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Hobbykoch im Rathaus: Patrick Janik ist ab 1. Mai Starnberger Bürgermeister. Ein Rezept für die ersten Tage im Amt hat sich der 43-Jährige schon zurechtgelegt.

Der neue Bürgermeister Patrick Janik im großen Interview

„Ich bin mir der Erwartungshaltung bewusst“

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Starnbergs neuer Bürgermeister Patrick Janik tritt am 1. Mai das Amt an. Im Interview mit dem Starnberger Merkur spricht er über den Wahlausgang, den künftigen Umgang miteinander und was ihm politisch wichtig ist.

Starnberg – Während in vier Gemeinden des Landkreises Starnberg am vergangenen Sonntag Stichwahlen um das Bürgermeisteramt stattfanden, konntesich Patrick Janik entspannt zurücklehnen. Der 43 Jahre alte Kandidat von CSU, UWG, SPD und BLS hatte bereits im ersten Wahlgang vor zwei Wochen einen in der Höhe nicht für möglich gehaltenen Sieg eingefahren. Janik erhielt 51,7 Prozent der Stimmen und ließ Amtsinhaberin Eva John (BMS), Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) und Marc Fiedler (FDP) damit klar hinter sich. Zum 1. Mai wird der Sohn des früheren Dresdner und Münchner Landrats Heiner Janik neuer Bürgermeister. Mit dem Starnberger Merkur traf sich der verheiratete Jurist am Telefon zum ersten großen Interview nach seiner Wahl.

Herr Janik, die meisten Beobachter hatten damit gerechnet, dass auch in Starnberg eine Stichwahl um das Bürgermeisteramt erforderlich ist. Nun kam alles anders, wie wir wissen. Haben Sie Ihren Erfolg schon verdaut?

So langsam dämmert es mir, obwohl es immer noch ein bisschen surreal ist.

Inwiefern?

Es wurde mir während des Wahlkampfs bewusst, dass ich eine gute Chance habe zu gewinnen. Dennoch war ich fest davon ausgegangen, dass es einen zweiten Wahlgang geben wird. Ich hatte sogar schon die Stichwahlplakate in Auftrag gegeben.

Was ist aus denen geworden?

Ich konnte den Auftrag zum Glück noch in Danke-Plakate ändern.

Lassen Sie uns den Wahlabend noch mal kurz Revue passieren, den Sie ja wegen der Corona-Krise zusammen mit Ihrer Frau und Ihrer Schwägerin zu Hause erlebt haben. Was war los bei Ihnen, außer dass Ihre Schwägerin „We Are The Champions“ aufgelegt hat?

Ich habe mir gegen acht, halb neun erlaubt, einen Happen zu essen. Danach hatte ich 143 Whatsapp-Nachrichten auf dem Handy. Es kamen dutzendweise Anrufe und E-Mails. Es war wirklich eine Herausforderung, jedem zu antworten.

Wer hat alles gratuliert?

Die Familie von Dresden bis Düsseldorf, der Freundeskreis, politische Mitstreiter, alte Mitstreiter meines Vaters …

… und Eva John, wie sie in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt hat. Wie lief dieses Gespräch?

Das kann ich nicht sagen. Ich hatte bislang keinen Kontakt mit ihr.

Was ist seit dem Wahltag alles passiert?

Hauptsächlich Organisatorisches. Gespräche mit Mandanten, wie es für sie weitergeht. Da bin ich ganz zuversichtlich, dass ich sie in gute Hände bekomme. Und dann läuft ja auch der politische Betrieb, wenn auch nur per Telefon und E-Mail.

Die Amtsperiode beginnt am 1. Mai, Ihr erster Amtstag wird der 4. Mai sein. Was ist für Sie bis dahin alles noch zu erledigen?

Ich muss auf jeden Fall meine Zulassung als Anwalt zurückgeben. Beamter auf Zeit, was ein Bürgermeister ja ist, und gleichzeitig Anwalt verträgt sich nicht. Das ist für mich schon ein sehr einschneidendes Erlebnis. Man verabschiedet sich damit ja quasi von seinem bisherigen beruflichen Leben.

Und politisch?

Da habe ich schon ein paar Vorstellungen. Mein Ziel ist es, bis spätestens Mitte April mit allen Stadtratsfraktionen Gespräche geführt zu haben. Ich möchte zum Beispiel wissen, wer Interesse an welchem Referat hat, weil ich die Rolle der Referenten wieder deutlich stärken möchte. In den Gesprächen geht es auch darum, wer sich wen als stellvertretenden Bürgermeister vorstellen kann. Ich möchte ein Gespür dafür kriegen, wie die Stimmungslage ist.

Wie kriegt man das in Zeiten von Corona hin?

Das ist in der Tat eine Herausforderung. Die üblichen fröhlichen Zusammentreffen gestalten sich schwierig. Es wird wohl auf Telefonkonferenzen hinauslaufen.

Sie sagten noch am Wahlabend sinngemäß: Es gebe in Starnberg offenbar eine Sehnsucht nach mehr Gemeinsamkeit und weniger Gegeneinander. Wie wollen Sie das konkret erreichen?

Ich möchte versuchen, eine bessere Atmosphäre hinzubekommen, in dem ich alle Stadträte fair behandele und ihnen mehr Informationen gebe. Auch monatliche Fraktionsvorsitzendenbesprechungen werde ich einführen, sobald das wegen Corona machbar ist. Und ich möchte mindestens einmal im Monat zu einer Stadtratssitzung laden, gegebenenfalls auch öfter. Zu mehr Gemeinsamkeit gehört aber auch, dass die Leute das wollen.

