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In die Verpackungstrommel will Emanuel Schwaiger seine Christbäume nächstes Jahr nicht mehr stecken. Der Starnberger Händler hat eine Wickelmaschine geordert, die die Bäume umweltschonend zusammenschnürt. 

Im Zuge der Klima-Diskussion

Christbaum-Käufer sind strenger mit sich

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Die Sensibilität für Umwelt- und Klimaschutz merken auch Christbaumverkäufer – heuer so sehr wie nie zuvor. Viele Kunden bevorzugen heimische Bäume. Manche wollen sie am liebsten gleich ohne Plastiknetz mitnehmen.

Landkreis – Traditionen sind oft unantastbar – gerade im ländlichen Raum. In Zeiten, in denen ökologische Gedanken die breite Masse erreichen, werden aber auch sie hinterfragt. Der Christbaum im Wohnzimmer ist vielen heilig, das Geschäft läuft gut wie immer, sagen Verkäufer aus dem Landkreis. Und doch merken sie: Die Kunden sind strenger mit sich geworden, fragen mehr nach. Die Tradition muss so umweltverträglich wie möglich sein.

Stefan Dorn, Betreiber der „Manufaktur für Grünes“ in Erling, nimmt die Baumwünsche seiner Kunden besonders ernst. Zuletzt wurde folgender an ihn herangetragen: 3,50 Meter hoch, schmal, Äste bis unten und ein passender Durchmesser für den Ständer. „Ich probiere dann, genau so einen zu finden. Irgendwie muss man sich ja abheben“, sagt Dorn. Die Konkurrenz ist groß – und damit sind es auch die Ansprüche der Kunden. „Die Leute, gerade die jungen, wollen heimische Bäume.“

Viele Käufer fragen mittlerweile nach, wo die Bäume herkommen

Die Frage „Wo kommen die eigentlich her?“ hört Dorn oft. Er holt seine Nordmanntannen auf einer Plantage bei Türkenfeld im Kreis Fürstenfeldbruck. „Ich schlage sie immer recht frisch“, sagt er. Was dem Verkäufer heuer besonders aufgefallen ist: „Manche fragen nach Bäumen, die sie nach Weihnachten in den Garten pflanzen können.“ Dorn empfiehlt dann kleine Zuckerfichten oder Kiefern im Topf.

Emanuel Schwaiger vom Blumengeschäft „Le Fleur“ am Starnberger Bahnhof See bezieht seine Nordmanntannen aus Dänemark über einen Großhändler. Seit 20 Jahren verkauft der 38-Jährige Christbäume, dementsprechend reflektiert spricht er über das Thema. Auf dem Markt werde „viel Etikettenschwindel“ betrieben, sagt er. Schwaiger meint Bäume „aus dem bayerischen Wald“, die in Wahrheit aus Dänemark stammen. Sein Standpunkt: Die gefragte Nordmanntanne sei im Landkreis „nicht wirklich heimisch und wächst in Dänemark wesentlich besser“. Die Erfahrung der Dänen in nachhaltigem Anbau sei beachtlich. „Wir klären unsere Kunden in dieser Hinsicht auf“, sagt Schwaiger.

Viele wollen ihren Christbaum ohne Plastiknetz transportieren

Die Käufer wollen die Bäume immer öfter ohne das Plastiknetz mitnehmen. Schwaiger, selbst umweltbewusst, reagiert im nächsten Advent darauf: Er habe für rund 3000 Euro eine motorisierte Wickelmaschine geordert, die die Bäume zusammenschnürt. „Das ist schon eine finanzielle Belastung. Und es gibt noch wenig Erfahrungswerte. Aber ich will das probieren“, sagt der Händler.

Nach recycelbaren Alternativen schaut sich auch die Tutzinger Gilde um. „Wie es der Zufall will, wurde unser großer Netzvorrat heuer aufgebraucht“, sagt Rudi Sigl. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins, der am vergangenen Samstagvormittag 170 Christbäume verkaufte. Zum ersten Mal hätten „vier oder fünf Kunden“ heuer auf das Netz verzichten wollen. Sigl: „Man merkt, dass Fridays for Future und Co. Wirkung zeigen.“

Wenn sie sich schon einen Baum zulegen, dann wollen sie auch etwas von ihm haben: Diese Rückmeldung bekomme die Tutzinger Gilde immer häufiger, wie Sigl berichtet: „Viele stellen ihre Bäume schon weit vor Heiligabend auf.“

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