Rot für die Stadt: Für alle Teile des Centrums gibt es konkrete Kaufinteressenten. Foto: IKE

Stadtentwicklung

Stadt gibt kein Angebot fürs Centrum ab: Parteifreie sehen Skandal 

Das Centrum an der Hauptstraße ist faktisch komplett vergeben – und nicht an die Stadt. Für Stadträtin Angelika Kammerl ist das ein Skandal, weil der Stadtrat anderes beschlossen hatte. Die Bürgermeisterin will sich nächste Woche äußern. Allerdings gibt es ein finanzielles Risiko.

Starnberg– „Es ist mehr als eine vertane Chance, es ist ein handfester Skandal!“ Mit diesen Worten beginnt eine Pressemitteilung der Parteifreien, in der Stadträtin Angelika Kammerl schwere Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Eva John erhebt. Zwar habe der Stadtrat alle Beschlüsse gefällt, um zumindest einige Büros im Centrum kaufen zu können, doch seien diese von der Bürgermeisterin nicht umgesetzt worden. Eva John prüft die Vorwürfe und will sich nächste Woche äußern.

Kammerl verweist auf Ratsbeschlüsse aus den Jahren 2016 und 2017, letzterer sei mit Zwei-Drittel-Mehrheit getroffen worden und habe einen Auftrag zum Kauf des Centrums beinhaltet. Die Bürgermeisterin habe „Termine nicht eingehalten, überhaupt nicht reagiert oder den Eigentümer des Centrums düpiert“. Kammerl zufolge hätte die Stadt die Chance gehabt, bis zu 2700 Quadratmeter zu übernehmen, auf denen man ein „barrierefreies, stadtnahes Bürgerzentrum“ mit vielen Ämtern hätte einrichten können. Für die Stadt hätte dies Kosten von bis zu zehn Millionen Euro bedeutet – stattdessen verfolge John Pläne für eine Rathaus-Erweiterung mit 350 Quadratmetern für elf oder gar einen Neubau für 14 Millionen Euro.

Der Geschäftsführer der Centrum-Eigentümerin Alte Post Flensburg, Dr. Michael Krenn, bestätigte am Freitag auf Anfrage, dass es für alle Einheiten fixe Kaufinteressenten gebe. „Für die Stadt ist nichts mehr übrig“, sagte er – eine Ausnahme gibt es aber doch: das so genannte Literatencafé, das die Stadt für Bücherei und Archiv angemietet hat. Bei dem gibt es aber noch Probleme mit dem Brandschutz, die Krenn in Verantwortung der Stadt sieht. Krenn hatte der Stadt beim Bieterwettstreit um potenzielle Büros im oberen Centrumsteil noch die Gelegenheit geben, sich zu beteiligen – die Frist endete am Donnerstag. Ein Angebot habe er nie erhalten.

Viel gravierender für Die Alte Post Flensburg könnte die Teilungserklärung werden. Vereinfacht gesagt ist das eine Vereinbarung zwischen den Nachbarn – Stadt und Alte Post – über diverse Aspekte. Normalerweise stellt diese Vereinbarung kein Problem dar, doch wurde sie seitens der Stadt bisher nicht unterzeichnet. Der Stadtrat hatte sich damit schon vor Monaten befasst. Für einen Verkauf sind diese Unterlagen aber nötig. Krenn glaubt an eine Lösung, erklärte aber auch: Sollte ihm wegen der fehlenden Unterschriften ein Käufer abspringen und damit ein Schaden entstehen, werde er die Stadt verklagen – das könnten Hunderttausende Euro oder gar Millionen sein.

Die Bürgermeisterin wollte am Freitag zunächst keine detaillierte Stellungnahme abgeben. Sie wolle erst die Beschlüsse sichten, sagte sie auf Anfrage, und dann nächste Woche Stellung beziehen. Zur Frage der Unterlagen fürs Centrum bestätigte sie, dass nicht alles unterschrieben sei, weil es noch offene Fragen gebe. Kommende Woche sollen diese ausgeräumt werden.

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