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20-Euro-Bonus für alle: Stadt will als Arbeitgeber attraktiver werden

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Von: Peter Schiebel

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Mehrere Euro-Geldscheine liegen übereinander (Symbolbild)
Ein 20-Euro-Bonus alle zwei Monate für alle Mitarbeiter - das bietet die Stadt Starnberg. © Beispielfoto: Francis Dean/Dean Pictures / IMAGO

Die Stadt Starnberg will mit mehreren Maßnahmen gegen den Fachkräftemängel im öffentlichen Sektor vorgehen und als Arbeitgeber attraktiver werden. Dazu gehören ein 20-Euro-Bonus alle zwei Monate für alle Mitarbeiter und mehrere Änderungen im Kita-Bereich.

Starnberg – Diese Zahl ist mal eine Hausnummer: Bis ins Jahr 2030 werden im öffentlichen Sektor in Deutschland rund eine Million Fachkräfte fehlen. Das sagte der zuständige Amtsleiter Ludwig Beck in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrats am Montagabend unter Berufung auf aktuelle Untersuchungen. Auch die Stadtverwaltung hat zunehmend Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. Allein im Sozial- und Erziehungsdienst sind derzeit 20 von 98 Stellen nicht besetzt, auch die Probleme im Bauamt sind bekannt, dort konnte eine eigens geschaffene neue Stelle mehr als vier Jahre lang nicht besetzt werden. Mit einem ganzen Maßnahmenpaket will die Stadt dem Fachkräftemangel nun entgegenwirken.

Essen-Runden nichtwährende Arbeitszeit

„Wir können die Aufgaben langfristig nur erfüllen, wenn wir rechtzeitig gegensteuern“, sagte Beck und stellte sieben Handlungsfelder mit mehreren Unterpunkten vor vor. Dazu gehören unter anderem ein systematischeres Gesundheitsmanagement, flexiblere Ruhestandsregelungen, eine Steigerung der Effizienz auch durch mehr Digitalisierung sowie „weniger Kontrolle, mehr Vertrauen“.

Um das Miteinander untereinander zu verbessern, schlug die Verwaltung zudem vor, jedem Mitarbeiter alle zwei Monate ein 20-Euro-Budget zur Verfügung zu stellen, um gemeinsam im Kollegenkreis essen zu gehen. Das soll den Zusammenhalt stärken und die Motivation steigern. „Und das wäre ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“, betonte Beck. Schon jetzt könne die Stadt nicht alle freien Stellen besetzen. „Umso wichtiger ist es, dass alle Mitarbeiter an Bord bleiben und Lust haben, uns zu unterstützen.“ Bei dem Bonus soll es sich um eine Art Gutschein handeln, der nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden müsse, erklärten Beck und Bürgermeister Patrick Janik.

Nach längerer Diskussion stimmte der Ausschuss dem Maßnahmenpaket mit 6:4 Stimmen zu, auf Vorschlag von Thomas Beigel (CSU) strich er jedoch die Überlegung der Verwaltung, für das gemeinsame Essen noch zwei Stunden Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen. Hochgerechnet aufs Jahr seien das etwa eineinhalb Arbeitstage, sager er. Die Teambuilding-Maßnahme in Starnberger Wirtshäusern findet nun also in der Freizeit statt.

Janik weist Vorwürfeals populistisch zurück

Maximal 44 000 Euro kostet der Bonus die Stadt im Jahr, was nach Angaben Becks 0,24 Prozent der gesamten Personalkosten anspreche. Ludwig Jägerhuber (CSU) wollte dennoch aus diesem Grund nicht zustimmen – „so lange der Verwaltungshaushalt nicht ausgeglichen ist“. Michael Mignoli (BLS) zweifelte den Effekt der 20 Euro von Haus aus an. „Das schafft keinen neuen Mitarbeiter“, sagte er. „Bezahlbarer Wohnraum ist das A und O.“

Vorwürfe, die Stadt gehe beim Personal zu locker mit Geld um, während Steuern und Gebühren für Bürger erhöht würden, wies Janik als „einen Hauch zu populistisch“ zurück. Er würde sich stattdessen wünschen, dass „mit der eisernen Haushaltsdisziplin bei jedem anderen Thema so mit Verve diskutiert wird wie beim Personal“, sagte der Bürgermeister.

Personal-Suche in Kitas soll einfacher werden

Einen Schwung an konkreten Maßnahmen beschloss der Hauptausschuss im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes, wo die Personalsituation besonders angespannt ist – und das weitestgehend einstimmig. Dort hatte zuletzt die vorübergehende Schließung einer Gruppe im Irmgard-Stadler-Kindergarten wegen Personalmangels für Aufsehen gesorgt.

Umwandlung von Kinderpflegerstellen: Der städtische Stellenplan sieht aktuell 22,76 Stellen für Kinderpfleger vor. Allerdings werden kaum noch Kinderpfleger ausgebildet. Die Stellen werden nun in besser dotierte Erzieherstellen umgewandelt. Dadurch ist es der Stadt möglich, Erzieher einzustellen, wenn keine Kinderpfleger zu finden sind.

Unbefristete Nachbesetzungen von Elternzeitvertretungen: Ist Kita-Personal schwanger, ist es mittlerweile nahezu unmöglich, nur für den befristeten Zeitraum der Elternzeit Ersatz zu bekommen. Von daher sollen künftig alle freien Erzieherstellen unbefristet ausgeschrieben werden.

Schaffung einer Springergruppe: Krankheitsbedingte oder anderweitige Ausfälle in Kitas könnten derzeit nicht abgefedert werden, erklärte Amtsleiter Beck. Dem soll eine aus vier Erziehern zu bildende Springergruppe Abhilfe leisten, die je nach Bedarf in den städtischen Einrichtungen tätig werden soll.

Anrechnung der Vorbeschäftigungen bei den Stufenlaufzeiten bei Neueinstellungen: Was sich bürokratisch anhört, ist letzten Endes ganz praktisch. Die Mitarbeiter erreichen nach einer gewissen Anzahl von Jahren automatisch die nächste Gehaltsstufe. Bei einem Wechsel fallen sie bislang jedoch zurück, auch wenn sie möglicherweise kurz vor Erreichen der nächsten Stufe stehen. Das soll durch die Anrechnung künftig nicht mehr der Fall sein.

Sollten alle Maßnahmen in diesem Bereich greifen, wären das Mehrkosten von rund einer halben Million Euro. Allerdings ist das derzeit ein eher theoretischer Wert, da 20 Stellen derzeit ja nicht besetzt sind.

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