organisatorischen Verbesserungen wird der durchgehende 20-Minuten-Takt auf der S 6 bis zur Endstation in Tutzing gefordert. Außerdem soll der 10-Minuten-Takt bis zur tariflichen Schnittstelle XXL in Starnberg verlängert werden, heißt es im Positionspapier. Auf der S 8 soll ebenfalls bis zur Endstation in Herrsching im 20-Minuten-Takt gefahren werden, der 10-Minuten-Takt bis Weßling verlängert werden. Außerdem wird explizit darauf hingewiesen, dass „die fahrplanmäßige Stabilität der S 8“ verbessert werden soll. Das alles soll stufenweise umgesetzt werden, heißt es weiter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bahnvertrag: Jetzt geht’s in die Schlichtung
Eine millionenschwere Schadenersatzklage der Deutschen Bahn gegen die Stadt Starnberg wegen des auslaufenden Bahnvertrags ist vorerst vom Tisch. Der Stadtrat hat sich am …
Bahnvertrag: Jetzt geht’s in die Schlichtung
Kommentar: Der blanke Zynismus
Ein Dankeschön an all die fleißigen Paketdienstler, die derzeit im Dauerstress sind.
Kommentar: Der blanke Zynismus
Ganz miese Masche: Betrüger macht Starnberger Geschäfte unsicher
Gleich mehrere Ladenbesitzer aus Starnberg warnten gestern vor einem mutmaßlichen Betrüger, der versucht, mit einer neuen Masche Geld zu machen.
Ganz miese Masche: Betrüger macht Starnberger Geschäfte unsicher
FOS-Vertrag unter Dach und Fach
Der Grundstücksvertrag für den Neubau der Fachoberschule (FOS) in Starnberg ist in trockenen Tüchern. Wie Bürgermeisterin Eva John gestern mitteilte, hat der Stadtrat am …
FOS-Vertrag unter Dach und Fach

Kommentare