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Bereits 2012 kam der STA-Kaffee auf den Markt, der im Weltladen erhältlich ist. Produkte wie diese müssten weit mehr am Markt sein, will Starnberg Fair-Trade-Gemeinde werden.

Stadtrat

Mehr Faires für alle Starnberger

Fairness will sich die Stadt auf die Fahnen schreiben – Fairness gegenüber Lebensmittelproduzenten in aller Welt. Wie Herrsching und Gauting will die Kreisstadt Fair-Trade-Gemeinde werden.

Starnberg – Die Stadt soll Fair-Trade-Gemeinde werden. Das zumindest empfiehlt der Hauptausschuss dem Starnberger Stadtrat und folgte damit einem Antrag der Grünen. Vizebürgermeister Dr. Klaus Rieskamp (BLS) hält das allerdings für Unfug.

Derzeit gibt es im Landkreis zwei Gemeinden, die sich den Regeln einer Fair-Trade-Gemeinde unterwerfen und das auch alle zwei Jahre prüfen lassen: Herrsching und Gauting. Die Vorgaben sind klar: Es muss einen Beschluss des Stadtrates geben, eine Steuerungsgruppe muss eingerichtet und der Nachweis erbracht werden, dass in Geschäften und Gastronomie Produkte aus Fairem Handel im Angebot sind. Zudem müssen sich Schulen, Vereine, Kirchengemeinden und andere verpflichten, zertifiziert fair gehandelte Produkte zu verwenden.

Neubauer: „Ein guter Beitrag zum Klimaschutz“

Fair bedeutet in diesem Fall, dass Produzenten – in Afrika und Südamerika vor allem – anständige Preise gezahlt werden. Deswegen sind faire Produkte in der Regel teurer als andere. Auch Produkte aus der Region selbst fallen unter diese Regel. Deswegen sollen etwa bei Sitzungen städtischer Gremien künftig Getränke aus der Region verfügbar sein.

Bürgermeisterin Eva John hat Sympathien für den Vorschlag, will aber eine kreisweite Initiative des Landratsamtes abwarten. Martina Neubauer (Grüne) warb für die Zertifizierung als Fair-Trade-Gemeinde, die „ein guter Beitrag zum Klimaschutz“ sei, die regionale Wirtschaft stärke und ein „schönes Signal nach innen und außen“ sei. Rieskamp hingegen hat massive Zweifel an der Logik der Aktion: Weil nur zertifizierte Produkte unter die Vorgaben fallen, müsse man dann Honig aus Indien kaufen und nicht mehr den vom Imker um die Ecke. 

Ähnliches gelte für Wein oder Kräutertee, auch für Goldschmuck. „Das ist absurd“, sagte er und verwies zudem auch Berichte, wonach im fairen Handel Etikettenschwindel möglich sei. Auch Winfried Wobbe (UWG) hält starre Regeln für wenig hilfreich und forderte, auch nicht zertifizierte Waren zu berücksichtigten. Tim Weidner (SPD) ist klar, „das wir damit die Welt nicht retten“, aber was mehr als 400 Gemeinden könnten, könne Starnberg schließlich auch.

Faire Aktionen gab es in Starnberg schon einige

Neubauer hielt Rieskamp entgegen, bei Produkten aus der Nachbarschaft bestehe kaum die Gefahr, dass Mitarbeitern Dumpinglöhne gezahlt würden. Viele Produkte könne man auch gar nicht aus der Region beziehen: „Wir werden trotz des Klimawandels in den nächsten 50 Jahren Kaffee nicht aus Weßling bekommen.“ Rieskamp blieb dabei: Allein der Transport aus aller Welt schade dem Klima, weil „Handelsschiffe die größten Umweltverschmutzer“ seien. Der Vizebürgermeister stimmte letztlich als einziger Stadtrat gegen die Fair-Trade-Gemeinde. Das letzte Wort hat der Stadtrat am Montag.

Faire Aktionen gab es in Starnberg schon einige. Die STAgenda war beispielsweise vor fünf Jahren mit dem Weltladen an der evangelischen Kirche aktiv geworden – seither gibt es Fairen Starnberger Kaffee.

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