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Starnbergs Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall, hier bei der Aussegnung des Sarges, hielt den Trauergottesdienst für Josef Jägerhuber.

Trauerfeier in St. Maria, Beerdigung bei St. Josef

Josef Jägerhuber beigesetzt: Selbst der Himmel musste weinen

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Die Stadtkapelle spielte, und Böllerschützen feuerten drei Salven ab, als Josef Jägerhuber am Freitag bei der alten Kirche St. Josef beigesetzt wurde – hoch über seiner geliebten Heimatstadt. Zahlreiche Trauergäste gaben ihm das letzte Geleit. Selbst der Himmel weinte. Jägerhuber hat das Wetter nicht gemacht, er hat es lediglich beobachtet und seine Schlüsse daraus gezogen.

Starnberg– Die Starnberger haben Abschied genommen von einem beliebten Mitbürger. Josef Jägerhuber senior war für sie mehr als nur der Wetterprophet, der ihn weit über Starnberg hinaus bekannt gemacht hat – deutschlandweit. Denn der vor einer Woche im Alter von 92 Jahren verstorbene Druckereibesitzer hat sich sein ganzes Leben lang für seine Heimatstadt eingesetzt und um sie verdient gemacht.

Aber selbst Stadtpfarrer Dr. AndreasJall konnte die Leidenschaft des Verstorbenen für das Wetter nicht verschweigen, als er zu Beginn des Requiems in der Stadtpfarrkirche die mehr als 300 Trauergäste willkommen hieß. Am Morgen sei er – mehr im Spaß – gefragt worden, mit welcher Wetterprognose er denn den Trauergottesdienst beginnen werde. Der Pfarrer hatte natürlich keine Vorhersage parat. Weil Josef Jägerhuber mehr war als nur der Wetterprophet. Und weil er, Jall, sich auf solche Vorhersagen nicht versteht. Allerdings weiß er, welches Wetter den Verstorbenen nun erwartet: Sonne, Symbol des bevorstehenden Osterfestes, des Festes der Auferstehung.

Für seine Ansprache hatte sich der Pfarrer im Vorfeld über Jägerhubers Leben informiert. Und es sei ein reiches Leben gewesen, das man vor ihm ausgebreitet habe. Das führte Jall zu folgendem Zitat des Philosophen Odo Marquard: „Zukunft braucht Herkunft. Wenn ich nicht weiß, woher ich komme, weiß ich auch nicht, wohin ich gehe.“ Jägerhuber habe ein lebendiges Gedächtnis gehabt bis zum Schluss und „das Wissen um unsere Herkunft“. Deshalb habe er auch keine Angst gehabt vor der Zukunft, „dem ewigen Leben“.

Ein langes, reiches und verdienstvolles Leben bescheinigte auch Bürgermeisterin Eva John dem Verstorbenen. „Nur wer die Herzen bewegt, bewegt die Welt“ – das habe Josef Jägerhuber stets bewiesen. Weitblick, Tatkraft und Mut hätten sein Leben geprägt. Und er habe über Jahrzehnte als ehrenamtlicher Vorstand der Raiffeisenbank und Vorsitzender des Feuerwehrvereins diese geprägt. Mit einem „Vergelt’s Gott für alles, Ruhe in Frieden“ verabschiedete sich John von einem Starnberger Original.

„Wir werden dich nicht vergessen“, sagte Helmut Fischer von der Münchner Hauptschützengesellschaft. Nur fünf Wochen fehlten, dann hätte Josef Jägerhuber 65 Jahre Mitgliedschaft bei den Schützen feiern können.

Einen großen Teil seines Lebens habe Jägerhuber der Feuerwehr gewidmet. So sei er mehr als 30 Jahre Vorsitzender des Feuerwehrvereins gewesen. Daran erinnerte der amtierende Vorstand Thomas Pleyer.

Zahlreiche Wegbegleiter Jägerhubers nahmen an der Trauerfeier teil. Dazu gehörten die Stammtischbrüder, ferner der frühere Kreisheimatpfleger Willi Großer, Kreisrat Helmut Wagner, Werftbesitzer Anton Dreher, der frühere Chefarzt am Klinikum, Prof. Helmuth Lydtin, die Altbürgermeister Heribert Thallmair und Ferdinand Pfaffinger, der langjährige Vizebürgermeister Peter Specht, Ex-Landrat und TSV-Präsident Heinrich Frey, Vizelandrat Georg Scheitz, mehrere Stadträte (zum Beispiel Josef Pfister, Gerd Weger, Anton Summer und Prof. Otto Gaßner) sowie frühere Ratsmitglieder, der Vorstandsvorsitzende der VR Bank, Peter Geuß, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümerverbandes, August E. Mehr, der frühere Geschäftsleiter im Starnberger Rathaus, Erwin Huber, und Stadtbaumeister Stephan Weinl.

Bekannte Namen haben das Requiem mitgestaltet. Der frühere Stadtrat und angehende Diakon, Bernhard Beigel, wirkte im Altardienst mit. Die Lesung trug Stefan Frey vor. Der CSU-Stadtrat las auch die Fürbitten. Seine letzte Ruhe fand Josef Jägerhuber neben seiner 1998 verstorbenen Frau Roswitha.

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