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Nur in Grundzügen erkennbar: Der ehemalige Klostergarten in Percha bleibt vorerst, wie er ist. Der Bauausschuss lehnte eine Renaturierung aus Kostengründen ab.

Klostergarten: „Wir haben das Geld nicht“

Der frühere Klostergarten in Percha wird vorerst nicht renaturiert. Stadtbaumeister Stephan Weinl erntete für seinen Vorschlag im Bauausschuss zwar Anerkennung, aber angesichts der Steuerausfälle durch die Corona-Krise erschien den Stadträten die Idee derzeit abwegig.

Percha – Schön wäre es schon, ist aber derzeit unvorstellbar: Der Bauausschuss hat einen Vorschlag der Verwaltung, Teilbereiche des ehemaligen Klostergartens in Percha zu renaturieren und zu einem kleinen Naherholungsgebiet zu machen, mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die Kosten von mindestens 56 000 Euro in den nächsten zwei Jahren erschienen den Stadträten außer dem BMS angesichts der absehbaren Finanzprobleme durch die Corona-Krise indiskutabel. Ganz vom Tisch ist die Idee aber nicht.

Vor 15 Jahren hatte die Stadt die Fläche südlich des heutigen Malteserstifts St. Josef am Weg zur Perchaer Mariengrotte von der der St. Josefskongregation Ursberg erworben. Es sind rund 11 000 Quadratmeter südlich der Harkirchner Straße, auch Gebäude gehören dazu. Ein Teil der Fläche ist der ehemalige Klostergarten. Dort gibt es auch Treppen, alles war seinerzeit etwas verwildert. Bis 2017 übernahm die Kirchengemeinde die Pflege, die Terrassengärten sollten nach einer Festlegung 2017 wieder freigelegt werden. Ein Konzept wurde in Auftrag gegeben, es gibt seit Januar eine Rodungserlaubnis. Diese vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Weilheim macht jedoch zur Bedingung, dass der Bereich öffentlich zugänglich sein muss. Das wollte Stadtbaumeister Stephan Weinl nun umsetzen.

Um aus der Fläche einen Park zu machen, sind einige Arbeiten nötig – roden, Wurzelstöcke beseitigen, die Mauern und Treppen freischneiden und ausbessern, Anlegen von Beeten, Wiederherstellung der Wege samt Handlauf und dergleichen, Aufstellen von Bänken. Alles an sich keine große Sache, was sich an den Kosten von 48 000 Euro in diesem und 8000 im nächsten Jahr zeigt. „Eine schöne, ortsnahe Erholungsfläche“ würde das ergeben, sagte Weinl im Ausschuss – und lief auf. Die Pflanzarbeiten sollten im Herbst beginnen; einiges ist bereits freigeschnitten, etwa der Weg zur Mariengrotte.

Ludwig Jägerhuber (CSU) findet das Projekt „wunderbar“ und würde es sofort unterstützen – wenn die Corona-Pandemie nicht wäre. Weinl hätte das Vorhaben nicht vorgelegt, wäre er einmal in einer Haushaltssitzung gewesen, kritisierte Jägerhuber: „Wir haben das Geld nicht. Wir sollten es verschieben, bis es uns wieder besser geht.“ Die Stadt lebe derzeit auf Pump, Vorhaben wie dieses seien nur über Kredite finanzierbar, argumentierte der CSU-Stadtrat. Und ein Park schien ihm das nicht wert. Bürgermeister Patrick Janik auch nicht, wie er erkennen ließ. Dr. Franz Sengl (Grüne) brachte ein Sponsoring durch Unternehmen ins Spiel, etwa die Kreissparkasse. Solche Ideen sollen genauer betrachtet werden.

Eva John (BMS) hingegen hält eine faktische Investitionssperre für solche Vorhaben für falsch. Vergeblich beantragte sie, die Arbeiten vom Betriebshof ausführen zu lassen, soweit möglich. Die Corona-Krise dürfe nicht zu einer Totalverweigerung führen, schließlich bräuchten die Firmen Aufträge, um auch wieder Gewerbesteuer zu zahlen. Sie forderte, jeden Fall einzeln zu betrachten: „Eine Investitionssperre wegen Corona wird unserer Aufgabe nicht gerecht. Bund und Land machen es uns vor.“ Janik hob hervor, man habe im Haushalt noch ein Defizit bei den laufenden Ausgaben (Verwaltungshaushalt), das nur per Kredit zu decken wäre. Nach dem letzten Stand der Haushaltsberatungen fehlen der Stadt um die neun Millionen Euro, bei der ersten Runde vor der Corona-Krise waren es knapp vier. Allein bei Einkommens- und Gewerbesteuer rechnet die Stadt mit fünf Millionen Euro weniger Einnahmen als zunächst geplant.

Mit zehn gegen zwei Stimmen (John und Josef Pfister, beide BMS) stellte der Bauausschuss den Plan letztendlich zurück. Einstimmig befürwortete der Ausschuss, Fördermittel und andere Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen.

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