Blick Richtung Bayerischer Hof: Regine Randlkofer sieht das historische Gebäude von ihrem Balkon aus. Sie wohnt selbst in einem – der Villa Harffen, die einst der Familie des Fürsten Philipp zu Eulenburg gehörte.
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Blick Richtung Bayerischer Hof: Regine Randlkofer sieht das historische Gebäude von ihrem Balkon aus. Sie wohnt selbst in einem – der Villa Harffen, die einst der Familie des Fürsten Philipp zu Eulenburg gehörte.

Historisches Haus droht der Abriss

Sorge um den „Bayerischen Hof“: Bürger schreiben Brief an Starnbergs Bürgermeister

Der „Bayerische Hof“ und dessen möglicher Abriss treiben die Bürger um. 13 von ihnen äußern ihre Sorge um Starnbergs Gedächtnis und Charakter nun in einem Brief an Bürgermeister und Stadtrat.

Starnberg – Erst die große Solidarität nach dem Aus für die „Griechische Taverna“, dann die vielen Leserbriefe und Parteien wie Grüne oder FDP, die sich öffentlichkeitswirksam positionieren: Der „Bayerische Hof“, um 1865 erbaut und Ende 2020 wegen Einsturzgefahr geschlossen, ist längst Stadtgespräch in Starnberg. Und für viele Bürger ist er das Thema Nummer eins. Nun haben sich 13 von ihnen mit einem Brief an Bürgermeister Patrick Janik und die Stadträte gewandt – weil sie befürchten, dass Starnberg demnächst ein Stück Geschichte genommen werden könnte.

„Es besteht die reale Gefahr, dass dieses Schmuckstück unserer Stadt abgerissen und durch einen modernen Glas- und Betonklotz ersetzt wird“, schreibt die Gruppe. Die Unterzeichner des Briefs sehen Starnberg zu einem „seelenlosen Durchgangsort zwischen München und den Alpen“ verkommen. „Eine wohlhabende Stadt wie Starnberg wird hoffentlich ausreichend Mittel zur Verfügung stellen können, um ihr Gedächtnis und ihren Charakter erhalten zu können“, heißt es in dem Schreiben.

Mit auf den Weg gebracht hat es Regine Randlkofer. Sie betont: „Ich hätte locker noch mehr Unterschriften sammeln können.“ Randlkofer wohnt seit 2002 in der Villa Harffen an der Theresienstraße, die wie der Bayerische Hof denkmalgeschützt ist. Ein 1892 errichteter gelber Mansarddachbau im Neurenaissance-Stil. Laut Randlkofer gehörte das Haus der Familie des Fürsten Philipp zu Eulenburg, der in der deutschen Botschaft in Paris tätig war. Während des Zweiten Weltkriegs waren Flüchtlinge in der Villa untergebracht, danach kaufte sie Randlkofers Großmutter. Heute können Urlauber sich in einzelne Räume einmieten.

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Als jemand, der selbst in einem geschichtsträchtigen Gebäude lebt, versteht Randlkofer umso weniger, wie es mit dem Bayerischen Hof so weit kommen konnte. „Man hätte sich schon vor 30 Jahren um eine Sanierung kümmern müssen“, sagt sie. Auch wenn die Entscheidung und die abschließende fachliche Beurteilung noch aussteht: Eine Sanierung des alten, maroden und statisch labilen Gebäudes halten viele vom Baufach weder technisch noch finanziell sinnvoll. Bürgermeister Janik hatte nach einer Statik-Prüfung eingeräumt, dass ein Abriss wahrscheinlicher sei als eine Restaurierung.

„Viele meiner Gäste waren immer von der Atmosphäre der Stadt begeistert“, sagt Randlkofer. „Die ist aber irgendwann unwiederbringlich. Auch wenn eine Sanierung vermutlich teurer wäre: Man darf nicht immer nur ans Geld denken, sondern auch mal an das Stadtbild.“ Um das machen sich die Starnbergerin und ihre Mitstreiter generell Sorgen. Mieten seien zu hoch, immer mehr Läden und Lokale würden schließen. Eine Ansiedlung eines „Riesenhotels“ oder von Boutiquen – ein Reizwort für Randlkofer – würde ihnen unten am Bahnhof nicht gefallen. Eher schon „ein kleineres Hotel im Stil wie bisher“. Wenn Randlkofer über ihre Heimatstadt spricht, entschuldigt sie sich dafür, dass sie schnell von einem zum anderen kommt. „Aber mir geht so viel durch den Kopf“, sagt sie. Es werden nicht die letzten Ideen zum Stadtgespräch Nummer eins sein.

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