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Diese abgebrochenen Fichten-Wipfel bieten gewissen Borkenkäfern ideale Brutstätten. Deswegen fordern Fachleute wie der Starnberger Revierleiter Martin Springer (r.) Waldbesitzer auf, ihre Wälder aufzuräumen – und das so schnell es geht. 

Fachleute befürchten große Schäden durch Borkenkäfer

Förster in Sorge: „Bitte räumt den Wald auf“

Waldbesitzer und Behörden schlagen Alarm. Durch Sturm- und Schneeschäden sind viele Bäume abgebrochen oder entwurzelt. Sie sollten noch vor dem ersten Borkenkäferflug aus dem Wald geholt werden. Ansonsten droht Gefahr für den Bestand.

Hanfeld/Landkreis – Einen Borkenkäferbefall von gewaltigem Ausmaß gab es im Landkreis im vergangenen Jahr. Allein in dem Waldgebiet nördlich der A 96 zwischen Gilching und Etterschlag machte der Käfer rund 10 000 Fichten den Garaus (wir berichteten). Jetzt warnen die Waldbesitzervereinigung Starnberg und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weilheim erneut vor dem Borkenkäfer. Bei einer Waldbegehung am Donnerstag bei Hanfeld verdeutlichte Martin Springer, Revierleiter für das Forstgebiet Starnberg, die wichtigste Gegenmaßnahme: aufräumen.

Zwischen den Fichten in den Wäldern liegen überall abgebrochene Wipfel, manche Bäume sind ganz entwurzelt. „Das ist das Bild in vielen Fichtenbeständen im Landkreis“, sagt Springer. Besonders stark betroffen ist diesmal der mittlere und südliche Landkreis Richtung Frieding, Machtlfing und Andechs.

Der Grund: Im zurückliegenden Winter fiel besonders viel und besonders nasser Schnee. Die schwere Schneelast hat die Baumwipfel vor allem der Fichten abbrechen lassen. Zudem wehte in letzter Zeit häufig starker Wind, der viele Bäume entwurzelte. „Das ist brandgefährlich“, warnt Springer. Denn frisch abgestorbenes Holz ist ein idealer Nährboden für den Schädling. Der erste Brutraum müsse dem Borkenkäfer unbedingt genommen werden, sagt Springer. Waldbesitzer sollten also abgebrochene Bäume und Wipfel so schnell wie möglich entfernen. „Sonst kann es sein, dass wir dieses Jahr unser blaues Wunder erleben“, befürchtet der Revierförster.

Der Borkenkäfer überwintert im Waldboden. Erst wenn die Lufttemperatur mehrere Tage bei mindestens 16,5 Grad liegt, wird er aktiv und legt seine Eier unter der Rinde von Fichten ab. Das passiert normalerweise zwischen April und Anfang Mai. Für die Fichten in Mitteleuropa sind zwei Arten ein Problem: der Kupferstecher und der Buchdrucker. Der Kupferstecher ist gerade so mit bloßem Auge erkennbar und befällt die Baumwipfel. Für ihn sind die am Boden liegenden Baumwipfel eine ideale Brutstätte. Der Buchdrucker ist größer und befällt den noch stehenden Stamm.

Die beste Art, den Käfer zu bekämpfen ist laut Springer „Saubere Waldwirtschaft“. Zwar sei es gut für den Wald, wenn dort auch Totholz liege. Aber: „Das ist eher in Laubbeständen angebracht.“ In Fichtenwäldern könne es dagegen gefährlich werden.

Waldbesitzer sollten aber nicht nur das am Boden liegende Holz aufräumen. Auch die noch stehenden Bäume mit abgebrochenen Wipfeln müssen möglicherweise gefällt werden. Die Bruchstelle ist nämlich anfällig für Fäule. Der Baum sollte nur stehen bleiben, wenn mindestens fünf grüne Astquirle zu sehen sind, empfiehlt der Fachmann. Das sind die Äste, die in gleicher Höhe am Stamm wachsen und im Querschnitt sternförmig ausschauen.

Unterstützung finden Waldbesitzer bei Unternehmen, die mit Harvestern, also großen Maschinen, Bäume fällen und zu verkaufsfähigem Holz verarbeiten. Das Problem: Obwohl es rund 50 dieser Unternehmen im Landkreis gibt, kann es Wochen dauern, bis sie Zeit haben. Und wenn der Nachbar seinen Wald nicht pflegt, kann es sein, dass die ganze Arbeit umsonst ist. In dieser Gegend gebe es viele „urbane Waldbesitzer“, sagt Springer. Also Menschen, die in Städten auf der ganzen Welt leben und nicht vor Ort sind, um sich um ihren Wald zu kümmern. „An die müssen wir erst mal rankommen“, sagt er. Den kommenden Jahren sieht der Förster mit Besorgnis entgegen. Grund: der Klimawandel. „Wenn wir viele warme Sommer haben, tut das dem Käfer gut.“ Dann werde der Schädling möglicherweise zum Dauerproblem.

Von Isolde Ruhdorfer

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