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Am liebsten ist sei bei den Kälbern: Dorfhelferin Johanna Ortwein, hier auf einem Hof in Höhenrain.

Johanna Ortwein und ihre Einsätze in der Not

Einsatz für Haus, Hof und Hinterbliebene: Das ist die einzige Dorfhelferin im Landkreis Starnberg

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Wenn Bäuerinnen krank werden, Landwirten die Arbeit über den Kopf wächst oder Familien in Not sind, rufen sie Johanna Ortwein. Die einzige Dorfhelferin im Landkreis muss flexibel wie kreativ sein – und die 22-Jährige ist auch für seelische Unterstützung ausgebildet.

Landkreis– Früher Feierabend machen zwischen den Jahren oder gar nicht erst arbeiten, weil die Firma über Weihnachten und Silvester zusperrt – für Johanna Ortwein ausgeschlossen. Solche Regeln existieren schließlich weder auf Bauernhöfen noch in Privathaushalten. Aber genau das ist Ortweins Einsatzgebiet. Die 22-Jährige ist die einzige Dorfhelferin im Landkreis – und ziemlich gefragt.

Familien, meistens Landwirte, schalten sie ein, wenn sie in einer Notsituation nicht mehr weiter wissen, oft dann, wenn die Frau des Hauses erkrankt ist. Denn sie ist nicht selten Hoforganisatorin, Mutter, Hausfrau und Altenpflegerin in einer Person. Ortwein, erst seit wenigen Monaten aktiv, wurde schnell mit großen Herausforderungen konfrontiert: „Man muss spontan und kreativ sein“, sagt sie. „Jeder kocht anders, jeder melkt anders. Darauf muss ich mich einlassen.“ Ortwein muss sich ständig in neuen Küchen und Ställen zurechtfinden und nebenbei putzen, Kinder betreuen, Babys wickeln und Wäsche waschen.

Derzeit pendelt sie zwischen vier Familien aus Traubing, Höhenrain, Geisenbrunn und Hochstadt. Weite Wege für die junge Frau, die in Mauern, einem Ortsteil der Gemeinde Grafrath im Kreis Fürstenfeldbruck wohnt, sich aber ganz bewusst für den Landkreis Starnberg entschieden hat. Wegen seines ländlichen Charakters: „Mich um die Kälber zu kümmern und im Stall zu helfen, das ist meine Leidenschaft“, sagt Ortwein. Der Auslöser dafür war nicht etwa ein familiärer Hintergrund – sondern ein zweiwöchiger Melkkurs während der Ausbildung zur Hauswirtschafterin. „Der hat mir sehr viel Spaß gemacht.“

„Man muss spontan und kreativ sein. Jeder kocht anders, jeder melkt anders.“

Zwischen drei und acht Wochen hilft Ortwein auf Höfen oder in Haushalten mit. Ihre Unterstützung kann bei der Krankenkasse beantragt werden (siehe Kasten). Nicht nur, wenn jemand schwanger ist, körperlich erkrankt ist oder eine Operation bevorsteht. Sondern auch in Trauerfällen: „Familienpsychologie war ein Teil der Ausbildung“, sagt Ortwein. „Man setzt sich mit den Menschen hin, hört zu und hilft ihnen dabei, mit dem Verlust klarzukommen.“ In der Praxis hatte Ortwein noch mit keinem derartigen Fall zu tun. Allerdings mit psychischen Krankheiten. Sie half einer alleinerziehenden Mutter, der die Kraft für den Alltag fehlte. „Sie ist nicht mehr aus dem Bett gekommen“, sagt die 22-Jährige.

Dass das Wort helfen in Ortweins Berufsbezeichnung steckt, passt einfach. Sie betont im Gespräch mit dem Starnberger Merkur mehrmals: „Für mich ist es das Wichtigste, denen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Ich kann abends ins Bett gehen und hatte einen erfüllten Tag.“ Die größte Belohnung für ihren Einsatz bekommt Johanna Ortwein direkt auf den Bauernhöfen. „Wenn der Bauer sich bei mir für alles bedankt oder ein Kälbchen zur Welt kommt – dann weiß ich, warum ich das mache.“

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Wenn die Hilfe direkt ankommt: Die Osteuropahilfe für die Landkreise Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen hat für 2020 ein neues Projekt. Sie will sich an Bauprojekten in der Ukraine beteiligen und sucht Paten für Familien.

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