+
Markus und Dr. Anita Stangl und ihr Sohn Michael zeigen die von Feuchtigkeit und Schimmel angefressenen Kartons im Lagerraum der Firma Medien LB in den Seearkaden in Starnberg.

Es geht um Gaststätte „Enjoy“, Medienfirma, Lernakademie, Laden und Wohnungen in den Seearkaden

Ärger wegen Schimmels: Mietern fristlos gekündigt

  • schließen

Der Eigentümer der Seearkaden in Starnberg hat seinem größten Mieter fristlos gekündigt. Es geht um Schimmelschäden in den Untergeschossen des Gebäudes. Die Gaststätte „Enjoy“ ist schon geschlossen, der Schreibwaren- und Geschenkeladen folgt, ebenso die Lernakademie. Auch zwei private Mieter sind betroffen, dazu eine Schulmedienfirma.

Starnberg – Der Blick auf die vielen dunklen und bläulichen Flecken: unangenehm. Der Geruch von Moder und Schimmel: nur schwer zu ertragen. Nun ist die Situation in den Seearkaden gegenüber vom Bahnhof See eskaliert. Der Vermieter, die in Wiesbaden ansässige R+V Versicherung, hat seinem größten Mieter gekündigt. Fristlos. Bis 31. Dezember sollen Markus Stangl (50) und seine Geschäftspartnerin Dr. Anita Stangl (53) die Räume verlassen, insgesamt knapp 900 Quadratmeter auf mehreren Etagen.

Am Montagabend haben die beiden bereits den Betrieb der Gaststätte Enjoy eingestellt und den acht Mitarbeitern gekündigt. Die Räume ihrer wichtigsten Firma, der Schulmedien-Produktionsfirma Medien LB, räumen sie im ersten Obergeschoss gerade aus. Für die Firma und die 16 Mitarbeiter ist an der Leutstettener Straße ein neues Objekt gefunden. Der Schreibwaren- und Geschenkeladen an der Wittelsbacherstraße schließt Ende des Jahres, ebenso die im Geschoss darunter befindliche Lernakademie, in der bislang Schüler regelmäßig Nachhilfe bekommen und Kinder einmal wöchentlich Schach lernen.

Und auch die zwei Wohnungen im dritten Obergeschoss werden geräumt. Markus Stangls pflegebedürftige Mutter (86) kommt notdürftig bei ihrer Tochter in Pöcking unter. Völlig unklar ist die Zukunft der Mitarbeiterin, die mit ihrem Lebensgefährten und dem gemeinsamen, ein Jahr alten Kind die anderen Räume bewohnt. „Sie will sich jetzt einen Wohnberechtigungsschein besorgen“, sagt Stangl. Zu den menschlichen Dramen kommen die finanziellen hinzu. So hätten sie allein in das „Enjoy“, das vormalige „Vis a Vis“, 500 000 Euro investiert, ehe sie die Gaststätte im Frühjahr 2018 eröffneten, sagt Markus Stangl.

Und warum das alles? Es geht um den Schimmel, um die Feuchtigkeit, um den Zustand vor allem der Untergeschosse der Seearkaden. Seit 2018 hätten sie den Vermieter immer wieder auf die Mängel hingewiesen, sagen die Stangls. Dabei hatten sie anfangs sogar noch Verständnis für den Vermieter: „Es ist nachvollziehbar, dass die Situation nicht ganz leicht ist“, sagt Markus Stangl. Bloß: Es passierte – nichts. Einzig eine verrostete Kellertür sei ersetzt, die Kosten auf die Mieter umgelegt worden. Ansonsten – nichts. „Das totale Negieren“, sagt der 50-Jährige. „Es wird gar nichts gemacht.“ Derweil fressen sich im Lager der Medien LB Schimmel und Feuchtigkeit durch die Kartons, in der mehr als 15 000 DVDs für den Schulunterricht lagern.

Im Sommer dieses Jahres war die Geduld der Stangls zu Ende. Sie fingen an, die Mieten der insgesamt fünf Objekte zu kürzen. In der Zeit habe letztmals ein Gespräch mit einem Ansprechpartner stattgefunden, einem Objektleiter, sagen sie. „Wir haben immer wieder angeboten, uns zusammenzusetzen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen – nichts“, sagt Markus Stangl. Erst am 12. Dezember habe sich der Vermieter gemeldet oder vielmehr der von ihm beauftragte Rechtsanwalt aus München. Insgesamt fünf fristlose Kündigungen – per „Einwurf/Einschreiben“ – landeten im Briefkasten.

Seitdem lassen sich auch Anita und Markus Stangl anwaltlich vertreten. Bleiben und gegen die Kündigung vorgehen? Oder ausziehen und auf Schadenersatz klagen? Sie haben sich für Letzteres entschieden. Dabei könnte es um hohe Summen gehen.

„Ich habe die Schnauze voll und will die Menschen nicht mehr in mein Leben lassen“, sagt Markus Stangl. Und fügt enttäuscht Richtung R+V Versicherung hinzu: „Wenn man sich eine Zeit aussucht, in der es besonders wehtut, dann ist es jetzt.“ Das Geschäft habe gebrummt, im „Enjoy“ hätten sie sogar Weihnachtsfeiern absagen müssen, sagt Anita Stangl. All das sei einem Großkonzern aber egal. Ebenso egal wie der Zustand der Seearkaden. Wobei: Das Gebäude vor sich hin modern zu lassen, um es irgendwann aufgrund der schlechten Bausubstanz gegen einen Neubau zu ersetzen – das ist bislang nicht mehr als ein Gerücht. Die Pressestelle der R+V Versicherung war am Freitagnachmittag nicht zu erreichen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nicht ausgeschildert, nicht genehmigt: Immer öfter Ärger mit Baustellen in Starnberg
Die Polizei stellt zunehmend fest, dass Baustellen in Starnberg nicht ausreichend gesichert sind, die Umleitungen nicht richtig ausgeschildert sind oder die behördlichen …
Nicht ausgeschildert, nicht genehmigt: Immer öfter Ärger mit Baustellen in Starnberg
Zwei BMW geknackt und Navis im Wert von je 3000 Euro gestohlen
Auf fest eingebaute Auto-Navis im Wert von 3000 Euro hatten es Diebe in Tutzing abgesehen.
Zwei BMW geknackt und Navis im Wert von je 3000 Euro gestohlen
Attacke mit Maßkrug
Beim Kehraus in der Unterbrunner Mehrzweckhalle hat es einen Zwischenfall gegeben. Ein 22-Jähriger schlug dabei einem 28-Jährigen einen Maßkrug  ins Gesicht. 
Attacke mit Maßkrug
Attacke auf Umladestation
Die geplante Umladestation des AWISTA KU bei St. Gilgen steht in der Kritik. Die Bürger für Gilching (BfG) und die Bürgerinitiative umweltfreundliche Asphaltmischanlage …
Attacke auf Umladestation

Kommentare