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Die Hände zum Himmel: 117 junge Leute haben heuer ihr Abitur am Gymnasium Starnberg bestanden. Vor der Abschlussfeier stellten sie sich zum Gruppenfoto auf.

117 junge Leute haben ihre Zeugnisse bekommen - Schulleiter freut sich auch über ein moralisches Fundament

Eine Verabredung mit der Zukunft - Starnbergs Abiturienten feiern

Abschied von der Schule: 117 Abiturienten des Gymnasiums Starnberg haben am Freitag ihre Zeugnisse bekommen. Der Festakt in der Schlossberghalle war gekennzeichnet von vielen guten Reden.

Starnberg – Mit einem zweieinhalbstündigen Festakt hat das Starnberger Gymnasium am Freitag seine 117 Abiturienten in der bis zum letzten Platz belegten Schlossberghalle verabschiedet. Eltern, Verwandte, Lehrer, Freunde, Vertreter der Geistlichkeit, der ehemalige Schulleiter Rudolf Zirngibl ließen es sich nicht nehmen, diesen, wie Schulleiter Josef Parsch betonte, „besonders leistungsfähigen Jahrgang“ in einen neuen Lebensabschnitt zu entlassen. Auch Bürgermeisterin Eva John war gekommen, um den Schulabgängern den guten Rat mitzugeben: „Nutzt die Chancen und macht etwas daraus. Versucht, die Welt etwas besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt. Das Rüstzeug dazu habt ihr erhalten.“

„Abios meine lieben Amigos“, rief sie ihnen zum Abschied zu – so etwas wie ein neuer Schlachtruf für Starnberger Abiturienten. Die musikalische Begleitung übernahmen die Schüler Nike Franken, Mara Pfaus, Laura Werny, Lea Müller, Catharina van Douwe, Finn Schindler und die herausragende Lisa Glas, die mit Chopins Revolutionsetüde begeisterte.

Die Festredner schlugen dieses Jahr einen eher nachdenklichen Ton an. So erinnerte die Elternbeiratsvorsitzende Tatjana von Groll-Schacht an all jene afrikanischen Kinder, die davon träumen, in die Schule gehen zu dürfen. „Anders als bei ihnen, ist bei euch der Traum in Erfüllung gegangen“, sagte sie. Der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Gymnasiums Starnberg, Walter Nirschl, riet den Schulabgängern, sich eine Auszeit von einem Jahr zu genehmigen.

Höhepunkt war wie immer die Abiturientenrede, die sich heuer drei Schülerinnen aufteilten. Julia Groß erzählte launig aus dem Schulalltag und den Anwesenheitsüberprüfungen, die für die Schüler Lappalien gewesen seien. „Wir sind sehr kreativ bei Ausreden. Da wurden Katzen von Bäumen gerettet, und businessrelevante Meetings hielten vom Unterricht ab.“ Vanessa Lange erinnerte daran, dass die Schulzeit viel mehr gewesen sei als die Vermittlung von Oxidationszahlen. Nachdenklich machten die Worte von Nike Franken: „Ich sehe Luxus und Hunger, Kinder, die ertrinken, und Wahrheitsfinder hinter Gittern. Es stumpft mich ab. Was soll ich sein, wenn nicht überfordert? Mir wurde alles mit auf den Weg gegeben, um Verantwortung zu tragen. Wir dürfen Kraft haben, vielleicht auch, um die Welt ein wenig zu bewegen.“

Schulleiter Parsch stieg gewohnt geistreich und launig in seine Rede ein, die immer „das personifizierte dicke Ende“ eines jeden Abiturjahrgangs sei, weil sie „die letzte Bewusstseins- und Wissenslücke schließen soll“. Wieder fand er die richtige Balance zwischen Humor und Ernst, Ratschlag und Lob, ging auf gesellschaftliche und politische Themen ein und erinnerte daran, dass die Abgänger in der Schulzeit auch ein moralisches Fundament mitbekommen hätten. „Ermutigend“ nannte er die Freitagsdemonstrationen. „Engagement und Verantwortung können nicht immer bequem sein. Weltwirtschaft, Bildung, Migration, Arbeitswelt, Datenschutz, soziale Medien und Populismus in Deutschland brauchen Lösungen.“ Parsch zeigte Verständnis dafür, dass das alles Angst macht, und ermutigte seine Abgänger: „Ihr habt eine Verabredung mit der Zukunft. Geht los.“    ak

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