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Schutt und Geröll haben die Landschaft am Hohenzollernhaus verändert. Ob die Gefahr weiterer Muren besteht, ist noch unklar.

Möglicherweise Gefahr weiterer Muren

Hohenzollernhaus des DAV - im Schatten eines instabilen Berges

Das von einer Mure teilweise verschüttete Kraftwerk des Hohenzollernhauses des DAV Starnberg läuft wieder. Ob das reicht, den Betrieb 2020 wie bisher fortzusetzen, ist allerdings noch offen – der Berg oberhalb ist instabil.

StarnbergEs war ein schwerer Schlag für den Deutschen Alpenverein in Starnberg: Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren wurde die Sommersaison der Sektionshütte Hohenzollernhaus in den Ötztaler Alpen von einem Murenabgang überschattet (wir berichteten). Einen zusammenfassenden Bericht mit eindrucksvollen und schockierenden Fotos über die Ereignisse und die engagierte Arbeit nach dem Murenereignis am 14. August lieferte Andreas Graser, Vorstand der DAV-Sektion. Die Zukunft der Hütte ist nach wie vor ungeklärt.

Ursache für den Abgang sei Schmelzwasser gewesen, das sich zu einem ober- und unterirdischen Gebirgssee aufgestaut hatte. „Das ist die sichtbar gewordene Klimaerwärmung“, erklärt Graser die Gefahr, die das schmelzende Wasser für einen Berg darstellt. Durch den immer weiter steigenden Druck des Wassers habe sich schließlich die Mure losgelöst. Die Folgen waren verheerend: Der Bach, der unterhalb des Glockturms (3353 Meter) durch das Hüttengebiet fließt, wurde durch den Bergrutsch aus Stein, Geröll und Sand verschüttet. Am Morgen des 14. August wusste davon niemand. „Der Hüttenwirt hat uns angerufen, dass kein Strom mehr auf der Hütte ist. Die Hohenzollernhütte war voll belegt“, berichtete Graser. Normalerweise wird die Hütte von einem Wasserkraftwerk mit Strom versorgt. Die Turbine sei „metertief unter Schutt begraben“ gewesen – und das war nicht der einzige Schaden.

Graser lobt die starke Unterstützung der österreichischen Behörden

In Österreich wurde wegen der Mure Katastrophenalarm ausgerufen. Mit einem Helikopter ließ der DAV ein Notstromaggregat in die Berge fliegen. Graser betont die starke Unterstützung vonseiten der österreichischen Behörden; in tagelanger Arbeit war der Einlauf zur Turbine von Steinen und Schutt befreit worden. Trotz Rückschlägen, wie dem Regen, der erneut Steine in die Turbine spülte, sei die Anlage Mitte September zumindest wieder soweit hergestellt gewesen, dass sie theoretisch funktioniert hätte, so Graser. Mithilfe des Notstromaggregats sei es gelungen, die Sommersaison zu retten und eine Schließung zu verhindern.

Wie es im Frühjahr 2020 weitergeht, ist dagegen noch offen. Problematisch sei, dass das gesamte Gebiet um den Glockturm in Bewegung und damit labil sei. Es sei unklar, ob sich schmelzendes Gletschereis zu weiteren Wasserblasen sammele und die Gefahr weiterer Murenabgängen bestehe. Auch wenn die Wasserturbine im Probebetrieb wieder gelaufen ist, stehe in den Sternen, ob der Betrieb jemals wieder wie zuvor funktionieren wird. „Wir haben keine Kosten gescheut, um alles Mögliche zu tun“, so Graser, der darin eine Verpflichtung und Treue gegenüber der Sektionshütte sieht. Für Skitourengänger ist die Hütte in der Wintersaison zunächst als Selbstversorgerhütte geöffnet.

von Annkathrin Stich

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