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Die „Beute“: Polizisten brachten die im August vorigen Jahres gestohlene Eistüte ihrem Eigentümer Franco Martini im Dezember 2018 zurück, nachdem die Beamten die Tüte gefunden hatten. 

„Dumme Idee“

Richter lässt bei Eistüten-Diebinnen Milde walten

Im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee war der Eistüten-Diebstahl, den zwei junge Frauen aus dem Landkreis im vergangenen August begingen. Nun mussten sie am Amtsgericht dafür gerade stehen.

Starnberg – Einer der ungewöhnlichsten Diebstähle der vergangenen Jahre hatte dieser Tage ein Nachspiel vor dem Amtsgericht – die Beute war eine mannshohe Eistüte. Nach einer durchzechten August-Nacht 2018 hatten zwei Freundinnen den Dekoartikel aus der Halterung einer Starnberger Eisdiele entfernt und mitgenommen. Nun mussten sich die 19-jährige Feldafingerin und ihre 18-jährige Freundin aus Pöcking wegen Diebstahls vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten.

Vor Jugendrichter Ralf Jehle zeigten sich die Mädchen sofort geständig und bekannten sich zu ihrer „dummen Idee“. Zudem hat sich das Duo bereits bei der Eisdiele entschuldigt. Die Eistüte wurde zurückgebracht – allerdings mit Lackschäden. Die Pöckingerin stand deshalb bereits mit einer Zahlung von 500 Euro an die Eisdiele gerade. Der Verteidiger der Pöckingerin legte dem Gericht eine entsprechende Schlichtungsvereinbarung vor. Beide Mädchen haben erst kürzlich ihr Abi-Zeugnis ausgehändigt bekommen und hinterließen vor Gericht einen aufgeräumten Eindruck. Eine Mahnung ließ sich Jugendrichter Jehle dennoch nicht nehmen: „Das Problem ist, man muss seine persönlichen Grenzen beim Alkohol erkennen.“

Eistüten-Diebinnen: „Wir haben damals ein bisschen viel getrunken...“

Glaubt man den frisch gebackenen Abiturientinnen, so ist Alkohol im Allgemeinen kein Thema: „Wir haben damals ein bisschen viel getrunken, weil der Sommerurlaub anstand. Wir waren lustig drauf – das hat sich hochgeschaukelt.“ Zur Verdeutlichung ihres ernsthaften Problembewusstseins absolvierte die Pöckingerin im Vorfeld des Prozesses zwei Suchtberatungsgespräche bei Condrobs.

Die Verfahrenseinstellung war letztlich eine Sache des guten Willens. „Das war schon ein erheblicher Wert – wenn man zwei Augen zudrückt“, so die Staatsanwältin. Immerhin kostet eine neuwertige Eistüte mit einer Höhe von 1,95 Metern rund 1000 Euro. Für die Pöckingerin ist die Verfahrenseinstellung endgültig. Das Verfahren gegen die Feldafingerin wird erst endgültig eingestellt, wenn sie 250 Euro an ihre mitangeklagte Freundin überwiesen und sich somit hälftig am Täteropfer-Ausgleich beteiligt hat.  

Nilda Höhlein

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