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„Matheis bricht’s Eis“: Zuletzt war das Singspiel von Georg Queri in der Version mit Musik von Heinrich Gerstetter 1999 in Starnberg zu erleben. Rund 50 Trachten- und Theaterfreunde bringen es im Oktober sechsmal auf die Bühne der Schlossberghalle.

Kurz vor dem 100. Todestag des Heimatdichters aus Frieding

Der Matheis und der Queri: Erste Aufführung nach 20 Jahren

Erstmals seit 20 Jahren ist im Oktober Georg Queris Singspiel „Matheis bricht‘s Eis“ in Starnberg zu sehen. Der Heimat- und Volkstrachtenverein bringt das Stück auf die Bühne der Schlossberghalle.

Starnberg– Erstmals seit 20 Jahren wird ab 5. Oktober Georg Queris Singspiel „Matheis bricht’s Eis“ in Starnberg zu sehen und zu hören sein. Die Proben laufen auf Hochtouren, für die sechs Aufführungen gibt es noch Karten im Vorverkauf. Anlässe für die Wiederaufführung gibt es mehrere.

Auf die Bühne bringt das Stück der Heimat- und Volkstrachtenverein, unterstützt von der Heimatbühne und den Theaterfreunden Hochstadt. 30 Schauspieler, acht Musiker und Fachleute für Licht, Bühnenbild und dergleichen wirken mit; insgesamt sind es rund 50. Seit Februar laufen die Proben unter Leitung von Ferdinand Pfaffinger (Musik) und Willi Großer (Spielleiter). Sie haben die Aufführungen von „Matheis bricht’s Eis“ von Georg Queri (1879 - 1919) und mit der Musik von Heinrich Gerstetter (1884 - 1939) auch initiiert. Denn: Heuer jährt sich Queris Geburtstag zum 140. und sein Todestag zum 100. Mal. Gerstetter, seinerzeit Konzertmeister am Münchner Gärtnerplatztheater, ist vor 80 Jahren gestorben. Der Komponist ist gebürtiger Starnberger, Queri Friedinger – und beide liegen in Starnberg begraben. „Wir wollen nicht, dass das vergessen wird“, sagen die Initiatoren. Und: „Wenn wir es nicht machen, macht es keiner.“ Anfangs dachten sie an einen Heimatabend zu Ehren Queris, doch das Projekt Matheis ging dann doch zusammen.

Der Prophet gilt im eigenen Lande bekanntlich wenig, und so war es auch bei Queris Singspiel – sein einziges übrigens, denn ein anderes fand er selbst nicht aufführungswürdig. Uraufgeführt wurde es 1918 in Würzburg, die Erstaufführung in der Nähe war 1919 am Tegernsee. 1922 war das Werk erstmals in Starnberg zu sehen, Gerstetter hatte die Leitung. In Starnberg war „Matheis bricht’s Eis“ danach 1931, 1947/48, 1969, 1986 und 1999 zu erleben – die Abstände zeigen schon, wie besonders die Aufführungen in diesem Oktober sind. „Matheis bricht’s Eis“ sollte Vorläufer einer Volksoper sein, die Queri nicht mehr schreiben konnte – er starb drei Monate nach der Aufführung am Tegernsee.

Ein „tiefbayerisches Stück“ ist es, sagt Pfaffinger, in einer „alten, schönen Sprache“. Und keine einfache, denn in den Texten kommen Wörter vor, die heute kaum jemand kennt. Auch wenn die Texte im Lauf der Jahre angepasst wurden. Die Gerstetter-Musik sei ebenfalls nicht einfach zu spielen, sagt Pfaffinger. Er weiß es, denn er spielt sie. Es gebe einige „harmonisch schwierige Stellen“. Ausgelegt ist sie für ein Orchester, wohl der Grund, weswegen sie nur selten gespielt wird. Häufiger zu hören ist eine Version von Raimund Rosenberger. Die Gerstetter-Variante wurde seit mehr als 50 Jahren nicht außerhalb Starnbergs aufgeführt.

Und worum geht es in „Matheis bricht’s Eis“? Einen Hof ohne Knecht, den Lehrer Matheis, der Knecht sein will, eine Prügelei beim Kirchweihfest, den schlauen Gschwendtnerbauern, seine Enkelin Stasi, die Liebe. Einige Schauspieler waren schon bei früheren Aufführungen dabei, Rudi Schwab etwa (diesmal als Schneider). Willi Großer gab schon den Gschwendtnerbauern, den Matheis und ist diesmal als Nachtwächter zu sehen. Für ihn und Pfaffinger ist es das vierte Mal „Matheis bricht’s Eis“.

Lange gedauert hatte es nicht, Mitstreiter zu finden. Aber: „Es wird immer schwieriger, junge Leute zu finden, die Bairisch reden und singen können“, sagt Großer. Beim Bühnenbild hingegen war schon vorher alles klar: Es ist jenes von 1999, das die ganzen Jahre in einem alten Pumpenhaus in Starnberg im Fundus der Heimatbühne eingelagert war. Es ist nicht einfach eine Kulisse: Das Bauernhaus ist nachgebaut, der Balkon begehbar – schließlich muss der Matheis zu Stasi hinaufklettern. Das Bühnenbild wird am 30. September in der Schlossberghalle aufgebaut, danach wird dort geprobt. Bisher übten Schauspieler und Musiker mal im Trachtenheim, mal in der Halle am Hirschanger.

„Matheis bricht’s Eis“ feiert am Samstag, 5. Oktober, ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) in der Schlossberghalle Premiere. Weitere Spieltage sind Sonntag, 6. Oktober, Montag, 7. Oktober, Dienstag, 8. Oktober, sowie Donnerstag, 10. Oktober, und Samstag, 12. Oktober. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Die Aufführungen dauern rund zweieinhalb Stunden mit Pausen. Karten kosten an der Abendkasse und im Vorverkauf 12 Euro. Wer sich eine sichern will, muss entweder zum Kulturamt der Stadt (Vogelanger 2) oder in die Touristinfo (Hauptstraße 1). Die Hauptrollen spielen: Gschwendtnerbauer: Sepp Bernlochner; Gschwendtnerin: Barbara Pfaffinger; deren Enkelin Stasi: Veronika Locherer; Schneider: Rudi Schwab; Xaverl, sein Lehrbub: Marianne Erhard; Vöstl von Traubing: Sebastian Hofer; Matheis Summerer, Lehrer: Andreas Ruhdorfer; Schulrat: Georg Ruf; Pater Emeran: Manfred Schulz; Michl, der alter Knecht: Stephan Dambier; Nanei, Jungdirn: Magdalena Schulz; Nachtwächter: Willi Großer; Bauerntochter: Lena Fersch.  ike

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