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Windkraft (wie hier in Berg) sind nach Angaben der STAgenda zwingend erforderlich, um die Energiewende in Starnberg voranzubringen.

Zwischenbericht

STAgenda-Arbeitskreis Energie und Klimaschutz: Klimabericht stellt schlechtes Zeugnis aus

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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„Ohne einen konsequenten und schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien (Sonne und Wind) ist das Ziel der Energiewende bis 2035 in Starnberg nicht erreichbar.“ Zu diesem Schluss kommt der STAgenda-Arbeitskreis Energie und Klimaschutz in seinem jüngsten Zwischenbericht, den er am Montagabend vorgestellt hat.

Starnberg – Bis zum Jahr 2035 soll der Landkreis Starnberg vollständig mit erneuerbarn Energien versorgt werden. So hat es der Kreistag im Jahr 2005 mit seinem Beschluss zur Energiewende festgelegt. Nach der Hälfte der Wegstrecke scheint festzustehen: Zumindest die Stadt Starnberg wird meilenweit an dem Ziel vorbeirauschen, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Und es sind vor allem die privaten Verbraucher, die bei der Energiewende hinterherhinken.

Nur 6,3 Prozent aus erneuerbaren Energien

Als Grund hat Karin Wurzbacher vom STAgenda-Arbeitskreis Energie und Klimaschutz den schleppenden Umbau der Stromgewinnung ausgemacht. Das geht aus dem „Zwischenbericht Energiewende Starnberg 2017 hervor“, den Wurzbacher am Montagabend dem Stadtratsausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität vorgelegt hat.

„Strom aus erneuerbaren Energien wird in Starnberg ausschließlich mit Fotovoltaik-Dachanlagen, primär auf den Dächern der städtischen Liegenschaften, erzeugt und deckt nur 6,3 Prozent des Stromverbrauchs ab“, heißt es in dem Bericht. Bundesweit habe der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix 2017 dagegen bei etwa 36 Prozent gelegen, im vergangenen Jahr seien es bereits 50 Prozent gewesen.

„Vorhaben für PV-Freiflächenanlagen, Windkraftanlagen, Wasserkraftanlagen, Biogasanlagen oder tiefe Geothermie wurden in den vergangenen Jahren aus den verschiedensten Gründen nicht der Realisierung zugeführt und mitunter auch vom Stadtrat blockiert“, schreibt Wurzbacher. Und das, obwohl die Voraussetzungen für die Nutzung von Sonnenenergie in Starnberg „hervorragend“ seien.

Mehr CO2-Emissionen als im Durchschnitt

Der Umbau der Stromgewinnung ist für die Expertin ein absolutes Muss, wenn die Energiewende gelingen soll. „Ohne einen konsequenten und schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien ist das Ziel der Energiewende bis 2035 in Starnberg nicht erreichbar“, betont sie. Rechnerisch produzierte jeder Starnberger bei Strom und Heizung im Jahr 2017 gut sechs Tonnen CO2 – mehr als doppelt so viel wie der durchschnittliche Bundesbürger. Alle anderen Werte wie Mobilität und Konsum eingerechnet lag der Starnberger Pro-Kopf-Wert der CO2-Emissionen sogar bei 15,38 Tonnen (Bundesdurchschnitt: 11,63 Tonnen). Nach anderen Berechnungen kommt Wurzbacher sogar auf 22 Tonnen. „Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen“, sagte sie im Ausschuss.

Was kann jeder einzelne tun? Vom Einsatz von LED-Leuchten über den Umstieg auf Ökostrom bis zum Solarpaneel am Balkon reichen die Vorschläge. Und: „Ohne konsequente Reduzierung des Wärmebedarfs im Gebäudebereich ist Klimaschutz nicht machbar“, betont Wurzbacher. Auch dabei sind die Starnberger alles andere als vorbildlich.

Der Wärmebedarf in der Stadt sei zwischen 2013 und 2017 um 19 Prozent angestiegen, hat Wurzbacher ermittelt – abgedeckt zu 88,5 Prozent von fossilen Energieträgern. Was die Schädlichkeit fürs Klima betrifft, sei Erdgas im Übrigen keinen Deut besser als Heizöl, sagte Wurzbacher unter Verweis auf aktuelle Untersuchungen.

Bei allen nachdenklichen Entwicklungen, gibt es aber auch Erfolge beim Klimaschutz in Starnberg. Die CO2-Bilanz der städtischen Liegenschaften hat sich deutlich verbessert. Für Strom und Wärme wurden im Jahr 2017 noch 1438 Tonnen CO2 produziert, halb so viel wie zwölf Jahre zuvor. Der verstärkte Bezug von Ökostrom trägt dazu ebenso seinen Teil bei wie die Sanierung von Gebäuden oder auch der Einsatz von LED-Lampen bei der Straßenbeleuchtung. „Das ist ein sehr schönes Ergebnis“, sagte Wurzbacher.

Windkraft: Gespräch im Landratsamt

Wie das auch auf den privaten Bereich übertragen werden kann? „Ziel muss es sein, eine Trendwende hinzukriegen“, schreibt Wurzbacher. Die energetische Sanierung des Wohnungsbestands und der Einsatz von effizienten Wärmepumpen sind dabei nur zwei Beispiele. Dabei müssten Wege gefunden werden, die Bereitschaft der Starnberger zum Umstieg zu steigern. Zudem sollte der Stadtrat alle seine Beschlüsse künftig unter einen Klimavorbehalt stellen.

„Ich bin wahnsinnig entsetzt, wie wenig erst passiert ist“, sagte ein geschockter CSU-Stadtrat Rudolf Zirngibl, der beim Energiewende-Beschluss 2005 dem Kreistag angehört hatte. „Wir haben so viele Grünen-Wähler in der Stadt, so viel Potenzial“, sagte er. Zirngibl sprach sich für den Bau von Windrädern aus und schlug vor, jedes Jahr tausend Bäume auf städtischen Grundstücken zu pflanzen. Zudem sollte der Einbau von Solarzellen gefördert werden. Dr. Ursula Lauer (Grüne) warnte derweil vor weiterer Flächenversiegelung. Anke Henniger (FDP) fragte nach städtischem Infomaterial in Sachen Klimaschutz für die Bürger.

Die Broschüre werde derzeit gerade aktualisiert, antwortete der für Energie und Umweltschutz zuständige Mitarbeiter im Rathaus, Carl-Christian Zimmermann. Und was die Windenergie anbelangt, verwies Bürgermeister Patrick Janik auf ein für Juli geplantes Gespräch im Landratsamt mit Vertretern aller Gemeinden, auf deren Flächen Potenzial für Windkraftanlagen besteht.

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