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Blick von oben auf die Mure: Unweit des Hohenzollernhauses hat sich ein neuer See gebildet. Das Wasserkraftwerk der Hütte ist durch die Mure nicht mehr in Betrieb - deswegen ist die Zukunft unklar. Das Hohenzollernhaus befindet sich außerhalb des Bildausschnittes links unterhalb des kleinen Zollhäuschen am linken Bildrand. 

Hütte in den Ötztaler Alpen

DAV bangt ums Hohenzollernhaus

Die Sektion Starnberg des Deutschen Alpenvereins (DAV) fürchtet um die Zukunft des Hohenzollernhauses in den westlichen Ötztaler Alpen. Ein Murenabgang hat die Energieversorgung der Hütte gekappt, das ganze Gebiet gilt als instabil. Was ab 2020 aus der Hütte wird, ist völlig unklar.

Starnberg – Die Zukunft des Hohenzollernhauses der DAV-Sektion Starnberg in den Ötztaler Alpen steht nach einem Murenabgang in den Sternen. Das Kraftwerk der Hütte kann nicht mehr betrieben werden. Die laufende Saison überbrückt der DAV mit einem Notstromaggregat, das er zur Hütte hat fliegen lassen. „Wie es nächstes Jahr weitergeht, ist noch unklar“, sagt Sektionsvorsitzender Andreas Graser.

Vor wenigen Tagen gab es einen Murenabgang in der Nähe des Hohenzollernhauses. Am Glockturmgletscher hat sich offenbar ein Gewässer entleert, die Mure ging ab und staut unter anderem den Radurschlbach auf. Ergebnis ist ein zwei Fußballfelder großer neue Gebirgssee, der aus Sicht von Rupert Schuchter, Bürgermeister von Pfunds, eine Gefahr darstellt. Die Gemeinde und die Behörden haben bereits Schritte eingeleitet, Gutachten sind in Arbeit, berichtet die Tiroler Tageszeitung. Erste Arbeiten zur Absenkung des Seespiegels und zum kontrollierten Ablassen des Wassers laufen, wie auch Graser weiß. Die Mure hat den Einlauf des Kraftwerkes zerstört, mit dem die DAV-Sektion das Hohenzollernhaus mit Strom versorgt. Die Hütte selbst sei nicht gefährdet und auch nicht gefährdet gewesen.

Andreas Graser: Geröll würde das Kraftwerk in kurzer Zeit zerstören

Das Kraftwerk liegt einige hundert Meter von der Hütte entfernt am Bach. Genauer: dessen bisherigem Verlauf. Inzwischen fließt das Wasser ganz woanders. Der Einlauf wurde zwar freigelegt – darum hatte sich die Gemeinde gekümmert –, doch liegt Graser zufolge das Gelände nun einen Meter höher als vorher. Und selbst wenn wieder Wasser im alten Bachlauf fließt, muss es sauber sein – Geröll würde das Kraftwerk in kurzer Zeit zerstören.

Die Sektion ließ ein dieselbetriebenes Aggregat zur Hütte bringen, das für die restlichen sechs Wochen dieser Saison den Betrieb sicherstellt. Eine Dauerlösung ist das wohl eher nicht in der Bergwelt, ginge notfalls für ein oder zwei Jahre, sagt Graser. Man wolle der Pächterfamilie helfen, betont er, die durch den langen Winter sowieso keine so gute Saison hat. Eine sofortige Schließung des Hohenzollernhauses wäre für sie existenzbedrohend. Schwierig ist die Lage auch für Kühe, die unweit der Hütte weiden. Die Tiere sind im hinteren Talkessel eingeschlossen und müssen aus der Luft versorgt werden.

Die DAV-Sektion sucht nun nach Lösungen um den Betrieb aufrechtzuerhalten

Fachleute beurteilten das ganze Gebiet als gefährdet, heißt es beim DAV. Diese Skepsis sei „sicher nicht unbegründet“: Vor zwei Jahren zerstörte eine Mure die Talstation der Materialseilbahn. Graser und die Sektion suchen nun Lösungen, wie der Betrieb der Hütte ab 2020 laufen könnte – sonderlich optimistisch sind sie derzeit aber nicht. Dabei hat die Sektion viel Geld in die Hütte investiert, so zuletzt rund 200 000 Euro in eine Biokläranlage.

Seit vier Jahrzehnten gehört die inzwischen seit 96 Jahren bestehende Hütte auf 2123 Meter Höhe dem Starnberger Alpenverein. „Umgeben von einigen mehr als 3000 Meter hohen Gipfeln – von denen der Glockturm mit 3355 Meter der höchste und markanteste ist – liegt die Hütte am Beginn eines idyllischem Hochtales, welches besonders für Familien attraktiv ist“, beschreibt Dieter Becker, zweiter Vorsitzender der Sektion, die Lage. Graser nennt das Haus „eine der schönsten Hütten in Tirol“. Jährlich zählt die DAV-Sektion dort rund 1200 Übernachtungsgäste und ungezählte Tagestouristen.

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