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Mustern, blättern, anlesen: „Ich scanne Bücher“, sagt Eva Wanninger. Jeden Dienstag stöbert die Sparkassen-Angestellte in der Starnberger Bücherei. Sie leiht zeitgeschichtliche Romane aber auch Yoga-Ratgeber aus. 

Sie hat 800 Kochbücher im Keller

500 Medien im Jahr: Die Rekord-Ausleiherin der Stadtbücherei

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500 Medien im Jahr: Kaum jemand nutzt die Stadtbücherei so intensiv wie Eva Wanninger - und sie hat auch noch 800 Kochbücher im Keller. 

Starnberg – Wer Bücher so liebt wie Eva Wanninger, schaut nicht oft aufs Smartphone. Jetzt tut sie es doch. Die 55-Jährige, gepunktete Bluse und Brille im kurzen Haar, steht im Eingangsbereich der Starnberger Stadtbücherei. Wie immer um diese Zeit. Wanninger arbeitet bei der Sparkasse, keine drei Minuten entfernt. Jeden Dienstag in der Mittagspause kommt sie zum Stöbern – seit bald 17 Jahren. Die Starnberger Bücherei hatte im Jahr 2018 insgesamt 2623 aktive Nutzer. Aber kaum jemand nutzt das Angebot so intensiv – und vor allem in der Bandbreite – wie Eva Wanninger. 500 Medien leiht sie pro Jahr aus.

Die aktuellen Zahlen spuckt ihre Lieblingsapp aus, die sie gerade im Foyer gestartet hat – der Online-Katalog der Bücherei. 16 Entleihungen zeigt die App an. Und 39 Medien stehen auf der Merkliste – „alles was mich zurzeit interessiert“, sagt Wanninger. Eine kleine Auswahl: Der Titel „Sehnsucht Oberbayern“ handelt von Literaten, Musiker und Malern im Alpenvorland, Kent Harufs Roman „Abendrot“ von zwei alten Viehzüchtern im Herzen Colorados. In „Zeitenwende 1979“ erklärt der Historiker Frank Bösch, warum die Welt, in der wir heute leben, vor 40 Jahren begann. Aber Wanninger interessiert auch das 144-seitige Taschenbuch „50 Workouts Yoga“.

Die Rekordausleiherin selbst kennt jede Ecke der drei Etagen

Bettina Degenhart, die Leiterin der Bücherei, ist beeindruckt von der Vielseitigkeit Wanningers. „Solche Kunden wünscht man sich“, sagt sie. Überhaupt grüßt die Frau aus Gilching, die in Starnberg arbeitet, so gut wie jeder dort. Ein „Hallo Frau Wanninger“ hier, ein „Haben Sie was gefunden?“ dort. Die Rekordausleiherin selbst kennt jede Ecke der drei Etagen, auf denen rund 40 000 Medien Platz finden. Meistens aber bleibt sie gleich unten bei den Neuheiten hängen. Bestseller oder Bücher, die in den Feuilletons gefeiert werden, sind oft schnell vergriffen. Dafür hat Wanninger ihre App. „Wenn es neben dem Buch grün leuchtet, spurte ich gleich rüber“, sagt sie.

Durch die 500 Medien im Jahr wühlt sich die 55-Jährige nicht alleine – sie versorgt auch ihren Mann und ihre Tochter mit Lesestoff, Hörbücher oder DVDs. Manchmal greift sie, vom Cover angesprochen, instinktiv nach einem Werk. Meistens folgt die Suche aber einem geordneten Verfahren: „Ich scanne“, erklärt Wanninger, während sie zwischen den Regalen umherstreift. Der passionierte Rotweintrinker schwenkt, riecht und schmeckt, die passionierte Leserin mustert, blättert und liest an. Apropos Anlesen: Den Zwang, alle Bücher zu vollenden, hat sie irgendwann abgelegt. „Diese Schwelle habe ich überwunden. Es bringt doch nichts, sich durch ein langweiliges Buch zu quälen.“

E-Books kommen für Eva Wanninger nicht in Frage

Eine Sorte langweilt Wanninger nie: Unglaubliche 800 Kochbücher habe sie im Keller über viele Jahre angesammelt. Darüber hinaus stehen bei ihr zu Hause viele Literatur-Klassiker, sie ist ein Fan zeitgeschichtlicher Romane. Bücherei-Leiterin Bettina Degenhart überrascht die große Keller-Bibliothek Wanningers nicht: „Wer viel leiht, kauft auch viel. Das schließt sich nicht aus, sondern befruchtet sich gegenseitig.“ Manche Werke, die muss man einfach besitzen. Darin sind sich Wanninger und Degenhart einig.

In Zeiten von Streamingdiensten und Mediatheken ist die Leidenschaft für Bücher nichts Alltägliches mehr. Die Ausleih- und Kundenzahlen der Starnberger Bücherei sind trotzdem konstant – vor allem aber, weil sie ihr Angebot dem digitalen Wandel angepasst hat: An der Hauptstraße kriegt man nicht nur Buchstaben auf Papier, sondern kann auch mit einer speziellen Brille in virtuelle Realitäten eintauchen oder Spiele für die Playstation leihen.

E-Books kommen für Eva Wanninger übrigens nicht in Frage. Sie lehnt sich in ihren Stuhl im Lesesaal zurück und schwärmt: „Schon wegen des Geruchs müssen die Bücher überleben.“

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