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Was jeder einzelne für Bienen und Insekten tun können, erklären Experten. (Symbolbild)

Nach Volksbegehren Artenvielfalt

Das kann jeder für Bienen und Insekten tun: Gärtnerin und Imker geben Tipps

Ein Paradies für Bienen und Insekten schaffen: Hubert Dietrich vom Bienenzuchtverein Starnberg und Anna Neppel vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege, verraten, wie das geht.

Die Bienenfreunde leben im Fünfseenland – schließlich mobilisierte der Landkreis Starnberg im Verhältnis zur Bevölkerung bayernweit die meisten Unterstützer für das Volksbegehren Artenvielfalt. Aber nur mit einer Unterschrift sollte es nicht getan sein: Im eigenen Garten oder auch auf dem Balkon kann jeder selbst ein Insektenparadies schaffen. Hubert Dietrich, der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Starnberg, und Anna Neppel, die Vorsitzende des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, verraten, wie das geht.

Welche Pflanzen eignen sich gut für Insekten?

„Alles, was blüht und Früchte trägt“, sagt Hubert Dietrich. Unter den Obstbäumen plädiert er für den Apfelbaum, dessen Blüten viel Nektar enthalten. Denn: „Bienen sind gschleckig.“ Anna Neppel empfiehlt heimische Beerensträucher, zum Beispiel Kornelkirsche, Himbeer- und Johannisbeersträucher. In ihrem eigenen Garten baut sie auch gerne Kräuter an, wie zum Beispiel Thymian, Basilikum, Bohnenkraut, Lavendel, Rosmarin und verschiedene Minzen. Zur Bestäubung der Blüten tragen nicht nur Bienen bei. Auch andere Insekten wie Schwebfliegen, Käfer oder Schmetterlinge leisten ihren Beitrag und brauchen blühende Pflanzen. Schmetterlinge freuen sich besonders über den Schmetterlingsflieder aus der Gattung Sommerflieder.

Wenig geeignet sind dagegen Gräser, Nadelgehölze und immergrüne Büsche, wie Wilder Wein und Kirschlorbeer. Sie können von vielen heimischen Insekten nicht genutzt werden. Auch die Forsythie ist, obwohl sie strahlend gelb blüht, unbeliebt bei Insekten.

Was ist bei Blumenmischungen zu beachten?

Es gibt einjährige Blumenmischungen, die nur einmal aufblühen. Bei mehrjährigen Mischungen samen die Blumen ab und wachsen im nächsten Jahr wieder. Neppel empfiehlt mehrjährige Blühwiesen, weil die Gärtner dann im Frühjahr nicht umgraben müssen und im Boden lebende Insekten stören. Einmal gesät, benötigt die Blühwiese nicht mehr viel Pflege. Sie muss lediglich, abhängig von der Mischung, ein bis zwei Mal pro Jahr gemäht werden. Die Blumen blühen auf mageren Böden schöner. Ob der Boden mager oder sehr nährstoffreich ist, kann nur ein Experte bestimmen. Viele Steine und Kiesel sind aber ein Hinweis auf mageren Erdboden, viel Humus deutet auf nährstoffreichen Boden hin.

Müssen Gartenbesitzer für die Insekten auf einen kurzen Rasen verzichten?

Wer einen ordentlichen Rasen mag, kann trotzdem einen insektenfreundlichen Garten gestalten. „Man muss verschiedene Zonen schaffen“, sagt Neppel. Sie schlägt vor, am Rand des Gartens Blumen und Sträucher zu pflanzen. In der Mitte sei dann noch genug Platz für einen Rasen, auf dem zum Beispiel Kinder spielen können. Die Deutsche Wildtier Stiftung schlägt vor, beim Rasenmähen „Pflanzeninseln“ stehen zu lassen. Das sind wenige Quadratmeter große Flächen, die in geometrische Formen, zum Beispiel oval oder rund, gemäht werden. Auf ihnen entwickelt sich dann eine Blühwiese, während Gartenfreunde den Rest des Rasens anders nutzen können.

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Finden Insekten auch auf dem Balkon Nahrung?

Kräuter lassen sich auch in Kästen auf dem Balkon anbauen. Wer wenig Platz in seinem Garten hat, für den sind Säulenobstbäume geeignet. Diese Bäume haben einen sehr schmalen Wuchs und sind nicht ausladend. Sie werden nicht größer als 3,50 Meter und können auch im Pflanztopf angebaut werden. Die Säulenobstbäume sind in verschiedenen Arten und Sorten erhältlich, zum Beispiel Apfel, Birne oder Aprikose. Obwohl sie so schmal und niedrig sind, können sie durchaus ertragreich sein. Anna Neppel hat vergangenes Jahr zehn Kilogramm Äpfel von ihrem Säulenbaum geerntet.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Honigbienen und Wildbienen?

