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Regionale SPD-Politiker aus dem Landkreis Starnberg zeigen sich überwiegend offen gegenüber Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. 

Starnberger Lokal-Genossen

Neuer SPD-Spitze eine Chance geben

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Mit einer knappen Mehrheit wählten die SPD-Mitglieder Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Parteispitze. Genossen im Landkreis Starnberg nehmen das unterschiedlich und teils mit gemischten Gefühlen auf.

Landkreis – „Man sollte den beiden eine Chance geben.“ So kommentierten am Montag SPD-Kreisrätin Sissi Fuchsenberger aus Berg und der Gilchinger SPD-Ortsvorsitzende Christian Winklmeier die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans als neue Parteivorsitzende. Die beiden Politiker wurden im Mitgliederentscheid am Samstag mit einer knappen Mehrheit von 53,06 Prozent an die Parteispitze gewählt. Beim Parteitag am Freitag sollen die Gewinner dann zu Vorsitzenden gewählt werden.

Für Winklmeier kam dieses Ergebnis zwar überraschend, trotzdem hält er die Wahl der SPD-Mitglieder für die richtige Entscheidung. „Es rüttelt einiges auf innerhalb und außerhalb der Partei“, sagt er. In der Vergangenheit habe man gesehen, dass ein Olaf Scholz, der allem zustimme, die Partei nicht weiterbringe. Sissi Fuchsenberger ist überzeugt: „Die Partei wird ihr Linksprofil dadurch schärfen. Die beiden werden eine Richtungskorrektur vornehmen, mehr nach links gehen, und das wurde von den Mitgliedern ja auch verlangt.“ 

Viele regionale SPD-ler rechnen nun mit einem Linksruck der Partei

Mit einem Linksruck rechnen auch Juso-Mitglied Nico Wunderle aus Pöcking, der Tutzinger Genosse Gernot Abendt und Peter Eberl, SPD-Vorsitzender aus Andechs. „Sie werden sich dadurch wieder Wähler vom linken Rand holen“, glaubt Eberl. „Viele SPD-Vorsitzende vor ihnen sind zwar gescheitert, aber ich glaube, die schaffen das schon.“

SPD-Urgestein Johano Strasser ist dem neuen Führungsduo ebenfalls wohlgesonnen. „Ich glaube, dass ihnen die Profilschärfung gelingen wird“, sagt der Autor und Vordenker aus Berg. Er warnt vor überschäumendem Optimismus: „Die Probleme, die die SPD zurzeit hat, sind nicht nur Probleme der Führung. Und sie werden auch nicht allein durch neue Führungskräfte bewältigt.“

Kreisvorsitzende Julia Ney ist grundsätzlich nicht begeistert vom jüngsten Mitgliederentscheid. Sie hätte sich jemanden mit mehr Erfahrung an der Parteispitze gewünscht, sagt die Gautingerin auf Nachfrage. „Und auch schon vor der Wahl mehr konkrete Aussagen zum Koalitionsvertrag.“ Den wollen Esken und Walter-Borjans nachverhandeln, zum Beispiel in Bezug auf Klimaschutz und Investitionen in die Infrastruktur. „Das sind gute Punkte“, räumt Ney im Gespräch mit dem Starnberger Merkur ein. „Sollte es ihnen tatsächlich gelingen, diese Themen im Sinne der SPD nachzuverhandeln, nehme ich alles zurück, was ich gesagt habe.“ Sie hoffe, dass es das neue Führungsteam schafft, für Ruhe und Stabilität in der Partei zu sorgen.

Einen Austritt aus der GroKo halten Winklmeier und Ney für möglich

Dem schließt sich Winklmeier an. „Entscheidend ist, dass die SPD wieder zu einer Partei wird, die innerlich geschlossen ist“, betont er. „Deshalb ist es wichtig, dass die Vorsitzenden von den Mitgliedern unterstützt werden.“ Einen möglichen Austritt der SPD aus der Großen Koalition, falls die Union beim Koalitionsvertrag nicht nachverhandeln will, sieht Winklmeier relativ gelassen. „Ich würde zwar weder der SPD noch der Union raten, Hals über Kopf aus der GroKo zu springen“, sagt er. Er sei sich aber sicher, dass eine Minderheitsregierung auch arbeitsfähig wäre. Ney hält einen Ausstieg aus der GroKo zwar für möglich, sieht das Ganze jedoch gespalten. „Es ist eine unsichere Situation und derzeit schwer abschätzbar“, sagt sie. Strasser vertritt hingegen eine ganz klare Meinung. „Der Austritt wäre für die öffentliche Wahrnehmung der SPD schlimmer als alles andere“, sagt er.

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