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Ein Vorfall auf dem Gelände der Golfanlage Gut Rieden in Starnberg stand kürzlich vor Gericht. (Symbolbild)

Vorfall auf Gelände von Gut Rieden v

Kommt ein Golfball geflogen ...

Ein Golfball, der einer Ärztin auf dem Gelände von Gut Rieden aufs Auto flog, beschäftigte kürzlich das Landgericht in München. Nachdem das Starnberger Amtsgericht der Geschädigten Recht gab, legte die Golfplatz-Leitung Berufung ein.

Starnberg – Es sollte ein wunderbarer Muttertagsausflug werden. Geplant war ein Essen mit der Großmutter im Restaurant der Golf-Anlage Gut Rieden. Doch bei der Anfahrt am 13. Mai 2018 krachte einer Münchner Ärztin (46) ein heranfliegender Golfball auf die Motorhaube. Sie und ihre Kinder (7 und 10 Jahre) erschreckten sich heftig. Gottlob wurde niemand verletzt.

Jetzt hat der Vorfall ein gerichtliches Nachspiel. Die Medizinerin verklagte die Golf- und Freizeit-Anlage auf Schadenersatz. 1800 Euro verlangte die Ärztin für die Reparaturkosten und den Nutzungsausfall. Gut Rieden habe die Verkehrssicherungspflicht verletzt, so ihre Argumentation.

Tatsächlich handelt es sich bei der Anfahrtsstraße, dem Riedener Weg, um eine öffentliche Straße – allerdings mit eingeschränkter Nutzung. „Anlieger frei“ steht auf einem Schild. Rechts und links des Weges liegt der Golfplatz. Parallel zur Anfahrtsstraße befindet sich der Übungsplatz, die so genannte Driving-Range. Von dort aus kam der Golfball, der es nach einem missglückten Abschlag sogar über die zweieinhalb Meter hohe Tujenhecke schaffte. Einen Fangzaun gibt es wegen des Vogelschutzes nicht. Im Restaurant wies die Klägerin sofort auf den Schaden hin. Sie erntete eine abweisende Reaktion. Bei der Straße handele es sich um eine Anlieger-Zufahrt, bekam sie zu hören.

Die Golfplatz-Leitung legte gegen das erste Urteil Berufung ein

Die 46-Jährige erhob Klage, zunächst vor dem Amtsgericht Starnberg – und bekam Recht. Gegen das Urteil legte die Golfplatz-Leitung Berufung ein, die gestern vor dem Landgericht München II verhandelt wurde. Es sei untypisch, dass ein Golfball ein Auto treffe, argumentierten die Golfer. Zudem hätten die Betreiber nicht damit rechnen müssen, dass dort ein Auto fährt. Die Nutzung des Weges sei schließlich nur Anliegern berechtigt und die Ärztin hätte kein Anliegen gehabt.

Das sah das Gericht anders. „Eine Person, die ein Anliegen bei einem Anlieger hat, ist selbstverständlich ein Anlieger“, bemerkte der Vorsitzende Richter. Dass nichts anderes als ein Ball der Golfanlage die Beschädigung verursacht hatte, stand für ihn außer Frage. „Was denn sonst?“, fragte der Richter, „Ein Asteroid? Also es ist nichts gemeldet worden.“ Der Weg hätte mit einer Schranke gesperrt oder einem Hinweisschild versehen werden müssen, auf dem steht: „Achtung! Fliegende Golfbälle.“ Die Richter schlossen sich der Entscheidung aus erster Instanz an und gaben der Klage statt. Auf den Golfplatz-Betreiber kommt eine Rechnung über 1800 Euro zu.  

Andrea Walser 

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