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Mehr als 30 Jahre lang war Konrad Schreiegg (l.) Stadtpfarrer in Starnberg. Sein Freund aus Schultagen, der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, würdigte ihn nun im Stadtrat. Das Gremium hatte zuvor beschlossen, eine Straße im Neubaugebiet am Wiesengrund nach Schreiegg zu benennen.

Straßen im Neubaugebiet am Wiesengrund benannt

Große Ehre für große Starnberger - und eine emotionale Rede von Theo Waigel

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Der Stadtrat hat am Dienstagabend einstimmig entschieden, die Straßen im Neubaugebiet am Wiesengrund nach Konrad Schreiegg, Hans Beigel, Adalbert Kinzinger und Johanna Solf zu benennen. Im Anschluss hielt der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel eine emotionale Rede auf seinen Schulfreund Schreiegg.

Starnberg – Beifall im Starnberger Stadtrat – das kommt äußerst selten vor. Am Dienstagabend war es mal wieder soweit. Es gab Beifall für Theo Waigel, der in einer emotionalen Rede seinen Schulfreund Konrad Schreiegg gewürdigt hatte. Der 81 Jahre alte frühere Bundesfinanzminister und CSU-Chef und der im Jahr 2012 verstorbene langjährige Starnberger Stadtpfarrer wuchsen beide im schwäbischen Ursberg auf und waren Freunde fürs Leben. „Es war eine unverbrüchliche Freundschaft“, sagte Waigel.

Als es nun darum ging, eine Straße im Neubaugebiet am Wiesengrund nach Schreiegg zu benennen, hatte die Stadt Waigel eigens eingeladen. Auch der amtierende Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall, sein evangelischer Amtskollege Dr. Stefan Koch und der frühere evangelische Pfarrer Ernst Kunas waren unter den Zuschauern. Der Beschluss für die Namensnennung fiel einstimmig und ohne Diskussion. Neben Konrad Schreiegg werden auch Hans Beigel, Adalbert Kinzinger und Johanna Solf mit einer Straße in dem Neubaugebiet gewürdigt.

Straßen am Wiesengrund nach Persönlichkeiten benannt

Waigel vernahm die Entscheidung mit großer Freude. „Konrad Schreiegg fehlt uns, und er fehlt mir“, sagte er. „Aber mit einer Straße in Starnberg bleibt er lebendig, auch für seine Freunde.“ Über die vielen Verdienste Schreieggs wollte Waigel keine Worte verlieren. Stattdessen stellte er zunächst „die liebenswürdigen Schwächen“ in den Fokus. „Gehorsam war er nicht, weder gegenüber weltlichen noch geistlichen Obrigkeiten. Er war selbstbewusst und sich seiner Stärken bewusst“, charakterisierte Waigel seinen Freund, der auch in schwersten politischen Stunden immer zu ihm gestanden habe.

„Er war bescheiden nur in Maßen, friedfertig nicht immer und allergisch gegen jede Kontrolle.“ Noch gut könne er sich erinnern, als sich Schreiegg bei einer Veranstaltung einmal schnurstracks neben den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gesetzt und mit ihm über Politik gesprochen habe. Zudem sei er „ein schwieriger Autofahrer“ gewesen, der schnell und riskant gefahren sei.

Ex-Minister Waigel spricht über alten Freund

Aber Schreiegg sei auch „ein leidenschaftlicher Seelsorger“ gewesen und er habe „die beste Jugendarbeit gemacht, die man sich vorstellen kann“, betonte Waigel. „Priester und Bürger war für ihn kein Gegensatz. Er war Christ und Demokrat und schätzte Toleranz und Pluralität.“ Schon vor zwanzig Jahren habe er einen öffentlichen Diskurs zum Thema Missbrauch gestartet, der teils heftigen Widerspruch ausgelöst habe. „Ursberg war sein Ursprung, Starnberg seine Bestimmung“, sagte Waigel. „In Starnberg fühlte er sich wohl, das weiß ich.“

„Wo Konrad Schreiegg war, waren Leben, Frohsinn und Begeisterung“, betonte Waigel zum Schluss seiner Rede. Die Erinnerung an diese Persönlichkeit soll künftig auch die neue Straße lebendig halten.

So würdigt die Stadt die vier Namensgeber

Konrad Schreiegg, geboren 1934 in Ursberg, gestorben am 12. April 2012 in Krumbach: Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Starnberg am 11. Juli 2007 als Anerkennung für die über 30-jährige seelsorgerische Tätigkeit in der Stadtpfarrei St. Maria Hilfe der Christen und den unermüdlichen Einsatz für das kirchliche und gesellschaftliche Leben in Starnberg.

Hans Beigel, geboren 1926 in Hanfeld, gestorben 2015: Der ambitionierte Geschichtsforscher und Chronist sowie ehemalige Direktor des Vermessungsamtes Starnberg widmete sich der Geschichte und Traditionen der Starnbergs. Sein Wissen ist bis heute ein wertvolles und unschätzbares Archiv für Vereine, Feuerwehren, Journalisten und die Stadt selbst. Die Stadt Starnberg verlieh ihm 2010 die Bürgermedaille. In Nachrufen zu seinem Tod wurde er als „geschichtliches Gewissen der Stadt“ gewürdigt.

Adalbert Kinzinger, geboren am 20. April 1836, gestorben am 26. Juni 1892: Der Gold- und Silberschmied gründete 1862 die Freiwillige Feuerwehr Starnberg als erste Feuerwehr im Gebiet des heutigen Landkreises Starnberg. Bisher erinnert eine Gedenktafel vor dem Feuerwehrhaus an der Ferdinand-Maria-Straße an ihn.

Johanna Solf, geboren am 14. November 1887 in Neuenhagen, gestorben am 4. November 1954 in Starnberg: Sie war Mitglied der deutschen Widerstandsbewegung und sah sich als Mitstreiterin für den Kampf für Frieden, Recht und Humanität. Nach ihr ist der Solf-Kreis benannt. Sie überlebte das Konzentrationslager und sagte in den Nürnberger Prozessen als Zeugin aus.

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