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Der lange Weg zur Starnberger Umfahrung

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Von: Peter Schiebel

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Der Verlauf der Nordostumfahrung von Starnberg, wie ihn Ingenieure für möglich halten. © Stadt Starnberg, OpenStreetMap, ike

Zum ersten Mal seit zwei Jahren hat der Projektausschuss Verkehrsentwicklung des Starnberger Stadtrats wieder getagt. Es ging erneut um eine mögliche Nordostumfahrung der Kreisstadt.

Starnberg – Der Traum von einer ortsfernen Umfahrung von Starnberg: Für die einen lebt er seit Montagabend wie eh und je, andere dürften dagegen ins Grübeln gekommen sein, ob es jemals etwas wird mit dieser Straße. Starnbergs Bürgermeisterin Eva John hatte erstmals seit zwei Jahren den Projektausschuss Verkehrsentwicklung des Stadtrats wieder einberufen und den Sachstand zu der 8,3 Kilometer langen Trasse nördlich der Kreisstadt dargelegt, die zum Teil durch FFH-Gebiet führen soll.

Die Umwelt

Dass die Straße technisch machbar ist, hatte Sven Gräfe, Abteilungsleiter Verkehrsanlagen beim Ingenieurbüro Vössing, bereits vor fünf Monaten im Stadtrat dargelegt. Viel spannender ist dagegen die Frage, inwieweit Belange des Natur- und Artenschutzes dem Projekt möglicherweise entgegenstehen.

Noch gibt es dazu keine Daten, weswegen die Stadtverwaltung vorschlug, die für eine Umweltverträglichkeitsstudie notwendigen hydrogeologischen Untersuchungen und faunistischen Kartierungen in Auftrag zu geben. Nach derzeitigem Kenntnisstand müsse davon ausgegangen werden, dass in dem Trassenbereich „besonders oder streng geschützte Tierarten der Tiergruppen Amphibien, Reptilien, Fledermäuse, Säugetiere, Fische, Vögel, Libellen, Schmetterlinge, Käfer und Schnecken vorkommen“, hieß es in der Vorlage aus dem Rathaus.

Christian Ufer vom Büro Terrabiota sieht den Ausgang der Untersuchung offen. So gebe es Tiere, die sich umsiedeln ließen, etwa die Feldlerche. „Beim Rotmilan wird das schwerer“, sagte er. Sollte dort ein Feldhase vorkommen, wäre das vermutlich das Aus für die Planung der Straße samt Unterführung und 325 Meter langer und 30 Meter hoher Brücke. Auch das Ergebnis hydrogeologischer Untersuchungen könne das Projekt kippen, sagte Ufer. So gebe es im Bereich des Würmtals Tuff-Hangquellen, an denen unter anderem die Quellschnecke vorkommen könne. Natürlich müssen auch die Auswirkungen auf die Würm untersucht werden.

Bei einer Gegenstimme (Annette von Czettritz/Grüne) beauftragte der Ausschuss schließlich die Verwaltung, die für die Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlichen Untersuchungen zu vergeben. Deren Dauer beträgt etwa ein Jahr. Der Beschluss muss noch vom Stadtrat bestätigt werden.

Die Kosten

Wie teuer die Straße wird, ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Nach Angaben von Eva John sind reine Baukosten von brutto 51,1 Millionen Euro ermittelt worden – nach derzeitigem Kenntnisstand. Davon entfallen 14 Millionen Euro auf den reinen Straßenbau inklusive Knotenpunkten und Rampen sowie 23,2 Millionen Euro auf die Brückenbauwerke (Bahnunterführung, Würmtalbrücke, acht weitere Brücken für das nachgeordnete Wegenetz), schlüsselte Vössing-Ingenieur Gräfe die Zahlen auf. Hinzu kommen der Grunderwerb sowie Kosten für Umwelt- und Ausgleichsflächen.

„Eine gewisse Baupreisentwicklung ist berücksichtigt“, sagte Gräfe. „Aber es ist nicht abzuschätzen, wie es in fünf Jahren ist.“ Eine mögliche Abweichung von den vorliegenden Zahlen bezifferte er mit 40 Prozent. „Stand heute können Sie sich auf mindestens 70 Millionen Euro einstellen“, sagte Eva John.

Die Zahlen seien mit Vorsicht zu genießen, sagte CSU-Stadtrat Thomas Beigel in der Ausschusssitzung und erinnerte an den Landratsamtsanbau in Starnberg, dessen Kosten sich von anfangs 6 auf mittlerweile 22 Millionen Euro erhöht hätten. Umfahrungsbefürworter und Tunnelgegner Professor Dr. Günther Picker (WPS) frohlockte hingegen, dass der Betrag ja nur ein Drittel der Tunnelkosten ausmache.

Die Behörde

Eva John hatte noch mal das Staatliche Bauamt Weilheim angeschrieben und sich erkundigt, wer die Baulast übernimmt. Die Antwort ist –zum wiederholten Mal – eindeutig: Weder Bund noch Freistaat stünden in absehbarer Zeit für eine Finanzierung der Umfahrung zur Verfügung, antwortete die Behörde. Und empfahl der Stadt, nicht nur die Ökologie zu untersuchen, sondern auch die verkehrliche Notwendigkeit und die Bereitschaft des Bundes für einen Anschluss an die A 95. „Die bisherigen Planungen der Stadt Starnberg reichen, soweit sie uns bekannt sind, zu einer abschließenden Beurteilung nicht aus“, schrieb das Bauamt.

Auch ein Streit zwischen dem Freistaat Bayern und einer Erbengemeinschaft um ein Grundstück am Starnberger See sorgt in der Gemeinde ebenfalls für Aufruhr.

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