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Gratulation: Bürgermeisterin Eva John (2.v.l.) freute sich mit den Preisträgerinnen Uta Sasgen (l.), Dr. Britta Göckeritz und Annette Girke (r.), die mit ihren Bildern (im Hintergrund die Frau mit Fernglas) den ersten Preis gewann. 

Stadt hat zum 16. Mal ihren Kunstpreis vergeben

Ansichten einer Frau oder: Annette Girke siegt

Die Starnbergerin Annette Girke ist am Samstag mit dem 16. Kunstpreis der Stadt Starnberg ausgezeichnet worden. 50 Künstler aus dem Landkreis hatten sich in diesem Jahr beworben und einmal mehr eine ausdrucksstarke Diversität bewiesen.

Starnberg Leicht sei die Entscheidung der Jury, der sie angehörte, nicht gefallen, sagte Eva John in ihrem Grußwort bei der Verleihung des Kunstpreises der Stadt Starnberg. Für die lebhaft besuchte Festveranstaltung in der Schlossberghalle erläuterte die Bürgermeisterin das Auswahlverfahren: Künstler mussten zur Teilnahme im Landkreis oder am Starnberger See wohnen und jeweils drei Bilder einreichen, die in einem Zusammenhang zueinander stehen. „Genau darin lag bei manchen der 50 Teilnehmer das Problem“, erläuterte Jurymitglied Katja Fohrmann. „Oft sah die Jury zwischen den drei eingereichten Werken keine Verbindung, oder es war nur eines der drei Werke so richtig packend.“

Dies traf fraglos für Vanessa Uher aus Berg zu, vor deren kraftvollem Einzelporträt einer verweinten, doch stolzen jungen Frau viele Kunstbetrachter verharrten, die Jury aber die Dreier-Serie im Blick behalten musste.

Thematisch führten die Werke manchmal vom Fünfseenland weg. Die Jury – darunter Merkur-Mitarbeiterin Astrid Amelungse-Kurth und der Leutstettener Kunstprofessor Thomas Zacharias – prämierte aber zwei Sieger, die die Heimat in ihren Bildern anklingen lassen. Darunter die Ochsentreiber-Darstellungen von Dr. Britta Göckeritz. „Ich wollte damit die Atmosphäre beim Münsinger Ochsenrennen festhalten“, sagte die gebürtige Thüringerin. Die Mischung aus Kraft und Sensibilität bei diesen Tieren sei beeindruckend, und obendrein habe ihr es am Herzen gelegen, ein Traditionsspektakel ohne Süßlichkeit und Kitsch abzubilden.

Mit Ölfarben auf Packpapier gelingen der Münsingerin fahle, auf die Umrisse reduzierte Abbildungen – skizzenhaft-rasch im Moment gezeichnet, nur die weißen Hemden der Ochsentreiber leuchten heraus. Göckeritz’ „Hoam geht’s“ gefiel der Jury und landete auf Platz zwei.

Mit Farbkreiden bringt Uta Sasgen aus dem Seefelder Ortsteil Meiling Landschaften aufs Papier. Sie versteht sich wunderbar auf detailgetreue Darstellungen – die Amper im Winter etwa – genauso wie auf frische Sichtweisen, was die Jury für den dritten Platz begeisterte.

Als Siegerin und somit Nutzerin des Paul-Thiem-Ateliers für die nächsten zwei Jahre wurde Annette Girke ausgezeichnet. Mit „künstlerischer Intelligenz“, so die Begründung, stelle die Starnbergerin Porträts von Frauen dreier Generationen nebeneinander und schaffe spannende Bezüge. Tatsächlich tut sich ein Spektrum zwischen Verehrung und kritischer Rezeption auf, wenn „Greta“ – die Abbildung der ikonischen Greta Thunberg – den kleinsten Bildraum hat, ihn aber fast komplett ausfüllt und die Aura einer golden bestrahlten Wachsfigur verbreitet. Daneben stehen eine bunte alte Dame („Looks like Iris“) und eine Frau mit Fernglas zur Blauen Stunde („Moonrise“).

Nach Beendigung der Atelierszeit in den Räumen an der Josef-Fischhaber-Straße – sie beginnt im Februar nächsten Jahres – richtet die Stadt Starnberg der ersten Preisträgerin eine Kunstausstellung aus. Und von jedem der drei Gewinner kauft sie ein Gemälde. Der Kunstpreis wird seit 1989 alle zwei Jahre vergeben. „30 Jahre mit enormer Vielfalt zeitgenössischer Kunst, viel Fleiß und künstlerischer Auseinandersetzung“, sagte Eva John. Die Werke aller Teilnehmer waren nur am Wochenende in der Schlossberghalle ausgestellt.

Von Andreas Bretting

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