Die Linde an der Ludwigstraße 5 ist nun Thema einer politischen Diskussion.
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Die Buche an der Ludwigstraße 5 ist nun Thema einer politischen Diskussion.

Baum an der Ludwigstraße 5

Eigentümer macht deutlich: Baum ist schwer geschädigt

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Der Wirbel um eine Buche, die zeitweise als Linde firmierte, schlägt in Starnberg Wellen. Inzwischen ist klar: Der Baum ist krank und muss gefällt werden, wie die Eigentümerfamilie klarstellt.

Update Mittwoch, 19 Uhr: Die Fällung des großen Baumes auf einem Privatgrundstück an der Ecke Ludwig-/Kaiser-Wilhelm-Straße ist vorerst ausgesetzt. Das gab Bürgermeister Patrick Janik nach Gesprächen mit den Eigentümern bekannt, die den Baum jedoch nicht wegen des geplanten Neubaus fällen lassen wollen. Miteigentümer Philipp Morgenstern erklärte für die Familie, in deren Eigentum Grundstück und Baum seit rund 100 Jahren sind, dass die Buche schwer geschädigt sei und umstürzen könnte.

CSU-Stadtrat Ludwig Jägerhuber hatte den Stein ins Rollen gebracht und den Bürgermeister um Prüfung gebeten. Patrick Janik sprach mit den Eigentümern, die einer Aussetzung der Fällung zustimmten. Dafür sei er den Eigentümern dankbar, erklärte Janik. Die Eigentümer stimmten dem Aufschub zu, um eine sachliche Diskussion im Bauausschuss zu ermöglichen.

Miteigentümer Philipp Morgenstern und die Familie sind über den Wirbel um die Buche entsetzt, zumal es auch Beschimpfungen unbeteiligter Mieter gab bis hin zu Drohbriefen. Die Uroma musste von der Familie vorsichtshalber „evakuiert“ werden. Dabei falle der Familie die Fällung selbst schwer: „Seit Jahren versuchen die Eigentümer unter anderem die von dem Baum ausgehende Gefahr durch diverse Maßnahmen einzudämmen und haben eine Fällung aus persönlichen Gründen immer wieder hinausgezögert, wohlwissend, dass dies spätestens mit der geplanten Umgestaltung des Anwesens passieren wird.“ Die Buche sei eine von früher drei, sagt Philipp Morgenstern. Die beiden anderen habe man schon notgedrungen fällen lassen müssen. Die verbliebene Buche sei krank, habe schwere Schäden und sei vom Brandkrustenpilz befallen, der den Baum unentdeckt so stark schädigen kann, dass er unvermittelt umstürzen könnte – das hätten Experten festgestellt. „Wir haben es immer vor uns hergeschoben“, sagt Morgenstern, schließlich sind viele der Familie mit dem Baum aufgewachsen. Mit dem Neubau, den die Familie in enger Abstimmung mit der Stadt realisieren wolle und der einen bienenfreundlichen Garten und einiges mehr bekommen wird, habe die Fällung nichts zu tun – sie sei lange vorher absehbar gewesen.

Dass die Linde in Wirklichkeit eine Buche ist, war natürlich vielen Starnbergern sofort aufgefallen. Eigentlich auch Ludwig Jägerhuber, doch hatte er sich auf die Vorlage der Verwaltung für den Bauausschuss gestützt – dort steht tatsächlich „Linde“. Linden sind an der Kaiser-Wilhelm-Straße durchaus präsent, nämlich direkt an der Straße, nicht jedoch in Privatgärten. ike

Die Originalmeldung:

Starnberg – Nun könnte es Schlag auf Schlag gehen – im übertragenen und im wörtlichen Sinn. Es geht um die mächtige Linde auf dem Grundstück Ludwigstraße 5. Für das Grundstück an der Ecke zur Kaiser-Wilhelm-Straße liegt im Rathaus ein Bauantrag vor. Dieser sieht den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit insgesamt 18 Wohnungen und einer Tiefgarage vor. Der Antrag steht am kommenden Dienstag unter Punkt neun auf der Tagesordnung der Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats (18 Uhr, Schlossberghalle). Die Linde müsste dem Vorhaben in der beantragten Form wohl weichen. Auch deswegen steht bereits unter Punkt acht der Tagesordnung die Beratung über die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gebiet. Ein solcher Plan würde die Bebauung zwischen Maximilian- und Kaiser-Wilhelm-Straße nördlich der Ludwigstraße regeln und könnte den Baum als „stadtbildprägend“ sichern.

Die Frage allerdings ist: Wird die Linde am kommenden Dienstag überhaupt noch stehen? CSU-Stadtrat Ludwig Jägerhuber will in Erfahrung gebracht haben, dass der Baum noch in dieser Woche gefällt werden soll. Mit einem Dringlichkeitsantrag hat er sich deshalb an Bürgermeister Patrick Janik gewandt. Die Verwaltung solle umgehend mit dem Bauwerber Kontakt aufnehmen, um die Fällung zu verhindern und eine Vitalitäts- und Zustandsprüfung vorzunehmen, fordert Jägerhuber. Außerdem solle sie bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt eine naturschutzrechtliche Prüfung beantragen.

Jägerhuber will Linde erhalten

„Wir sollten zumindest den Versuch unternehmen, den Baum zu erhalten“, sagt Jägerhuber im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Schließlich gebe es nicht mehr viele dieser stadtbildprägenden Bäume. An der Maximilianstraße und an der Münchner Straße sei es in der jüngeren Vergangenheit gelungen, ähnliche Gewächse zu erhalten. Mit einer modifizierten Planung sollte das auch an der Stelle möglich sein. Jägerhuber hofft auf ein Einsehen der Eigentümer, die die Linde in den vergangenen Jahren stets gepflegt hätten. „Dagegen kann man überhaupt nichts sagen.“

Bürgermeister Janik mit wenig Hoffnung für Baumerhalt

Patrick Janik macht Jägerhuber wenig Hoffnung, den Baum mithilfe rechtlicher Schritte zu erhalten. „Ich haben die Befürchtung, dass das nicht von Erfolg gekrönt sein wird“, sagt er auf Anfrage. „Ich glaube, uns fehlt die Handhabe.“ Schließlich sei das Fällen von Bäumen nicht genehmigungspflichtig. In dem Fall räche es sich, dass Starnberg vor einigen Jahren die Baumschutzsatzung abgeschafft hat. Sollte die Linde tatsächlich gefällt werden, sei das „ein Anlass, wieder über eine Baumschutzsatzung nachzudenken“, sagt Janik.

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