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Zurück in die Erfolgsspur schoss Wolfgang Beischmidt die SpVgg Starnberg gegen den TSV Vestenbergsgreuth. Zuvor hatte es zwei hohe Pleiten gesetzt.

Lokale Fußball-Historie

Der Sommer 1989: Als die Bayern-Amateure Starnberg zerlegten

Der August 1989 war der bis dahin aufregendste und sportlich spannendste Monat in der Geschichte der SpVgg Starnberg. Der Aufsteiger war vor 30 Jahren zunächst furios in die Bayernliga gestartet - doch dann kam die erste Krise. 

Starnberg – Nach drei Spielen in der dritthöchsten deutschen Liga hatte die SpVgg Starnberg in der Saison 1989/90 noch keine Niederlage zu verzeichnen, mit 4:2 Punkten lagen sie auf Tabellenplatz sechs – bis Mitte des Monats lief der August perfekt für die Truppe von Trainer Gerd Ritzer. Doch es folgte der große Einbruch, von dem sich die Mannschaft erst am 29. August mit einem Überraschungserfolg wieder erholte.

Aber der Reihe nach. Zunächst erwies sich die Hürde SpVgg Plattling als viel zu hoch für den Aufsteiger. Mit 1:4 kassierte die SpVgg am 16. August die erste Niederlage ihrer Bayernliga-Geschichte – und das ganz unglücklich: Ein Eigentor des inzwischen verstorbenen Vorstoppers Andi Schmidt leitete die Pleite ein. Peter Weiser gelang zwar der Ehrentreffer, doch der kam zu spät. Zu allem Überfluss zog sich Neuzugang Michal Karl an seinem 25. Geburtstag kurz vor Schluss auch noch einen Bänderriss zu – mehrere Wochen Pause. Ritzer war bedient: „Wir hatten Chancen, um mehrere Spiele zu gewinnen. Doch unser Sturm hat mich heute enttäuscht – das betrifft sowohl Weiser als auch Andi Woller und Horst Schlerf.“

„Lachnummer der Bayernliga“: So stand es in der Zeitung

Eine harte Bauchlandung in Plattling, aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Nur drei Tage später kamen die Starnberger im Münchener Dantestadion gegen die Amateure des FC Bayern, die vor dem Spiel noch Tabellenletzter gewesen waren, gleich mit 0:6 unter die Räder. „Fußball zum Abgewöhnen. So wird die SpVgg zur Lachnummer der Bayernliga“, lautete die Schlagzeile im Starnberger Merkur. Torwart Andi Wollinger gab zu: „Wir waren nur Schießbudenfiguren.“ Die Verantwortlichen tobten. „Schlechter kann auch eine Betriebsmannschaft nicht spielen. Da hat keiner gekämpft, da hat sich keiner gegen die Niederlage aufgebäumt – die sind rumgelaufen wie meine 89-jährige Oma“, sagte Manager Frank Fleschenberg. „Jetzt werden wir die Spieler am Geldbeutel packen.“ Coach Ritzer erkannte: „Der gute Auftakt in Weiden und Hof war doch nur Augenwischerei. Man sieht, dass wir noch viel lernen müssen. Für uns hat jetzt der Kampf um den Klassenerhalt begonnen.“

Heute erinnert sich der Trainer: „Mit dieser Aussage wollte ich die Mannschaft aufrütteln.“ Was ihm offenbar auch gelang. Im letzten August-Spiel 1989 feierten die Seelöwen den ersten Heimsieg in der Bayernliga, ließen dem TSV Vestenbergsgreuth (heute Zweitligist Greuther Fürth) beim 2:0 keine Chance. Nach dem 1:0, dem ersten Tor des starken Wolfgang Beischmidt im SpVgg-Dress, machte Torjäger Weiser kurz vor Schluss alles klar. Vergessen die harten Worte nach dem Bayern-Debakel. „Besser können wir doch gar nicht mehr spielen, besser hätten wir uns nicht rehabilitieren können“, befand Ritzer. „Dieser Sieg freut mich für die Mannschaft, die zuletzt so miserabel gespielt hat.“ Und auch Manager Fleschenberg fand wieder versöhnliche Worte: „Das war doch ein super Bayernligaspiel.“

Thomas Ernstberger


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