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Ein gut eingespieltes Team: Osteopath Markus Stephani aus Starnberg, Rennradfahrer Emanuel Buchmann und Mannschaftsarzt Jan-Niklas Droste (v.l.) arbeiteten schon öfter bei der Tour de France zusammen. Buchmann erreichte dieses Jahr den vierten Platz.

Markus Stephani aus Starnberg

Der Osteopath, dem die Tour de France-Radler vertrauen

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Mehr als 3300 Kilometer, sechsstündige Tagesetappen und jede Nacht ein anderes Hotel – die Tour de France bedeutet drei Wochen Ausnahmezustand. Mit dabei war dieses Jahr zum fünften Mal in Folge der Starnberger Osteopath Markus Stephani. Er sorgte dafür, dass sich die Athleten des deutschen „Bora hansgrohe“-Teams abends von den Strapazen des Rennens erholen konnten.

Starnberg – Privat fährt Markus Stephani aus Percha auf dem Rennrad am liebsten um den Starnberger See, von 6. bis 28. Juli tauschte er die Seeroute gegen Rennstrecken in Frankreich und Belgien. Der 35-Jährige war vergangenen Monat bereits zum fünften Mal in Folge bei der Tour de France mit dabei – jedoch nicht als Fahrer, sondern als Osteopath.

Normalerweise leitet Stephani mit seinem Geschäftspartner Daniel Weiss das Osteopathiezentrum an der Starnberger Ludwigstraße. Etwa 100 Tage im Jahr ist er jedoch als Teil des medizinischen Betreuerstabs mit dem deutschen Rennrad-Team des Sponsors „Bora hansgrohe“ für Wettkämpfe weltweit unterwegs. Emanuel Buchmann, der bei der Tour de France dieses Jahr den vierten Platz erreichte, war ihm bei diesem Rennen fest zugeteilt. „Ihn habe ich während der Tour täglich behandelt“, erzählt der 35-Jährige. „Danach war ich noch für zwei bis drei andere Teammitglieder zuständig. Sie haben immer durchgewechselt.“

Stephani kennt viele der Athleten schon seit einigen Jahren

Acht Fahrer gehören zur „Bora hansgrohe“-Mannschaft. Viele von ihnen, auch Buchmann, kennt Stephani nun schon seit einigen Jahren. Die zwischenmenschliche Komponente sei bei seiner Arbeit entscheidend, ist der Osteopath überzeugt. „Der Grundstein ist, dass die Athleten Vertrauen in meine Arbeit haben“, betont Stephani. Die Sportler seien zudem nicht nur Arbeitskollegen, bei der jahrelangen Zusammenarbeit entstehe auch ein freundschaftliches Verhältnis. Bevor Stephani Buchmann und Co. abends nach den Etappen im Hotel durchknetet, verfolgt er das Rennen meistens im Teamfahrzeug am Handy – vorausgesetzt, die Internetverbindung ist gut genug. „Man fiebert schon mit und freut sich, wenn man sieht, dass die Fahrer gut unterwegs sind“, sagt der 35-Jährige.

Grund zur Freude hatten die Sportler und ihr achtköpfiges medizinisches Team dieses Jahr allemal: Neben Buchmanns viertem Platz in der Gesamtwertung gelang es Peter Sagan, insgesamt siebenmal das begehrte grüne Trikot zu erringen. Dieses Trikot erhält der Fahrer, der die meisten Punkte während einer Etappe sammelt. Am letzten Abend der Tour wurde daher in Paris auch gebührend mit Sekt und Champagner gefeiert. „Es ist schön, einen Teil zu diesem Erfolg beigetragen zu haben“, freut sich Stephani. „Von den Fahrern kommt auch viel Wertschätzung zurück.“

Die Behandlung ist für die Athleten eher schmerzhaft

Und das, obwohl die Athleten bei der osteopathischen Behandlung zum Teil ordentlich die Zähne zusammenbeißen müssen. „Das hat nichts mit einer Wohlfühl-Massage zu tun, sondern ist eher schmerzhaft“, sagt Stephani. Das Ziel der Behandlungen: Verklebungen in den Faszien lösen, damit die Muskulatur nicht verhärtet und für die nächste Etappe wieder geschmeidig und spannungsfrei bleibt. Außerdem soll der Abfluss lymphatischer Flüssigkeiten verbessert werden. Der Fokus liegt auf den Beinen und dem unteren Rücken. Stephani, der erst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolvierte und anschließend berufsbegleitend Osteopathie studierte, praktiziert eine Mischung aus beiden Ansätzen. „Schmerzen bei der Behandlung nehmen die Athleten in Kauf, weil es ihren Beinen danach besser geht“, erzählt der 35-Jährige.

Für den Erfolg der Sportlersei die medizinische Betreuung ein entscheidender Faktor. „Regeneration ist extrem wichtig“, erklärt Stephani. „Es gewinnt nicht der, der die besten Beine hat, sondern der, der am besten regenerieren kann.“ Stephani ist aber nicht nur für die Regeneration nach dem Radfahren verantwortlich, sondern versorgt die Sportler auch während der Tour mit Nahrung. Er fährt mit einem Rennauto zu vorher festgelegten Standpunkten entlang der jeweiligen Route und steht dort mit Verpflegung bereit. „Ich gebe unseren Radfahrern zum Beispiel Trinkflaschen und Gels“, erzählt er. „Und als eine Art kleines Mittagessen verteile ich Beutel mit Reiskuchen und Bananen.“

Stephanis Arbeitstag dauert bei der Tour oft von 7 bis 22.30 Uhr

Während des Rennens ist Stephani daher rund um die Uhr im Einsatz. Arbeitstage von 7 bis 22.30 Uhr und jede Nacht in einem anderen Hotel schlafen gehören für ihn in dieser Zeit zur Tagesordnung. „Da ist man auch froh, wenn man danach wieder mal im eigenen Bett schlafen kann“, sagt der gebürtige Geretsrieder. Doch lange ist Stephani in der Regel nicht zuhause. Denn am heutigen Freitag geht es mit dem „Bora hansgrohe“-Team schon wieder weiter zum nächsten Rennen nach Belgien.

Und 2020 möglicherweise zu den Olympischen Spielen nach Tokio. „Die Chancen stehen ganz gut“, sagt Stephani. „Voraussichtlich werden Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann für den Bund Deutscher Radfahrer nominiert. Sie sind potentielle Medallienanwärter.“ Als Osteopath bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, ist Stephanis großes Ziel für das nächste Jahr. Genug Zeit für das Radfahren auf seiner Lieblingsroute um den Starnberger See will er sich aber trotzdem noch nehmen.

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