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Die Inhaber des Tabakladens beim See-Bahnhof in Starnberg, Anna und Werner Gschwendtner, hören nach 20 Jahren auf. Sie konzentrieren sich jetzt auf ihren Kiosk gleich nach der Bahnunterführung auf der Seepromenade.

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Abschied vom Tabak-Laderl am Bahnhof See

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Werner Gschwendtner wird am nächsten Sonntag seinen Tabakladen in der Unterführung des Starnberger Bahnhofs wieder aufschließen – wie an jedem Tag. Aber es wird das letzte Mal sein. Der Peißenberger gibt das Geschäft nach 20 Jahren auf.

Starnberg– Wer in den vergangenen Tagen von der Schließung des Tabakladens im Starnberger Bahnhof gehört hat, war zuerst in Sorge: „Wo bekomme ich denn jetzt meine Streifenkarte?“ Die S-Bahn-Nutzer können beruhigt sein. Werner Gschwendtner und seine aFrau Anna, die bisherigen Betreiber des Tabakladens, werden auch künftig Fahrkarten verkaufen – in ihrem Kiosk wenige Meter weiter auf der Seepromenade. Den bewirtschaftet das Ehepaar schon seit 30 Jahren.

Warum geben die Gschwendtners den Tabakladen auf? Das hat mehrere Gründe. „Wir wollen uns etwas mehr Ruhe antun“, erklärt der Peißenberger (65). Kiosk und Tabakladen sind beziehungsweise waren das zweite Wohnzimmer des Paares: „Wir sind 365 Tage im Jahr vor Ort und kümmern uns um unsere Kundschaft.“ Es gab keinen einzigen Ruhetag. Nur einmal konnte Gschwendtner den Kiosk nicht öffnen. „Das war Ende Februar 1990, als ,Wiebke‘ über uns hinwegfegte. Wegen der Sturmböen konnte ich die Läden des Kiosks nicht hochklappen“, erklärt Gschwendtner. „Aber ich war hier, bin von meinem Wohnort nach Starnberg gefahren wie alle Tage.“

Ein zweiter Grund, möglicherweise der ausschlaggebende – aber da hält sich Gschwendtner vornehm zurück – ist die Tatsache, dass sich der Tabakladen in einem baulich trostlosen Zustand befindet. An der Decke über der Eingangstür ist der Putz abgebröckelt, ebenso im Lager des winzigen Verkaufsraumes. Dafür hat eindringendes Regenwasser gesorgt.

„Seitdem die Bahnsteige keine Dächer mehr haben, hält das Regenwasser nichts mehr auf, um bis zu uns zu gelangen“, sagt Anna Gschwendtner. In einem der beiden Schaufenster hat sich ihr Mann innen eine kleine Regenrinne gebastelt, damit das eindringende Wasser nicht auf die in der Auslage ausgestellten Feuerzeuge platscht. Was unternimmt die Deutsche Bahn als Eigentümerin und Verpächterin gegen den Verfall der Immobilie? Gschwendtner schweigt.

Das ist nicht der einzige Mangel in dem Tabakgeschäft. „Seit drei Jahren funktioniert die Zentralheizung nicht mehr“, sagt der Kaufmann und weist auf die Heizkörper hinter der Holzverkleidung. Sie sind kalt. „Wir wärmen uns seitdem mit Radiatoren. Aber das treibt die Stromkosten enorm in die Höhe“, bedauert Gschwendtner.

Der Abschied von dem Laden, den das Ehepaar schon als Tabakgeschäft übernommen hatte, steht fest. Am Sonntag, 25. März, ist der letzte Tag. Werner Gschwendtner trauert der Zeit, die er dort verbracht hat, aber schon jetzt nach. „Es war ein kommunikativer Treffpunkt“, sagt er. „Wir haben von den Stammkunden gelebt, und mit denen gab es jedesmal einen kleinen Ratsch und manche lieb gemeinte Frotzelei.“ Das Betreiber-Ehepaar fühlt sich auch so etwas wie Touristenberater.

„Die Besucher kommen vor allem wegen der S-Bahn-Karten und haben Fragen zum Fahrplan“, sagt Gschwendtner. Jene, die touristische Tipps von dem Tabakhändler haben wollten, musste der 65-Jährige nicht selten enttäuschen „Wo ist denn hier in Starnberg die Flaniermeile? Was soll man darauf sagen, da tut man sich schon schwer.“ Und wenn es um sehenswerte Orte ging, hat Gschwendter die Fremden ins Heimatmuseum geschickt oder in den Schlossgarten: „Von dort haben Sie eine wunderschöne Aussicht.“ Oder er erklärte ihnen den Weg zur Votivkapelle am Ostufer des Starnberger Sees. „Das hat was mit König Ludwig zu tun, und das geht immer gut.“

Die Regale im Tabakladen sind noch gesteckt voll – mit Tabak, Zigaretten, Zigarren und Raucherutensilien. Aber auch Süßes und Salziges, Snacks und Getränke lassen noch keine Lücke erkennen. In der letzten Woche wird er das doch nicht alles verkaufen können, oder? „Natürlich nicht, einen Teil der Waren nehmen die Lieferanten zurück“, erklärt Gschwendtner. Und den Rest nimmt er mit in den Kiosk an der Seepromenade. Dort baut er gerade etwas um. Es muss ein zweites Verkaufsfenster her. Denn die Stammkunden werden ihm wohl folgen. Und die Touristen können die schmucke Holzhütte kaum links liegen lassen. Der Kiosk gehört übrigens den Gschwendters. Nur der Grund, auf dem er steht, ist Eigentum der Deutschen Bahn. Deshalb bleiben die Gschwendters Pächter und Geschäftspartner der Bahn. Und deshalb war der Peißenberger an diesem Tag nicht so gesprächig und mitteilsam wie gewohnt – verständlich.

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