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Das historische Bahnhofsgebäude am See ist ein städtebauliches Kleinod. Bürger wie Josef Stenger fänden es gut, wenn die Stadt das Gebäude sanieren würde. „Da ist das Geld sinnvoller ausgegeben als am Kirchplatz“, sagt er. 

Starnberger Stadtrat beschließt

Neuer Anlauf für den Bahnhof See

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Stadtrat und Verwaltung wollen einen neuen Versuch unternehmen, das historische Bahnhofsgebäude See zu sanieren und besser zu nutzen. Der Beschluss fiel einstimmig, die Erfolgsaussichten sind unklar.

Starnberg – Klar, es gibt den „Wartesaal für allerhöchste Herrschaften“, der regelmäßig für Kunst und Kultur genutzt wird. Es gibt die Schalterhalle mit ihrer Ausstellungsreihe „nah – fern“. Und auch die Buchhandlung nutzt Räume des historischen Bahnhofsgebäudes am See. Aber dennoch fristet das Gebäude eher ein Mauerblümchendasein. „Es kann nicht unser Ziel sein, dass dieses wundervolle Gebäude noch mindestens zehn Jahre vor sich hin gammelt“, sagte Tim Weidner (SPD) in der Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend.

Genau das sei nämlich zu befürchten, wenn eine Sanierung erst mit dem möglichen Beginn einer Seeanbindung zusammenfalle, sagte Weidner. Also hatten die Sozialdemokraten beantragt, das Gebäude möglichst rasch durch die Stadt zu sanieren und barrierefrei zu gestalten. Bei den Stadtratskollegen und der Verwaltung rannten sie damit offene Türen ein. 

500 000 Euro sind 2020 für das Projekt im Haushalt eingestellt

Die Verwaltung schlug vor, ein sogenanntes VgV-Verfahren für die stufenweise Vergabe der Planungsleistungen zu starten, wie Bürgermeisterin Eva John erklärte. Dabei handelt es sich um ein geordnetes Verfahren für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Dafür gab es am Ende ein ebenso einstimmiges Votum des Stadtrats wie für den Vorschlag, im Haushalt für das nächste Jahr 500 000 Euro einzustellen.

Der Stadtrat hatte schon mal eine Sanierung auf eigene Faust beschlossen, wegen des zwischenzeitlich gestarteten Mediationsverfahrens mit der Bahn aber ruhen lassen. John schlug nun vor, das vor sechs Jahren erarbeitete Nutzungskonzept für das Bahnhofsgebäude in aktualisierter Form als Grundlage für die Planung zu nehmen.

Demnach wären im Erdgeschoss weitere Räume für Kultur und Veranstaltungen sowie für die Buchhandlung vorgesehen. Darüber hinaus ist eine Gastronomie vorstellbar, die gegebenenfalls auch eine Verbindung ins Obergeschoss hat. Dort schlug die Verwaltung ein Begegnungszentrum für die Bürgerschaft vor, das zum Beispiel Vereine oder die VHS nutzen können. Eine Freiterrasse für Veranstaltungen und gastronomische Nutzung runden die Vorschläge ab. Im Dachgeschoss wäre Platz für Haustechnik und Lagerräume.

Eine Generalsanierung und der barrierefreie Ausbau sind nötig

Um das Gebäude so nutzen zu können, sei jedoch eine Generalsanierung erforderlich, zu der auch die Ausstattung mit Sanitäranlagen und einer Küche sowie der weitgehende barrierefreie Ausbau gehörten, erklärte John. Da sich in einem Interessenbekundungsverfahren vor vier Jahren kein privater Investor gefunden hat, erhofft sich die Bürgermeisterin hohe Fördermittel seitens des Staates. „Es ist nicht schlimm, wenn wir die Sanierung alleine machen müssen“, sagte sie in der Sitzung. Nun komme es zunächst darauf an, einen geeigneten Architekten für das Projekt zu finden.

Aus Reihen der Stadträte kamen einige Hinweise zu dem Thema. Dr. Franz Sengl (Grüne) etwa ging auf den Baugrund sowie die Gründung und Statik des Gebäudes ein, die sicher nicht dem aktuellen Standard entsprächen. „Ich glaube, dass fünf Millionen Euro allein dafür schon nicht ausreichen“, sagte er. Maximilian Ardelt (WPS) empfahl, mit der Bahn sämtliche Eigentumsrechte genau zu definieren. Für SPD-Stadtrat Weidner ist der Arbeitsauftrag klar: „Denkmäler sind ein kostbarer Schatz unserer Kultur“, sagte er. „Unsere Visitenkarte ist der Bahnhof See.“ Das solle er auch in Zukunft bleiben.

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