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Am Donnerstag, 8. März, wird weltweit der Internationale Frauentag begangen.

Internationaler Frauentag

Bei der Spülmaschine fängt es an

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Seit 30 Jahren engagiert sich Sophie von Wiedersperg (63) im Landratsamt für die Gleichstellung. Zum Internationalen Frauentag an diesem Donnerstag, 8. März, spricht die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte über das Ausräumen der Spülmaschine, festgesetzte Rollenbilder und darüber, warum Frauen durchschnittlich weniger Geld verdienen als Männer.

-Ist der 1. Juli für Sie heuer ein Feiertag? Es gibt ein 60-jähriges Jubiläum.

Wurde da die Gleichberechtigung ins Grundgesetz aufgenommen? Ich habe eher 1948, 1949 im Kopf.

-Es hatte sich hingezogen. Unter anderem hatten die Kirchen etwas gegen die Gleichstellung.

(lacht). Für mich fängt es sowieso früher an. Wir feiern heuer 100 Jahre Frauenwahlrecht. Die Männer haben früher meist für ihre verheirateten Frauen mitgewählt, seit 1918 wählen die Frauen selbst. Das war ein wichtiger Schritt, um langsam eine Stimme in der Politik zu bekommen. Da tun wir uns heute noch schwer.

-Die CDU hat ihre Ministerposten paritätisch besetzt, die SPD dürfte nachziehen.

Es ist heute keine Frage der sogenannten Quoten-Frauen mehr. Politikerinnen werden nicht notgedrungen nach vorne geschoben, obwohl sie gar nicht qualifiziert für den Job sind. Sie sind gleichwertig und sollten selbstverständlich ähnlich viele Minister-Posten bekommen wie die Männer.

-Wie ist das bei Ihnen im Landratsamt?

Wir hatten 2001 in der gesamten Belegschaft 57 Prozent Frauen, in den Führungspositionen aber nur ein Drittel. Mittlerweile haben wir zwei Drittel Frauen in der gesamten Belegschaft, in der Führung sind wir pari. Das ist ein gewaltiger Schritt.

Sophie von Wiedersperg ist Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt. foto: jaksch

-Welche Aufgabe übernehmen Sie dabei?

Ich bin bei Bewerbungsverfahren für Führungskräfte im Landratsamt dabei. Ich stelle sicher, dass Frauen gleichberechtigt beurteilt werden. Dazu gehört natürlich, dass Qualität und Qualifizierung bei der Auswahl ausschlaggebend sind.

-Gelingt das immer?

Ich habe noch kein einziges Verfahren erlebt, bei dem ich großartig kämpfen musste. Im Laufe der Jahre konnte ich einige Frauen ermutigen, in Führungspositionen zu gehen.

-Beim Gehalt klafft eine große Lücke. Es heißt, Frauen verdienen ein Fünftel weniger als Männer.

Sobald es um Geld geht, wird es sehr männerbetont. Wir Frauen haben es verpasst, so etwas wie Vereinsstammtische aufzubauen. Frauen haben sich eher in Schulen oder Kindergärten getroffen – da fehlen dann berufliche Netzwerke. Mittlerweile gibt es Unternehmerinnenstammtische und Frauennetzwerke.

-Was können wir als Gesellschaft machen?

Sich mit Humor eine ehrliche Rückmeldung geben, wenn man über eine nette kleine Geschlechterhürde stolpert. Wir erwischen uns doch täglich dabei, auch bei mir in der Arbeit. In der Gemeinschaftsküche werden Männer gelobt, wenn sie die Spülmaschine ausräumen – bei Frauen ist das selbstverständlich. Kinder hören immer wieder, dass es zum Herrn Doktor geht. Also haben sie das Bild, dass der Doktor ein Mann ist.

-Da gibt es auch den Witz mit der Salzstreuerin.

Auf diese Ebene möchte ich nicht. Ich bin aber Sozialpädagogin und kein Sozialpädagoge. Im Landratsamt heißt es zu häufig noch ,die Mitarbeiter‘ – damit werden Mitarbeiterinnen sprachlich ausgeschlossen.

-Vor dem Gleichberechtigungsgesetz musste die Frau ihren Mann fragen, ob sie arbeiten darf – heute schwer vorstellbar?

Sobald die Frau geheiratet hatte, hat sie früher ihren Namen und ihre Rechte an den Mann abgegeben. Bis 1972 hat sie seine Unterschrift für den Arbeitsvertrag gebraucht. Das können sich viele junge Frauen heute nicht vorstellen.

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