So war’s 2015/16: Der erste Tag ohne städtische Schulbusse am 7. Januar 2016 begann gleich mit einer falschen Anzeige (oben), zuvor hatte die Elterninitiative unter anderem mit diesem US-Schulbus auf ihr Anliegen hingewiesen.
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So war’s 2015/16: Vor dem ersten Tag ohne städtische Schulbusse am 7. Januar 2016 hatte die Elterninitiative unter anderem mit diesem US-Schulbus auf ihr Anliegen hingewiesen.

Stadt Starnberg führt wieder Schulbusse ein

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Nach mehr als fünf Jahren will die Stadt Starnberg wieder ein eigenes Schulbussystem anbieten, zunächst allerdings nur für die Grundschulen Söcking und Percha. Das beschloss der Stadtrat am Mittwochabend einstimmig.

Starnberg – Der Aufschrei unter den Eltern war groß, die Abstimmung im Stadtrat denkbar knapp. Rückblick in den September 2015: Nachdem die damalige Bürgermeisterin Eva John vorgeschlagen hatte, die eigenständigen Schulbusse abzuschaffen und durch MVV-Linienbusse zu ersetzen, hatte sich eine Elterninitiative gegründet und binnen kurzer Zeit 1327 Unterschriften für den Erhalt der Schulbusse gesammelt. Dennoch beschloss der Stadtrat seinerzeit mit 16:13 Stimmen, auf das neue System umzusteigen. Nun, fünfeinhalb Jahre später, hat der Stadtrat die Entscheidung revidiert – und das einstimmig.

Zum Beginn des Schuljahres 2021/22 sollen wieder eigene Schulbusse die Grundschulen ansteuern, zunächst nur Söcking und Percha, möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt auch beide Standorte in Starnberg.

Auslöser für die neuerliche Diskussion waren drei Bürgeranträge, die aus Landstetten eingegangen waren und die Einführung eines Schulbusses zum Ziel hatten. „Die betreffenden Eltern sehen keine Möglichkeit, ihre Kinder mit dem ÖPNV in die Schule fahren zu lassen“, berichtete der zuständige Amtsleiter Ludwig Beck in der Sitzung am Mittwochabend. Sie hätten Sicherheits- und andere Bedenken vorgebracht – vom Queren der Andechser Straße über das Ansprechen durch fremde Personen im Bus bis zu einer Wartezeit von einer Stunde auf dem Rückweg.

Um eine aussagefähige Auskunft der Elternschaft über die Schülerbeförderung zu erhalten, hatte die Stadt vor den Weihnachtsferien online eine Elternbefragung vornehmen lassen – mit dem Schönheitsfehler, dass die Befragung an der Grundschule Starnberg nicht weitergeleitet wurde. „Die Rückläufe waren nicht so hoch wie erwünscht, um eine aussagekräftige Auskunft zu geben“, erklärte Beck.

Ungeachtet dessen sah die Verwaltung juristische Schwierigkeiten, wieder eigene Schulbusse einzusetzen. Die Beförderungspflicht sei vorrangig mit dem öffentlichen Personennahverkehr zu erfüllen, zitierte Beck aus der bayernweit gültigen Verordnung über die Schülerbeförderung. Zudem müssten die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit ausdrücklich beachtet werden. Auch in diesem Punkt war Beck skeptisch, was eine Rückkehr zum alten System betraf. Mindestens 4000 Euro für die erforderliche Ausschreibung, rund 8000 Euro für die Neueinrichtung von Schulbushaltestellen, sechsstellige Kosten für den Busunternehmer (im Schuljahr 2014/15 waren es circa 260 000 Euro) und knapp 58 000 Euro Wegfall staatlicher Fördermittel, hatte er ausgerechnet – während der städtische Anteil an den MVV-Kosten gleich bleibe (seit 2016 zwischen 400 000 und 750 000 Euro pro Jahr). „Zusammenfassend betrachtend überwiegen aus Sicht der Stadtverwaltung die Vorteile der ÖPNV-Nutzung“, hieß es in der umfangreichen Beschlussvorlage.

Sollten die Stadträte anderer Meinung sein, stand für das Rathaus aber bereits fest: „Aus Sicht der Stadtverwaltung sollte eine mögliche Wiedereinführung von Schulbussen nicht nur den Ortsteil Landstetten betreffen.“ Von dort besuchen derzeit sieben Kinder die Grundschule Söcking. Insgesamt gibt es in den Ortsteilen nach Auskunft der Stadtverwaltung 188 beförderungspflichtige Kinder. Bürgermeister Patrick Janik dankte der Verwaltung ausdrücklich für die Arbeit, kam aber zu einem anderen Schluss. Wenn die Eltern mit dem System unzufrieden seien, würden sie ihre Kinder mit dem SUV zur Schule bringen statt mit dem Bus – was wiederum auch nicht gut sei, sagte er. Für ihn überwiege lediglich die Haushaltslage.

Kritik am bestehenden System kam vor allem aus Reihen der CSU. Es gebe Verspätungen und immer wieder Probleme mit den Fahrern, manchmal würden Haltestellen vergessen, berichtete CSU-Chefin Dr. Charlotte Meyer-Bülow. „Kinder werden von besoffenen Fahrgästen angesprochen“, schilderte Fraktionskollegin Katja Fohrmann. Es komme auch vor, dass sie „Endlosschleifen über Starnberg drehen“, weil Haltestellen nicht angefahren würden. „Wir sollten es uns noch mal genau überlegen, ob es sinnvoll ist, Sechsjährige in die Selbstständigkeit zu entlassen“, sagt sie. Vor allem für Erst- und Zweitklässler sei das bestehende System problematisch, sagte Matthias Frühauf (CSU). Von Problemen berichtete auch Winfried Wobbe (UWG).

Auch ehemalige Befürworter des Umstiegs auf die MVV-Linien schwenkten nun um. „Es läuft nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte Franz Heidinger (BLS). Für das BMS beerdigte Josef Pfister die einstige Idee seiner Ehefrau: Es sei sinnvoll gewesen, sich das ein paar Jahre anzusehen, sagte er. Es habe sich aber gezeigt, dass „der MVV im Landkreis Starnberg keine anständige Schülerbeförderung gewährleisten“ könne.

Die Verwaltung ist nun unter anderem beauftragt, die Schülerbeförderung für die Grundschulen Söcking und Percha auszuschreiben, die dort zur Schülerbeförderung eingesetzten MVV-Verstärkerbusse in Abstimmung mit dem Landratsamt aus dem Angebot zu streichen und eine Elternbefragung an der Grundschule Starnberg durchzuführen.

CSU-Stadtrat Frühauf, im Spätsommer 2015 Sprecher der Elterninitiative, ist zufrieden. „Das war in den letzten fünf Jahren ein Theater und eine Flickschusterei“, sagte er dem Starnberger Merkur.

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