Aber bergen Fraktionsvorsitzendenbesprechungen nicht naturgemäß die Gefahr einer Hinterzimmerpolitik in sich?

Nein. Diese Runden sollen kein Ersatzgremium sein und auch keine Beschlüsse fassen. Es geht darum, dass die Stadträte wissen, was auf sie zukommt und worauf sie sich vorbereiten sollen. Und dass sie im Vorfeld auch inhaltliche Fragen stellen können und dass auch Abteilungsleiter konkrete Fragen der Fraktionen durchaus beantworten dürfen. Dass all dem in den vergangenen sechs Jahren nicht so war, hat für viel Unzufriedenheit gesorgt.

Die Erwartungshaltung an Sie aus nahezu allen Fraktionen ist in dem Punkt sehr hoch …

Dessen bin ich mir bewusst. Und deswegen habe ich dieses Thema ja auch nicht umsonst in das Zentrum meines Wahlkampfs gestellt. Ich möchte den Boden bereiten, auf dem das zarte Pflänzchen des Miteinanders gedeihen kann. Wachsen muss es von alleine und mit der Unterstützung aller.

Wie wollen Sie auf die Mitarbeiter in Rathaus, Betriebshof und den anderen städtischen Einrichtungen zugehen?

Möglichst offen. Ich gebe zu, dass ich kein Experte in Verwaltungsangelegenheiten bin. Da werde ich viel zu lernen haben. Allein schon deshalb bin ich auf ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern angewiesen. Vielleicht gelingt es mir, eine Grundphilosophie zu implementieren, dass Verwaltung kein Selbstzweck, sondern für die Menschen da ist. Ansonsten kann ich nur die Aussagen meiner Sekretärinnen zitieren, wonach ich offenbar ein ganz verlässlicher Chef bin. Ich bin auch in der Lage, Fehler zu verzeihen. Die Grundlage des Zusammenarbeitens ist für mich immer vertrauensvoll und angstfrei.

Kommen wir zu den Inhalten. Was steht bei Ihnen – neben dem täglichen Geschäft – an den ersten Stellen?

Natürlich muss schnellstmöglich das Verhältnis zur Deutschen Bahn verbessert werden. Wir müssen bei der Verkehrserschließung des Wiesengrunds nacharbeiten. Beim Innenstadtkonzept der STAgenda möchte ich abklopfen, was geht als Sofortmaßnahme und was erst nach Fertigstellung des Tunnels. Auch ein besseres Verhältnis zum Straßenbauamt ist wichtig. Das sind die dringendsten Punkte.

… und ganz schön dicke Bretter …

Das war mir klar, bevor ich die Kandidatur angemeldet habe.

Das dickste Brett dürfte die Schadenersatzklage der Deutschen Bahn sein ...

Wir brauchen dringend einen sachlichen Dialog mit der Bahn. Ziel muss die Verwirklichung des Projekts Seeanbindung und nicht dessen Verhinderung sein. Dafür ist es extrem hilfreich, wenn wir aus dem Prozess herauskommen. Das Problem des Klageverfahrens ist doch, dass wir vermutlich über mehr als zwei Instanzen sprechen. Und so lange passiert am Bahnhof gar nichts. Das kann nicht sein.

Sie haben im Wahlkampf gesagt, dass Sie das Gewerbegebiet Schorn in der aktuell vorliegenden Planung mit der dazugehörigen Verkehrserschließung für nicht machbar halten. Bleibt es dabei?

Dabei bleibt es. Ich gebe zu: Mir ist erst bewusst geworden, was das für Wangen bedeutet, als die ersten Zahlen vorlagen. Wir stehen aber noch ganz am Anfang des Planungsprozesses. Erste Priorität hat für mich die Klärung der Frage, ob das Gebiet in dieser Größe überhaupt möglich ist. Dazu muss ja der Kreistag die Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutz beschließen. Sollte das aus welchen Gründen auch immer nicht funktionieren, ist zu klären, ob es auch kleiner geht. Wenn es in der aktuell vorgesehenen Größe machbar ist, braucht es auf jeden Fall einen Autobahnanschluss in beide Richtungen.

Welches Ziel setzen Sie sich beim Blick in die Zukunft? Wo soll Starnberg am 30. April 2026 sein, wenn Ihre erste Amtsperiode endet?

Ich bin zufrieden, wenn unsere Innenstadt ein freundliches Gesicht hat, wenn wir bei einem Regenschauer am Bahnhof See nicht mehr nass werden, wenn wir zufriedene Bewohner am Wiesengrund haben und wenn die Arbeiten für das Tunnelbauwerk glatt laufen.

Wollen Sie bis dahin nicht schon das Bändchen zur Eröffnung des Tunnels durchschnitten haben?

So optimistisch bin ich nicht. Aber ich denke, wir werden dann wissen, wann das Bändchen durchschnitten werden wird. Im Übrigen fände ich es schön, wenn wir nach diesem Wahlergebnis beim Thema Tunnel die Frage des Ob hinter uns lassen und uns mit der Frage des Wie beschäftigen.

Sie haben nicht eine ortsferne Umfahrung genannt.

Auch bei der bin ich optimistisch, dass wir eine Klärung hinkriegen. Aber allein die umweltrechtlichen Untersuchungen werden mindestens ein Jahr dauern. Ich stehe dem ergebnisoffen gegenüber und fühle mich an mein Wort von 2017 gebunden. Wir prüfen die Umfahrung und schauen dann, was geht. Was kostet es an Geld, an Natur und an Beeinträchtigungen der Anwohner. Da ist das Stadium jetzt noch zu früh, um mich festzulegen.

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