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Da geht nichts mehr: Hedwig Kiesswetter aus der Himbselstraße zeigt die verzweifelte Situation. Vor ihr und neben ihr die Baustelle. Ihre Wohnung in einem der Häuser im Hintergrund kann sie derzeit kaum verlassen.

In Starnberg

Anwohner zwischen Baustellen eingesperrt

Bewohner von zwei Wohnblocks an der Himbselstraße fühlen sich eingesperrt. Mit Beginn des Umbaus der Straße am Montag können sie ihre Wohnungen nur noch erreichen, indem sie über die benachbarte Großbaustelle gehen. Die Wut ist groß.

Starnberg – Ratlos steht Hedwig Kiesswetter vor ihrer Haustür an der Himbselstraße. Links versperrt ein Bauzaun den Weg auf die Straße, rechts ist es ein frisch aufgerissener Graben. Nach einer Weile dreht die 79-Jährige um und geht ins Haus zurück. Hedwig Kiesswetter sitzt fest – und mit ihr die Bewohner von 40 weiteren Wohnungen. Denn die Wohnblöcke 1a und 1b an der Himbselstraße sind zwischen zwei Baustellen eingesperrt.

Seit etwa zwei Jahren baut bereits die Wohnungsgenossenschaft Starnberger See eine seniorengerechte Wohnanlage gegenüber den beiden Wohnblöcken. Seit Montag gesellt sich die Baustelle der Stadt an der Himbselstraße hinzu. Voraussichtlich sechs Wochen wird die Straße komplett umgebaut. So lange dürfte auch die Sperrung dauern (wir berichteten).

„Wir haben normalerweise zwei Möglichkeiten, unser Haus zu verlassen: über den Innenhof und über die Himbselstraße“, erklärt Anwohnerin Eva Steinherr. „Wenn man die Straße jetzt betritt, wird man sofort von den Bauarbeitern zurück geschickt. Es bleibt nur der Weg über den Innenhof, der aber Baustelle der Genossenschaft ist. Und diese darf man nur auf eigene Gefahr betreten.“

Wer die Baustelle überquert, muss über Gräben steigen und Baggern ausweichen. Für ältere Leute ist das kaum möglich. „Ich kann nicht einkaufen gehen oder das Haus verlassen“, sagt Hedwig Kiesswetter. „Ich komme mit meinem Rollator gar nicht über die Gräben.“ Getränke und andere Einkäufe bringt ihr derzeit ihre Tochter vorbei.

Durch die zweite Baustelle der Stadt sind die Anwohner übrigens nicht nur in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, auch die Mülltonnen sind nur noch über Umwege zu erreichen. „Ich wollte meinen Müll runterbringen. Da stand ich mit meinem Müllsäckchen, und die Tonnen waren nicht mehr da“, berichtet Kiesswetter. Aufgrund der Vollsperrung der Himbselstraße können auch Mülltransporter die Mülltonnen zwischen den Baustellen nicht mehr anfahren. Dadurch stehen diese jetzt am Ludwig-Thoma-Weg. „Es braucht einen zehnminütigen Fußmarsch über den Riedener Weg und den Georg-Queri-Weg, um unsere Mülltonnen zu erreichen. Da laufen wir dann mit unserem Müllbeutel durch die Straßen“, sagt Eva Steinherr. Nachbarin Kieswetter hat keine Möglichkeit, zu den Mülltonnen zu kommen, und bereits resigniert. „Ich habe meinen Müll einfach in den Hof auf die Baustelle gelegt.“

Und es gibt noch mehr Probleme. Die Bauarbeiter und Techniker der Genossenschaft können ihre Baustelle nicht mehr über die Himbselstraße anfahren. Sie müssen auf den Rettungsweg ausweichen. „Aber wie soll zum Beispiel ein Krankenwagen zu uns kommen, wenn etwas passiert?“, fragt sich Steinherr, „Und wie soll der Postbote zu uns finden? Ich bezweifle, dass wir morgen Post bekommen.“

Die Verwirrung unter den Anwohnern ist auch deswegen groß, weil aus dem Infoschreiben der Stadt vom Freitag das Ausmaß der Sperrung nicht hervorging. In einer ersten Stellungnahme kündigte die Stadtverwaltung für heute ein Gespräch mit der Wohnungsgenossenschaft, den beauftragten Firmen und dem Bauleitungsbüro an. Ziel sei es, einen teilweise zurückgebauten Notgehweg wieder herzustellen oder eine fußläufige Alternative zu schaffen, teilte Rathaussprecherin Lena Choi mit.

Vanessa Lange

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