+
Einige Wildschweine im Kreis sind weiter radioaktiv belastet.

Untersuchungen

Spätfolgen von Tschernobyl: Jedes zwölfte Wildschwein belastet

Nach dem Rekordergebnis bei der Schwarzwildjagd im vergangenen Jagdjahr stellt sich die Frage, was mit den erlegten Wildschweinen geschieht. Die meisten landen in Pfannen und auf Grills, etwa jedes zwölfte Wildschwein jedoch ist für den Verzehr ungeeignet und wird entsorgt. Grund: radioaktive Belastung nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor mehr als 34 Jahren.

Landkreis – Dass Wildschweine radioaktiv belastet sind, ist keine Neuigkeit. Seitdem die Wolke aus Tschernobyl vor 34 Jahren über Westeuropa zog und radioaktiver Niederschlag (Fallout) auch auf den Landkreis niederging, werden bei Wildschweinen, aber auch bei Pilzen erhöhte Werte festgestellt. Es handelt sich insbesondere um Radiocäsium (Cäsium 137), das eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat, also nach 30 Jahren nur noch halb so stark strahlt wie zu Beginn. Die inzwischen noch vorhandene Belastung reicht aber aus, um etwa 100 der rund 1200 geschossenen Wildschweine zum Fall für die Tierkörperverwertung zu machen. Die exakte Zahl kennt aber niemand, da nicht alle im Landkreis erlegten Wildschweine auch im Landkreis untersucht und verwertet werden. Sicher ist für die Jäger nur: „Kein belastetes Fleisch kommt in den Handel“, sagt Markus Ortner, zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe im Bayerischen Landesjagdverband.

Vorhersehbar ist es nicht, ob ein Wildschwein strahlt oder nicht. Es gibt immer wieder Fälle, in denen zwei Tiere aus einer Rotte herausgeschossen werden, weiß Jäger-Vorsitzender Hartwig Görtler – eines ist kaum belastet, das andere sehr stark. Es gibt regionale wie auch zeitliche Unterschiede. Eher belastet sind Tiere, die zwischen September und Dezember geschossen werden, im Frühjahr hingegen gibt es kaum Fälle. Die Jäger führen das auf die Ernährung der Wildschweine zurück, die in dieser Zeit mehr im Boden wühlen. Regional gibt es Unterschiede, die sich mit Karten des damaligen Fallouts decken: mehr im Westen und Norden des Landkreises, weniger im Osten und Süden.

Jedes erlegte Wildschwein wird auf Strahlung untersucht

Jedes erlegte Wildschwein wird auf Strahlung untersucht, etwa jedes sechste ist belastet; circa 100 so sehr, dass sie entsorgt werden müssen. Die Grenzwerte seien mit 600 Becquerel je Kilogramm in Deutschland im internationalen Vergleich streng, erklärt Görtler. Wegen der strengen Kontrollen könne man Wild gefahrlos kaufen und verzehren, betont er – es sei ein nachhaltiges, regionales Produkt. Und zu 100 Prozent überprüft, sagt Ortner. Die Jäger dürfen Fleisch erlegter Tiere in ihrem Umfeld abgeben. Wildschweinfleisch aus dem Großhandel, aus Metzgereien oder der Gastronomie wird vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stichprobenhaft geprüft – Grenzwertüberschreitungen sind extrem selten.

Die Wildschweine werden auch auf Trichinen untersucht. Die Parasiten können dem Menschen gefährlich werden. Allerdings sind sie extrem selten. Ortner: „Ich kann mich nicht an einen Fall erinnern.“ 

Lesen Sie auch:

Das Feld war ein Experimentierlabor: Rechtsstreit um exotische Baum-Plantage bei Starnberg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tempo 30 für die Karolingerstraße
In der Karolingerstraße in Gilching soll bald Tempo 30 gelten. Auch schwere Lkw sollen auf lange Sicht ausgesperrt werden. 
Tempo 30 für die Karolingerstraße
In Berg brennt die Luft
Zweimal am Tag steht derzeit eine Rauchwolke über dem Norden Bergs. Es brennt auch wirklich, und die Feuerwehrleute rücken wirklich gegen Flammen vor. Das ist jedoch …
In Berg brennt die Luft
Hochkarätige Musik im eigenen Garten
Wann hat man schon einmal leibhaftige Symphoniker zu Gast? Hildegard und Rolf Fuhlbrügge aus Aufkirchen hatten das Glück, am Sonntag vier Bläser des Symphonieorchesters …
Hochkarätige Musik im eigenen Garten
Landkreis humpelt weiter in Richtung Energiewende
Um den Stand der Energiewende ging es jüngst im Umweltausschuss des Kreistags. Das Ergebnis: ernüchternd.
Landkreis humpelt weiter in Richtung Energiewende

Kommentare