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Vandalismus: Bahn spricht vom “Einkaufsbahnhof“ - Realität am Bahnhof Nord sieht anders aus

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Von: Tobias Gmach

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Die Schalterhalle des Bahnhofs Nord: Seit Dienstag können Fahrgäste dort wieder Kaffee trinken und Backwaren kaufen. Die Bäckerei-Kette Müller hat auf 80 Quadratmetern ein Bistro eröffnet. © Schuhbauer-von Jena

Wenig Leben, viel Müll: Der Bahnhof Nord ist alles andere als ein Vorzeigeobjekt. Gerade in den Toiletten ist Vandalismus ein echtes Problem. Die Eröffnung eines Bistros mit reicher Auswahl macht das Gebäude nun etwas attraktiver. Und im Mai soll der Laden um einen Minimarkt erweitert werden.

Starnberg Ovidiu Dina verlässt sein beheiztes Café und tritt in die zugige Schalterhalle. Er bringt dem Bahn-Mitarbeiter am Ticket-Schalter einen gut gefüllten Becher. Kaffee gegen Wechselgeld: Das ist der Deal. Die wenigen Menschen, die im Starnberger Bahnhof Nord arbeiten, verstehen sich. Mit einer Shopping-Meile, die das kleine weiße Schild suggeriert, hat die Realität nichts zu tun. Darauf steht: „Ihr Einkaufsbahnhof. Gute Geschäfte. Mehr erleben“.

Zumindest etwas mehr Leben finden Schüler und Pendler seit Dienstag: Ovidiu Dina betreibt für die Bäckerei Müller ein Bistro mit einer langen Theke und mehreren Hochtischen. Der 43-jährige Mann aus Krailling arbeitet seit 20 Jahren für Müller-Filialen im Landkreis. Im Bahnhof Nord bietet er nicht nur Backwaren an, sondern auch ofenfrische Pizzen, Gulaschsuppe und Obstsalat. „Wir testen noch, was gut geht“, sagt Dina. „Die Brezen sind gefragt. Und gerade ist ja Krapfenzeit.“ Das Faschingsgebäck ist im Sonderangebot.

Müller-Gebietsleiter Tobias Hofer betont: „Bei uns gibt es Kaffee aus der Siebträgermaschine. An Bahnhöfen bekommt man ja oft nur eine einfache Plörre.“ 150 000 bis 200 000 Euro habe man in den Umbau investiert. Drei Festangestellte und Aushilfen arbeiten neben Dina in dem 80 Quadratmeter großen Bistro. Wenn es wärmer wird, sollen die Leute auch draußen an 15 Tischen sitzen können. Dafür muss aber noch eine Tür eingebaut werden.

Die Bahn äußert sich nicht zur Zukunft der Räumlichkeiten

Nebenan war früher ein Zeitungsgeschäft. Im Mai will Müller auch diese Räumlichkeiten eröffnen – und einen „Service Store DB“ betreiben: ein Minimarkt, der eine größere Getränkeauswahl, Tabakwaren, Zeitschriften und Snacks führen wird. „Die Wand wird durchgebrochen. Das wird ein riesen Laden“, sagt Dina.

Die Bahn äußert sich als Eigentümer nicht zu den leer stehenden Räumen im „Erlebnisbahnhof“. Zu internen Verhandlungen mit Mietern und Mietinteressenten gebe es keine Presseauskünfte, schreibt ein Sprecher. Der Starnberger Merkur bekam gestern allerdings auch keine Antwort auf die Frage, wie oft das Gebäude gereinigt wird.

Ende Dezember lief der Vertrag der Bäckerei Bachmeier nach mehr als zehn Jahren aus. Einen Monat lang war die Schalterhalle – abgesehen von den Fahrtzeiten der Berufspendler – gespenstisch leer. Ärger verursacht das vor bald 18 Jahren eröffnete Gebäude bei Fahrgästen schon länger: defekte Aufzüge, viel Müll an Bahnsteigen und in der Schalterhalle. Die Toiletten waren wegen Vandalismus zwischen 2016 und 2018 sogar zwei Jahre lang geschlossen. Nicht nur Busfahrer, die dort ihre Umlaufpause verbringen, machte das wütend. Die Stadt übernahm schließlich die WC-Anlagen von der Bahn und ließ sie für etwa 4000 Euro sanieren. Seither ist sie auch für die Reinigung zuständig.

Gestern Vormittag machte das Männer-Klo keinen sauberen Eindruck – obendrein waren beide Pissoirs voll mit Wasser und Urin. Laut Stadtsprecherin Lena Choi wurden die Toiletten alleine innerhalb der letzten Woche dreimal durch Fremdeinwirkung verstopft. „Der Hauptgrund waren wohl Gummibärchen im Urinal“, schreibt Choi. Jedes Mal habe die Stadt eine Rohrreinigungsfirma die Abläufe säubern lassen müssen. Normalerweise werden die Toiletten zweimal täglich von einer externen Firma gereinigt. „Aber die kann bei so einem Fall von Vandalismus nicht mehr viel ausrichten.“ Die Toiletten werden laut Choi oft beschädigt. Deshalb führe der Betriebshof regelmäßig Kontrollgänge durch. Die Stadt hoffe, dass durch das neue Bistro die Frequenz zu- und der Vandalismus abnimmt.

Vandalismus ist aktuell auch in Herrsching ein Problem. Dort muss sich die Gemeinde weiterhin mit Vandalismus-Schäden herumschlagen. Diesmal im Seewinkel. Und ein Video gibt es gleich dazu. 

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