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Künstler Andreas Sarow vor dem „Kanonenhaus“, das in den vergangenen Wochen rege Diskussionen ausgelöst hat. Damit habe er es geschafft, die Kontroverse um gute Baukultur aufzugreifen, sagte Bürgermeisterin Eva John.

Gebäude an der Hauptstraße wird im Oktober abgerissen

„Die letzte Bastion“ fällt

Zweieinhalb Monate lang war „Die letzte Bastion“ an der Starnberger Hauptstraße ein Hingucker. Im Oktober wird das Haus abgerissen.

Starnberg – Ihre Tage sind gezählt. „Die letzte Bastion“, dieses blutrote, nachts scheinbar glühende Haus mit den Kanonen an der Hauptstraße, wird fallen – und Starnberg ist um einen Aufreger ärmer. Bis zuletzt hat die Kunstaktion von Andreas Sarow für Gesprächsstoff gesorgt – am Donnerstagabend hatte die Stadt zur Finissage geladen.

Das Kanonenhaus habe mit hohem künstlerischem Anspruch und professioneller Umsetzung „den Charakter des Gebäudes freigelegt“ und viele Fragen aufgeworfen, sagte Bürgermeisterin Eva John. „Es entwickelte sich zum Stadtgespräch.“ Dabei sei es um Gegensätze gegangen: „Um Verteidigung und Angriff, um Tradition und Moderne, um Bewahrung und Aufgabe – letztendlich um wegweisende Baukultur und Starnbergs Identität“, sagte John.

Zur gut besuchten Finissage vor dem alten Rathaus war auch der Künstler aus Pforzheim erschienen. Andreas Sarow ist gelernter Architekt und widmet sich seit 15 Jahren derartigen Projekten, mit denen er Abrissgebäuden nochmals eine Aufmerksamkeit schenkt, die in der Öffentlichkeit in Erinnerung bleibt. Die Kanonen seien Sinnbild der Selbstverteidigung, nicht des Angriffs, erklärte er am Rande der Veranstaltung, die Bastion sei das Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit dem Gebäude, der Stadt und dem Maritimen. Die letzte Bastion, sie schmelze dahin, in jedem, sei es die Ehe, die Eckkneipe oder ein Schmuckkästchen wie dieses Haus. „Starnberg hat viele Schätze, die verschwinden“, so der Künstler.

Der ebenfalls anwesende Bauherr Michael Mükusch, der sich selbst als „kunstaffin“ bezeichnet, war von sich aus auf Sarow zugegangen. Er trägt auch die gesamten Kosten für die Aktion, die mit einem Nacht-und-Nebel-Auftakt begann. In nur vier Nächten wurde das Haus Anfang Juli neu gestrichen und verbrettert. Mükusch geht gerne mal neue Wege und hat sich über die vielen Reaktionen und historischen Aufnahmen des Gebäudes gefreut, die er über soziale Netzwerke erhielt. „Es gab keine bösen Worte“, sagte er. Im Oktober geht es mit dem Abriss los.

Der geplante Neubau mit sechs Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten wurde im Stadtrat „bestenfalls kontrovers diskutiert“, wie Eva John es diplomatisch formulierte. Das geplante goldfarbige Dach wurde als „Goldklumpen“, als „besonderes Stück Hässlichkeit“ und als „Katastrophe“ zum Teil heftig abgelehnt. Jetzt bekommt der Neubau halt ein bronzefarbenes Dach mit einem nach hinten versetzten Giebel. Die Baulinie zur Straße hin bleibt, die Treppe entfällt. Dadurch wird der Bürgersteig breiter.

Im Erdgeschoss entstehen ein Café und zwei Geschäfte. Es wird auch ein „Haus im Haus“ geben mit einer über drei Ebenen gehenden Wohneinheit. Die Zufahrt in die Tiefgarage mit 13 Stellplätzen erfolgt über die Hauptstraße und einen Aufzug. Das Einfahrtstor soll sich automatisch und so rechtzeitig per Handysignal öffnen, dass garantiert ist, dass der Verkehr nicht blockiert wird. Ende 2020 soll der Neubau fertig sein.

Von Astrid Amelungse-Kurth

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