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Hasskommentare und Bedrohungen gegen Politiker sind in sozialen Netzwerken wie Facebook keine Seltenheit. (Symbolbild) 

Politikerinnen aus Starnberg berichten

Hass und Bedrohung im Netz

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Wie eine Umfrage kürzlich zeigte, werden weibliche Politikerinnen oft Ziel von Hassattacken und Bedrohung in sozialen Netzwerken. Zwei Landtagsabgeordnete aus Starnberg berichten von ihren Erfahrungen.

Landkreis –Beleidigungen, Hetze und Drohungen sind im Netz schon lange keine Seltenheit mehr. Besonders wer in der Öffentlichkeit steht, kann leicht zum Ziel solcher Angriffe werden. Laut einer Umfrage des ARD-Politmagazins report München wurden 87 Prozent der weiblichen Bundestagsabgeordneten bereits Ziel von Bedrohung und Hass im Internet. Auch die Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Starnberg, Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU) und Anne Franke (Grüne), erlebten in ihrer politischen Laufbahn Hass und Bedrohungen. Teils im Netz, teils persönlich.

„Als ich mich damals für die Windräder in Berg ausgesprochen habe, lautete ein Kommentar im Internet: Man wünsche mir Atommüll im Wohnzimmer, damit ich mal verstehe, was das heißt“, erzählt Eiling-Hütig. Einen „kleinen Shitstorm“ habe die 51-Jährige auf einer Internetseite ausgelöst, weil sie Donald Trump in einer Plenarsitzung als Populist bezeichnet hatte. „Man muss sich als Politikerin schon Beleidigungen gefallen lassen und ich glaube zu hundert Prozent, dass das Ausmaße annehmen kann, bei denen man Angst bekommt“, sagt Eiling-Hütig.

Eiling-Hütig: „So etwas macht einen schon betroffen“

Sie selbst habe noch nie Angst um ihre Gesundheit gehabt, von der Mail einer Internet-Nutzerin sei sie aber sehr betroffen gewesen. „Es ging um Vergewaltigungen durch Flüchtlinge und die Dame hat mir in dem Kontext geschrieben: „Ich will ja nicht hoffen, dass Ihre Tochter und Sie nicht auch mal in so eine Situation kommen“, berichtet Eiling-Hütig. „Natürlich ging von ihr selbst keine konkrete Bedrohung aus, aber so etwas macht einen schon betroffen.“

Dr. Ute Eiling-Hütig zog im Jahr 2013 für die CSU in den Bayerischen Landtag ein. 

Dennoch versucht sie, auf solche Mails nicht zu reagieren. Daran hält sich auch Grünen-Politikerin Anne Franke. „Ich hatte bisher einmal mit einer Bedrohung zu tun“, erzählt die 64-Jährige. Das sei aber bereits vor etwa zehn Jahren gewesen und die Nachrichten hätten sie damals per Mail und Telefon erreicht. „Ich habe den Kontakt zu diesem Menschen völlig abgebrochen und sichergestellt, dass ich nichts mehr mit ihm zu tun habe“, berichtet Franke. Beleidigungen und Bedrohungen über Social-Media-Netzwerke hätten in ihrem Umfeld in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt die 64-Jährige. „Das liegt zwar auch daran, dass soziale Netzwerke immer mehr genutzt werden, aber ich denke, Beleidigungen an sich haben ebenfalls zugenommen.“

Anne Franke ist Grünen-Politikerin und sitzt seit 2018 im Bayerischen Landtag.

Gestiegener Aggressionsgrad, weniger Anonymität

Das denkt auch Eiling-Hütig. „Wenn ich es vergleiche mit vor fünf oder zehn Jahren ist der Aggressionsgrad auf jeden Fall gestiegen“, sagt sie. „Und viele Nutzer verstecken sich nicht mehr hinter der Anonymität des Netzes.“ Beide Politikerinnen fragen sich, wie man Hasskommentaren gegensteuern kann. „Wenn die Person identifizierbar ist, sollte man sie damit konfrontieren, was sie da losgelassen hat“, schlägt Eiling-Hütig vor. „Ansonsten müssen Nutzer gesperrt werden und angezeigt, wenn etwas strafrechtlich relevant ist.“

Franke findet, dass Sanktionierung und Bildung gleichermaßen wichtige Gegenmaßnahmen sind. „Es ist eine Frage von Bildung, sich ernsthaft mit anderen Argumenten auseinanderzusetzen“, sagt die 64-Jährige. „Es muss wieder mehr gelehrt werden, den Respekt voreinander zu bewahren. Für sinnvoll halte ich zum Beispiel Streitschlichterprogramme in Schulen.“

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