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Symbolbild

Stadtrat Starnberg

Hanfelder Billigvariante am Ende sogar teurer

Starnberg - Einen Vorgeschmack auf die befürchtete neue Enge in der St. Michael-Straße bekamen die Starnberger Stadträte am Montag bei ihrem Vor-Ort-Termin in Hanfeld. Jede Menge Autos, Lkw und Traktoren parkten die Straße zu.

Nach dieser drastischen Demonstration beim Ortstermin hat sich der Stadtrat in seiner abendlichen Sitzung mit großer Mehrheit den Wünschen der Hanfelder gebeugt. Es wird auf die meisten der vom planenden Ingenieur und der Verwaltung für gut und notwendig erachteten Ausbaustandards verzichtet.

So eng war es in Hanfeld noch nie. Ingenieur Andreas Ott hatte morgens im Auftrag des Rathauses mit gelber Farbe entlang der St. Micheal-Straße die künftigen Straßenränder, neuen Gehwegflächen, Baumstandorte und die Ausformung der geplanten Pflasterungen an den einmündenden Ortsstraßen markiert. Alles, was an Autos verfügbar gewesen war, hatten die streitbaren Bürger zum Stadtrat-Ortstermin um 17 Uhr am Straßenrand geparkt – immer ein wenig Platz für imaginäre Baumpflanzungen gelassen.

Zahlreiche Lkw und Traktoren waren in der Dorfmitte unterwegs, die an normalen Tagen wenig befahren ist, weil es eine Umgehungsstraße gibt. Groß war die Freude der zur Trassenerläuterung ebenfalls gekommenen rund 100 Bürger, als sich auch noch der MVV-Bus mühsam durchkämpfen musste. Gegenverkehr war schließlich an vielen Stellen nicht möglich. Die Stadträte zeigten sich nicht sonderlich beeindruckt. In der abendlichen Sitzung wurde schnell klar, dass die Mehrheit der Fraktionen ohnehin nicht gewillt war, den Hanfeldern etwas aufzuzwingen. Patrik Janik (UWG) sprach von „einem starken Signal, was der Wunsch vor Ort ist“ und befand: „Wir wollen den Hanfeldern ihr schöneres Dorf nicht gegen ihren Widerstand in den Rachen rammen.“ 

Zuvor hatte Stadtbaumeister Stephan Weinl dafür geworben, die Straßen nach dem Kanalbau, der heuer noch durchgeführt wird, „im Sinne eines dörflichen Charakters sinnvoll und wirtschaftlich neu herzustellen“. Dass die Stadt, wie Bürgermeisterin Eva John betonte, „alles links und rechts der St. Michael-Straße“ bezahle, weil die Straßenausbaubeitragssatzung abgeschafft worden sei, hatte die Hanfelder nicht umgestimmt. Allerdings hat das Landratsamt verfügt, die Satzung wieder einzuführen, wogegen die Stadt geklagt hat.

Bisher ohne Entscheidung. Für Dr. Franz Sengl (Grüne) ist die streitbare Dorfgemeinschaft selbst schuld, dass heute alles so teuer wird: „Sie haben den Kanalbau so lange hinausgezögert, weil sie die geltenden Regeln nicht akzeptiert haben.“ Dafür gab es Unmutsbekundungen aus den Reihen der Zuhörer der Sitzung. Dem Arbeitskreis der Hanfelder Bürger war es in jahrelangem Disput mit Johns Amtsvorgänger Ferdinand Pfaffinger gelungen, die Kosten für den Kanal um rund 680 000 Euro zu reduzieren. In der Zeit stiegen allerdings die Baukosten, und Zuschüsse für Dorfverschönerung wurden generell abgeschafft. So wurde die billige Lösung am Ende teurer.

So sieht die Sparvariante aus

Nach Berechnungen des Arbeitskreises der Hanfelder Bürger lässt sich durch den Verzicht auf Veränderungen an den Dorfstraßen nochmals mehr als eine halbe Million Euro einsparen. Bei der Abstimmung der Stadträte über jede einzelne Maßnahme ergaben sich ungewohnte Allianzen. So hatte zuvor Stefan Frey (CSU) Prof. Günther Picker (WPS) Recht gegeben, der gesagt hatte: „Mich beeindruckt das Engagement der Hanfelder. Wenn sie eine andere Qualität haben wollen, sollten wir sie ihnen geben.“

Josef Pfister (BMS) hatte gewarnt: „Ein Umbau kommt sicher so schnell nicht wieder. Aber wenn die Hanfelder den Vorschlag nicht wollen, dann halt nicht“. Womit er die Zustimmung von Martina Neubauer (Grüne) erhielt. Das wurde im einzelnen festgelegt: Die Einmündungsbereiche der Nebenstraßen zur St. Michael-Straße werden nicht gepflastert sondern asphaltiert und auch nicht verschmälert. Die Nebenstraßen erhalten statt beidseitiger Graniteinfassung nur einen einseitigen Betonbordrinnenstein zur Wasserführung.

Wendehammer werden in geringst möglicher Größe gebaut. Die St. Michael-Straße wird nicht verschmälert, an den Rändern nicht mit Granitsteinen befestigt. Die Gehwege werden nicht abgesenkt, sondern die Hochborde bleiben. Es gibt keine neuen Parkplätze auf Schotterrasen, der Vorplatz des Feuerwehrhauses erhält statt Pflaster nur eine Asphaltdecke. Entlang der Straße werden keine neuen Bäume gepflanzt. 

Angenommen wurden lediglich die Umbaupläne für die beiden Ortseingänge im Süden und Norden, die zur Verlangsamung des Verkehrs beitragen sollen. Die bisherigen Kosten von 1,7 Millionen Euro müssen angepasst werden. Das Rathaus erhielt den Auftrag, den Grunderwerb für Straßenflächen durchzuführen – teils verläuft die Straße heute auf Privatgrund – und in vier Raten Vorauszahlungen im Abstand von jeweils sechs Monaten in Höhe von 80 Prozent der voraussichtlich beitragsfähigen Erschließungskosten zu erheben. irl

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