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Die Grünen - hier bei einer Wahlkampfveranstaltung im Sommer 2018 - haben bereits massiven Widerstand gegen das Projekt angekündigt.

Stadtrat bringt Herausnahme aus Landschaftsschutz auf den Weg

Gewerbegebiet Schorn soll „Projekt für die ganze Region“ werden

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Der Stadtrat hat am Donnerstagabend die Planungen für das Gewerbegebiet Schorn einen großen Schritt vorangebracht. Mit großer Mehrheit stellte er den erforderlichen Bebauungsplan auf und beauftragte die Verwaltung, die Herausnahme der Fläche aus dem Landschaftsschutz zu beantragen.

Schorn – Wenn es um das Gewerbegebiet Schorn geht, dann schwelgen die Verfechter gerne in Superlativen. Ekkehart Fabian, Geschäftsführer des Entwicklers Asto, etwa sprach am Donnerstagabend im Stadtrat von einer „Strahlkraft“, die von dem Gebiet ausgehen werde. Die Fläche östlich der A 95 biete eine „einmalige Chance“ für den Versuch, „die Arbeitswelt der Zukunft abzubilden“. Mehr als eine Stunde lang präsentierten Fabian, Landschaftsarchitektin Irene Burkhardt (Büro BEM), Stadtplaner Christian Böhm (Büro BGSM) und Rechtsanwalt Dr. Jürgen Busse Stadträten und Öffentlichkeit den derzeitigen Planungsstand.

Der Bestand

Die Fläche, über die gesprochen wird, ist 47 Hektar groß. 35 Hektar davon würden derzeit als Ackerfläche genutzt, 6 Hektar seien Bannwald, 2,6 Hektar Grünland und 3,4 Hektar Restflächen, rechnete Burkhardt vor. Auf einem Großteil der Fläche werde intensive Landwirtschaft betrieben. Das Gebiet liegt innerhalb des Geltungsbereichs des insgesamt 2414 Hektar großen Landschaftsschutzgebiets „Starnberger See – Ost“. Um es bebauen zu können, muss es aus diesem Geltungsbereich herausgenommen werden. Dafür ist der Kreistag zuständig. „Dafür müssen wir gute Argumente haben“, sagte Busse. Ein Vorteil sei, dass es mit Asto nur einen Partner gebe, der Lösungen aus einer Hand und ein Generalmanagement auch in Zukunft anbiete. Der Naturschutz spiele eine große Rolle. Busse: „Ich hoffe, dass wir damit den Kreistag überzeugen können.“

Flora und Fauna

In dem Gebiet sind nach Angaben Burkhardts 13 Fledermausarten und 58 Vogelarten nachgewiesen. Davon seien 44 Vogelarten weit verbreitet und ungefährdet, 14 seien in einer Gefährdungskategorie aufgeführt. Unter anderem lebe dort die Goldammer, für die Ausgleichsmaßnahmen geschaffen würden. Schutzwürdige Biotope gebe es in dem Bereich nicht, sagte die Architektin.

Die Planung

Grundsätzlich sieht die Planung vor, dass zwei Fünftel der Fläche mit Gebäuden, Straßen und dergleichen bebaut werden, drei Fünftel sollen Grünfläche bleiben. Das Nettobauland (inklusive privater Grünflächen) beträgt 21,5 Hektar, dazu kommen 4,9 Hektar öffentliche Verkehrsflächen. Anstelle des bisher sechs Hektar großen Bannwaldes, der gefällt werden müsste, sind im Süden zehn Hektar sogenannter Hutewald vorgesehen, in dem später einmal Pferde weiden sollen. Generell wollen die Planer viel Grün zwischen den Gebäuden haben.

Die Gebäude

Es sind insgesamt vier Quartiere vorgesehen, die sich jeweils um eine zentrale Mitte gruppieren. Die Gebäude sollen möglichst in den Senken des Areals liegen, nicht höher als die bestehenden Bäume und maximal viergeschossig werden, erklärte Planer Böhm. Sie sollen also von außerhalb kaum wahrnehmbar sein. Die einzelnen Baufelder sind maximal 70 Meter tief. Die Art der Nutzung steht noch nicht fest, allerdings sind großflächiger Einzelhandel, Lager- und Logistikunternehmen, Schwerindustrie sowie Vergnügungsstätten nach wie vor ausgeschlossen.

Die Infrastruktur

Die Menschen, die künftig in Schorn arbeiten, sollen sich auch dort versorgen können. Das heißt, es wird Geschäfte für den täglichen Bedarf genauso geben wie Gaststätten. Auch ein Boardinghouse ist vorgesehen, ebenso eine Kinderbetreuung.

Der Verkehr

Die Anbindung erfolgt über einen Autobahnhalbanschluss an die A 95. Inwieweit weitere Erschließungen, etwa über die Autobahnmeisterei, möglich sind, ist noch offen. Pro Quartier ist ein Parkhaus vorgesehen. Motorisierter Verkehr innerhalb des Gewerbegebiets ist darüber hinaus nicht erwünscht, es sei denn, es handelt sich um Formen der Elektromobilität. Paketdienste wollen die Entwickler an einem zentralen Punkt abfangen und von dort aus die Fracht weiterverteilen. Zudem sind Bus-Anbindungen nach Starnberg (S-Bahn) und Fürstenried-West (U-Bahn) geplant.

Die Versorgung

„Eine zukunftsgerichtete Energiever- und -entsorgung ist Teil des Gesamtkonzepts“, heißt es in der Rathausvorlage. Dazu gehören Dachbegrünungen und der Bau eines Blockheizkraftwerks. „Es wird uns aber nicht gelingen, allen Strom dort zu erzeugen, der dort auch verbraucht wird“, räumte Böhm ein.

Die Diskussion

Die Grünen fühlten sich wie im falschen Film. „Ich habe noch in keinem Vortrag das Wort Grün so sehr gehört wie hier“, empörte sich Martina Neubauer. Sie kündigte Widerstand gegen das Projekt „auf allen Ebenen“ an. „Die Natur ist unser größter Schatz“, sagte auch Tim Weidner (SPD) und sprach sich für eine abgespeckte Version aus. Es sei wichtig, Unternehmen eine Perspektive zu zeigen, „aber wir wollen kein Groß-Gewerbegebiet“.

„Wir können nicht nur von Luft und Liebe leben“, entgegnete Stefan Frey (CSU). Starnberg benötige Einnahmen aus der Gewerbesteuer, um seinen Standard halten zu können. „Es wäre verantwortungslos, wenn wir diese Planung nicht vernünftig zu Ende bringen“, sagte Angelika Kammerl (Parteifreie). „Endlich nimmt die Planung Gestalt an“, freute sich Josef Pfister (BMS). Winfried Wobbe (UWG) befürchtete eine Zunahme des Verkehrs vor allem in Wangen und Percha. Bürgermeisterin Eva John sprach von einem Projekt, das sich zwar auf Starnberger Flur befinde, letzten Endes aber für die ganze Region sei.

Der Beschluss

Gegen die Stimmen von Grünen und SPD billigte der Stadtrat das Planungskonzept und beschloss die Aufstellung eines Bebauungsplans. In diesem Verfahren können auch Träger öffentlicher Belange wie Naturschutzverbände Stellungnahmen abgeben. Darüber hinaus beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, die Herausnahme des Gebiets aus dem Landschaftsschutz zu beantragen und eine vertragliche Vereinbarung mit der Firma Asto zu schließen, die die weiteren Schritte regelt.

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