Die Honigbiene ist eine inzwischen vollständig domestizierte Art, die nur im Verband, also mit ihrem Bienenvolk, überleben kann. Dass Honigbienen in der freien Wildbahn überleben, gilt als unwahrscheinlich. Natürliche Behausungen wie Felsoder Baumhöhlen gibt es nur noch wenige. Bienenschwärme, die nicht von einem Imker geschützt werden, überleben Parasiten wie die Varroamilbe nicht. Solange es Imker gibt, ist die Honigbiene nicht bedroht. Wildbienen produzieren keinen eigenen Honig und leben überwiegend solitär, also als Einzelgängerinnen. Von den rund 600 Wildbienenarten steht etwa die Hälfte mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands. Hummeln gehören auch dazu. Wildbienen sind sehr effiziente Bestäuber. Ihre Leistung übersteigt die von Honigbienen bei Weitem. Bei der Nahrungssuche konkurrieren sie häufig miteinander. Das ist aber gut so, sagt Imker Dietrich: „Dann sind beide fleißiger.“

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Brauchen Wildbienen Nisthilfe?

Wildbienen finden an verschiedenen Orten Nistplätze. Etwa die Hälfte aller Arten gräbt Gänge in den Boden. Alle anderen nutzen Pflanzenstängel, Totholz, Mauerfugen und sogar Schneckenhäuser. Für sie eignen sich Nisthilfen, sogenannte „Insektenhotels“. Die kann man kaufen, aber auch ganz leicht selbst bauen und die ein- und ausfliegenden Insekten in aller Ruhe beobachten. Als Nistplatz eignen sich Stängel, zum Beispiel Bambusrohre und Schilfmatten aus dem Baumarkt, oder Bohrlöcher in einem Holzblock. Die Löcher sollten verschiedene Durchmesser von zwei bis neun Millimetern haben. Wichtig ist, dass die Löcher nicht ausgefranst sind, sonst werden sie nicht besiedelt. Zu scharf dürfen sie aber auch nicht sein, sonst verletzen sich die Insekten die Flügel. Die Löcher sollten von der Seite her durch die Rinde gebohrt werden, dann fransen sie nicht aus und verziehen sich nicht bei Feuchtigkeit. Hartholz wie Buche, Esche, Eiche oder Apfel ist besser geeignet als Weichholz. Das Insektenhotel ist an einer trockenen, von der Sonne beschienenen Stelle am besten aufgehoben. Aber auch ohne viel Aufwand kann jeder Lebensräume für Insekten schaffen. „Man sollte den Garten nicht ganz sauber aufräumen“, sagt Neppel. Beispielsweise könne man aus dem Beet eingesammelte Steine zu einem Haufen zusammenlegen. Die Deutsche-Wildtier-Stiftung empfiehlt, altes Holz wie einen Brennholzstapel aufzuschichten und sich selbst zu überlassen.

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Wie werden Bienenfreunde zu Hobby-Imkern?

„Am besten einen Kurs machen“, empfiehlt Dietrich. Jeder Imkerverein bietet Anfängerkurse an. Viel Platz oder einen großen Garten braucht das Bienenvolk nicht. Der Stock passt auch auf einen kleinen Balkon, nur der Imker sollte ein wenig Platz haben, um seine Arbeit zu verrichten. Honigbienen gehen in einem Radius von etwa dreiKilometern auf Pollen- und Nektarsuche. In diesem Umkreis müssen also genug blühende Pflanzen wachsen. Eine Familie aus Gilching stellte Bienenstöcke bei sich auf dem Balkon und dem Dach der Garage auf.

Der Hobby-Imker sollte auch ein bisschen Zeit mitbringen: für ein Volk mindestens 25 Stunden pro Jahr. Wem ein Bienenvolk gehört, muss vor allem zur Schwarmzeit, also wenn sich der Schwarm vermehrt und ausfliegt, ein Auge auf seinen Stock haben und den neuen Schwarm einfangen. Das ist meist im Mai oder Juni der Fall. „An Pfingsten in den Urlaub fahren geht nicht“, sagt Dietrich. Körperlich sollten Imker in der Lage sein, bei der Honigernte schwer zu heben. Je nachdem, ob er ökologisch oder konventionell imkert, wiegen die Honigwaben bis zu 30 Kilogramm. Dietrich empfiehlt, das erste Volk bei einem örtlichen Imker zu kaufen. Nicht zuletzt müssen auch die Nachbarn einverstanden sein. Wenn der Stock nicht direkt am Gartenzaun steht, merken sie aber nichts von den Bienen. Für sein Volk ist nur der Imker selbst verantwortlich. Dietrich: „Bienen sind Haustiere.“

Isolde Ruhdorfer

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